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V. Kapitel: Wundstarrkrampf.
Band VII.
des Februars 1871 an einer Fleischwunde des linken Unter-schenkels, der andere — Schröder — im Kriegslazareth zuGorze an einer Schusswunde der Weichtheile des linkenäusseren Oberschenkels, beide komplizirt mit Tetanus,behandelt. Schröder hat von seinen Wunden keinerleifunktionelle und trophische Störungen zurückbehalten, beideleiden aber noch heut zu Tage an periodischen, heftigen,neuralgischen Schmerzen in den verletzten Extremitäten,ausstrahlend auch auf andere Nervengebiete.
Ehrentraut hatte, wie gesagt, das Leiden im Anschlussan einen Schuss durch die linke Wade acquirirt. Jetzt —im Mai 1883 — klagte er über allgemeine Nervosität undneuralgische Beschwerden im verwundeten Gliede undsuchte eine freie Badekur nach. Er war angeblich seitseiner Krankheit von diesen Beschwerden nicht frei ge-wesen und litt seit Jahren an häufig wiederkehrenderschmerzhafter Kontraktur der Wadenmuskulatur linkerseits,welche oft durch die geringsten Anstrengungen hervor-gerufen werden sollte. Als er sich zwecks Untersuchungentkleidete, konnte beim Abziehen des Beinkleides einsolcher Muskelkrampf von minutenlanger Dauer beobachtetwerden. Druck auf den plexus sacralis, den lschiadicus
und Peroneus zeigte sich empfindlich, an einzelnen Punktensogar sehr schmerzhaft. Die Kompression löste aber eben-sowenig den tonischen Krampf aus, als Druck auf diegrossen Gefässstämme. Umfang des linken Oberschenkels |in der Mitte 48, des rechten 49, der linken Wade 34. 5| ,der rechten 3(5 cm. Beiderseits ausgesprochenes Fuss-phänomen und verstärkter Patellarsehnenreflex. Kränk- 1lieher Gesichtsausdruck und herabgesetzte Ernährung. Aue!hier lassen sich wohl anatomische Veränderungen im |lschiadicus — möglicherweise eine Neuritis chronica -voraussetzen.
Neuerdings wurde ferner auf dem Bezirks-Kommando |Berlin wiederholt ein Mann Namens Matschke untersucht, der |im Feldzuge 1870/71 an rheumatischem Tetanus schwer dar-niedergelegen hatte, und dessen Krankengeschichte im An-hang zu diesem Kapitel wiedergegeben ist. Die ausserordent-lich verstärkte Reflexerregbarkeit, namentlich von den ISehnen aus, und die zeitweiligen Innervationsstörungen derGefässmuskulatur, wodurch die Finger der Hände eine |kreideweisse Färbung annehmen und ihre Sensibilität ein-büssen, sind möglicherweise direkte und bleibende Folgen Ides Starrkrampfs.
Fünfter Abschnitt.Behandlung.
I. Chirurgische Behandlung.
Der Behandlungsweisen des Wundtetanus gab es imFeldzuge zwei, eine chirurgische und eine medizinische.Da die erste das meiste Vertrauen erweckte, erfreute siesich bei den Kriegschirurgen einer besondern Beliebtheit.
Ganz ohne Einfluss auf den Fortbestand des Tetanusblieb eine Neurektomie und eine Neurotomie.
XLVI. Hüter resezirte am 29. August 1870 zu Pontà Mousson ein Stück des nervus ulnaris bei dem FranzosenGodard, 1 ) welcher durch einen am 18. desselben Monats er-littenen Schuss in den Oberarm verletzt war, um den inzwischenentstandenen Tetanus zu heben, ohne jeden Erfolg. Es tratvielmehr 24 Stunden darauf der Tod ein.
XLVII. Durch eine Chassepotkugel, welche ihn am18. August 1870 bei St. Marie aux Chênes getroffen, war bei
!) Vergl. V. Band dieses Berichtes, Seite 637, Fall 2,1.
dem Füsilier Nissen vom 1. Garde-Regiment zu Fuss der Icondylus externus humeri sin. abgesprengt und das Olekranon Izertrümmert. Patient kam nach siebentägiger Eisenbahnfahrtam 25. August in dem Reservelazareth zu Potsdam, welches inder Kaserne seines Regiments errichtet war, an. Behandlungmit Karbolsäureverband und Eisbeutel. Das Ellenbogengelentwar geschwollen, heiss, schmerzhaft. Fieber massig. Entfernungvon Knochenfragmenten aus der Wunde. Am 28. AugustTetanus. Dagegen Morphium und Dilatation der Wunde uníHerausnahme der noch zu findenden Knochenfragmente. Ver-schlimmerung. Daher am 29. August Durchschneidung desnervus ulnaris. Tod an demselben Tage.
Die Neurotomie ist 1792'von Wiemann, die Neurek-tomie später von Froriep vorgeschlagen. Swan er-zählt zwei erfolgreiche Kuren dieser Art von Larrey.Ferner erzielten Murray in einem, Rizzoli und Marti-nelli in einem anderen Falle durch Neurotomie Heilung.