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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VII.

IV. Abschnitt: Symptome und Verlauf.

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schmerzhaft war und zugleich leichte Zuckungen im Daumenauslöste; dann war wieder die Unibiegungsstelle des linkenn. radialis an der Aussenseite des Oberarms schmerzhaft.Beim Aufsetzen der Anode eines galvanischen Stromes aufdie Innenseite des Vorderarms, der Kathode in die Achsel-höhle oder in die fossa supraclaviculars empfand Patientschon bei 8 Elementen links lebhaft brennende Schmerzenund bei Stromwendungen erfolgten Zuckungen, rechts erstbei viel höheren Stromstärken. Die anatomische Unter-suchung dieses Falles ergab ebensowenig an frischen wiean erhärteten Präparaten etwas, was auf Neuritis oderPerineuritis hätte bezogen werden können. Man mussalso in diesem Falle eine Erhöhung der Erregbarkeit der

beiden verletzten Nerven annehmen, die wohl zweifellosvon der Wunde angeregt ist und wohl auch in Beziehungzur Entstehung des Tetanus gebracht werden darf.

Um die Sektionsergebnisse zu vervollständigen, istnoch zuzusetzen, dass Arnold im Reservelazareth Heidel-berg in 5 Fällen schwere Erkrankungen der Luftwege,4 mal sogar eine vollkommen ausgesprochene pneumonischeAffektion nachwies, und dass Blutüberfüllung der Darm-schleimhaut, der Nieren, der Milz, subpleurale Ekchymosenals unzweifelhafte Folgen des Erstickungstodes vielfach notirtwurden. Endlich traf man noch viermal auf Blutungen indas Gewebe der tetanischen Muskulatur.

Vierter Abschnitt.Symptome und Verlauf.

Die Bereicherungen, welche die klinischen Symptomedes Tetanus durch die Feldzugsbeobachtungen erfahrenhaben, möge der Leser aus der Schilderung des allgemeinenKrankheitsbildes und der Analyse seiner einzelnen Zügeersehen. Als Vorboten der Allgemeinerkrankung erwähntv. Beck bei seinen Tetanischen eine veränderte Gemüths-stimiming, ein ängstliches weinerliches Wesen, Ungeduld,Schlaflosigkeit, das Auftreten eines eigenthümlichen,prickelnden Gefühls im Gesicht, Schluchzen, ein schmerz-liaftes Oefthen des Mundes, erschwertes Schlingen, wieder-holte Zuckungen in den Gliedern und einen eigenthümlichenGesichtsausdruck. Einige dieser Vorboten sind, wie manmit Böse annehmen darf, wohl schon als die ersten An-fange der allmälig sich entwickelnden Krankheit aufzufassen.Ganz besonders kann man dazu den veränderten Gesichts-ausdruck, die Schlingbeschwerden und das schmerzhafteOeffnen des Mundes rechnen. Die charakteristische Ent-stellung der Gesichtszüge, wie sie in der klassischen Dar-stellung von König so lebhaft vor die Augen geführtwird, gab wiederholt die erste Gelegenheit zur Erkennungder Anfangsstadien des Starrkrampfs. Die Reizung dery om nerv, facialis und der portio minor nerv,trigemini versorgten Muskeln bildet ja zumeist denBeginn des Leidens. Nur in sehr wenigen Fällen fandensich Abweichungen von diesem Gesetze, indem zuerst dieSchlingmuskeln befallen wurden.

Hiervon sah Heinecke ein Beispiel. Ein BayerischerSoldat, Namens Meyer, wurde am 13. Oktober 1870 durch

die Mittelhand geschossen. Nach vielfachen schmerzhaftenWunduntersuchungen, stellten sich am 18. Oktober zuerstSchlingbeschwerden ein, welchen drei Tage später Kiefer-klemme folgte.

Im 12. Feldlazareth III. Armeekorps machte man dieBeobachtung, dass ein am 9. Januar 1871 durch einenHaarseilschuss durch die Wade Verwundeter am 14. Januar1871 über Schlingbeschwerden klagte, welche bald soheftig wurden, dass der Kranke zu schlucken unfähig war.Erst 24 Stunden später schloss sich Trismus an. DasReservelazareth Hannover führt ausdrücklich als die erstentetanischen Symptome eines Schwerverletzten die Krämpfein den m. constrict, pharyngis an. Im Görlitzer Lazarethklagte ein durch das Handgelenk geschossener Soldat,unter gleichzeitigem Eintritt von hohem Fieber, über Be-schwerden des Schlingaktes, in einem Gefühl von Zusammen-geschnürtsein des Schlundes bestehend, auf welche alsbaldKinnbackenkrampf folgte. Dies sind die einzigen Beispiele,in welchen der Tetanus mit einem Krampf in den Muskelndes Schlundes begann. Man kann daher im Allge-meinen den Anfang des Tetanus in den Schling-muskeln als Ausnahme von der Regel betrachten.

In zwei Fällen fand eine Betheiligung der mimischenGesichtsmuskeln gar nicht statt. Einmal wurde derAusfall des Trismus, welchen schon Heyfelder 1838 beieinem tödtlich verlaufenden rheumatischen Tetanus beschrieb,bei Lewandowicz (LXXXV) beobachtet, denn S o ein schreibtausdrücklich, dass sich zu der eigenthümlichen Starrheit