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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VII.

IV. Abschnitt: Symptome und Verlauf.

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Von einer kolossalen Temperatursteigeruug sprichtauch H. Fischer bei dem Jäger Sauerwein, welcher am18. August neben einem Haarseilschuss im Nacken einenSplitterschussbruch des Oberschenkels davongetragen hatte,am 24. August an Trismus erkrankte und zwei Tagenachher starb.

Leyden und Rosenthal experimentirten an Wirbel-thieren. Sie schoben die Pole eines induzirten Stromesunter die Haut des Nackens und der Lendenwirbelsäuleund ein Thermometer in den Mastdarm. Beim Beginn desTetanus fiel das Thermometer etwa 3 Minuten lang umda 0 C, stieg dann aber bis 5.2° C.

Die Temperatursteigerung bei angestrengten Muskel-hewegungen fällt aber beim Menschen nur gering aus, wiees auch durchschnittlich im Tetanus geschieht. Wenn trotzheftiger Muskelkrämpfe dennoch normale Temperaturenbeobachtet sind, so erklärt sich das dadurch, dass dieWärmeregulatoren funktionirten. Einer Störung dieser Re-gulatoren könnte die prämortale Fieberzunahme, wie sie inganz vereinzelten Fällen während des Feldzuges, übrigensniemals in aussergewöhnlicher Höhe, nicht einmal von40° C. gemessen wurde, zu Grunde liegen. Man würde dannden ganzen Fieberverlauf als eine Reizung mit nachfolgenderErschöpfung des regulatorischen Wärmecentrums betrachtendürfen.

Messungen nach dem Tode wurden ausser den beidenvorstehenden noch in sechs anderen Fällen angestellt,darunter dreimal von Fräntzel und Friedländer. Diesebeiden Autoren fanden nur einmal eine Steigerung bis auf38.5° C, welche die in den letzten Lebensstunden gefundenekaum um einen halben Grad Celsius übertraf, bei denbeiden anderen gestorbenen Tetanischen liess sich eineTemperaturerhöhung nach dem Tode gar nicht nachweisen.Die übrig bleibenden drei Fälle zeigten das seit Wunder-lich häufig beschriebene postmortale Ansteigen des Thermo-meters bis über 42° C. in unzweideutiger Weise. Aus eigenenWahrnehmungen wurde zuweilen auf das ungemein rascheSteigen des Thermometers im Tetanus aufmerksamgemacht.

Im Gegensatze zu den inkonstanten Verhältnissen derTemperatur zeigte die quantitative Beschaffenheit desPulses, in den freilich zur Aufstellung eines allgemeinenGesetzes nicht hinreichend zahlreichen Beobachtungen ausdem Feldzuge, eine gewisse Gleichmässigkeit. Von allenSeiten wurde eine ziemlich hochgradige Beschleunigungder Herzthätigkeit konstatirt. Die Temperatursteigerungallein konnte für dieselbe nicht in Anspruch genommenVerden.

Zwar sahen Güterbock, Böttcher, Rawitz bei hohemFieber auch die Pulszahl bis über 140 Schläge in der Minutesteigen, und die eine der obigen Kurven (Zeichnung 2) enthältdas Beispiel eines siebentägigen Tetanus mit einer dauerndenPulsfrequenz von 120154 Schlägen, allein Dülz (XLHI)hatte bei 38.o° C. 120, Härtel (LXX1I) bei 37. 8 ° C. 124 und

Metz (I) gar bei 36.5° C. 132 Herzkontraktionen in der Minute.Die vermehrte Thätigkeit des Herzens wurde vielmehr fastdurchweg als eine Folge der heftigen Muskelanstrengungenerklärt und die Richtigkeit dieser Annahme durch das be-obachtete Sinken des Pulses in der Chloroformnarkosezu beweisen versucht, wie dies bereits früher Rose ge-than hat.

Wenn auch keines einzigen Tetanusfalles aus dem Feld-zuge 1870, 71 mit subnormaler Pulsfrequenz Erwähnung ge-schieht, so muss doch auf eine Beobachtung von Rzep-nikowski hingewiesen werden. Sein Patient erhielt am3. Juli 1866 bei Königgrätz eine Wunde in den rechtenUnterschenkel. Am 11. Juli Nachmittags zeigten sich dieersten Hindernisse im Kiefergelenk, in 6 Stunden war derTetanus völlig ausgebildet. Als Rzepnikowski ihn sah, botder Cirkulationsapparat folgende Veränderung:Die Puls-frequenz, welche früher 94 betrug, war auf 62 herabgesunken,dabei war der Puls ruhig und voll. Die Herztöne rein,von keinem Geräusch begleitet."

Dasselbe Sinken des Pulses beim Eintritt der erstenAnzeichen des Tetanus beobachtete auch Neudörfer. Amdritten Tage nach einer Verletzung, Schusswunde des Fusses,fiel es Neudörfer auf, dass der Tags zuvor 100 über-steigende Puls auf etwa 40 herabgesunken war. Noch imVerlauf des Tages war ein häufiges Gähnen und Schluchzenbemerkbar, und am nächsten Morgen stellte sich, währendder Puls derselbe blieb, eine Starre der Kaumuskeln ein.(Lentz.)

Mitwirkend für die Pulsbeschleunigung kann aber auchnoch, falls man das Wesen des Tetanus in Veränderungender medulla oblongata zu suchen hat, die Erschöpfungdes Hemmungsnervens des Herzens sein. In allen den-jenigen Fällen, in welchen auf eine massige, den Muskel-konvulsionen zur Last fallende Vermehrung der Pulsfrequenzeine prämortale weitere Acceleration folgt, ist eine solcheErklärung zuzulassen. Die Fälle mit Pulsverlangsamungwürden dann eine Vagusreizung voraussetzen.

Ueber die qualitativen Verhältnisse im arte-riellen Gefässsystem finden sich in der Feldzugskasuistiknur oberflächliche und ungenaue Bemerkungen. Soviel er-hellt indess aus denselben, dass die Spannung der Radial-arterie, wie dies wohl auch a priori vermuthet werdenkonnte und schon bei Bertram ausgesprochen ist, in denKrampfparoxysmen vermehrt, nach denselben meist un-verändert war.

Auch De m me fand den Puls in der Regel währendder Anfalle hart gespannt, nach den Anfällen schien ergewöhnlich weicher.

Sehr wenig Aufmerksamkeit wurde dem Respira-tionsapparate gewidmet. Die genaueste Beobachtungist in Zeichnung 2 niedergelegt. Es handelte sich bei demKranken um einen mit heftigen Reflexkrämpfen kombinirtenTetanus. Durch die tetanischen Stösse nahm die Athmungeinen höchst unregelmässigen Charakter an. In den

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