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V. Kapitel: Wundstarrkrampf
Band VII.
an der durch die Verletzung betroffenen Stelle in seinemweiteren Verlaufe von Strecke zu Strecke in verschiedenen,durchaus nicht konstanten Entfernungen eine rosige In-jektionsröthung des Neurilemms ohne merkliche Produkte.Diese Röthung beschränkt sich meist auf die Oberflächeoder greift nur unbeträchtlich in die Tiefe zwischen dieeinzelnen Nervenbündel. Das wiederholt sich zum Beispielbei Verletzungen eines Plantarnerven im Verlauf des Tibialisund des Ischiadicus 3, 4, 5 und mehrere Male bis in dasffiiftnervengeflecht; an der Einsenkung der betreffendenNerven in die Medulla oder in dieser selbst haben wirNichts gefunden."
Demme erklärt die von Froriep und Rokitanskybeschriebenen rosig injizirten Partien anders, als die ge-nannten Autoren. In einem Palle von Tetanus nach einergerissenen Wunde der rechten Hand beschreibt er denmakroskopischen Befund ähnlich wie Rokitansky: „Anden Stämmen des n. medianas, des n. radialis und n. mus-culocutaneus treten schon bei äusserer Besichtigung die-jenigen Erscheinungen hervor, welche bereits früher alsResultate der Froriep'sehen Untersuchungen mitgetheiltworden sind. Es zeigen sich Ungleichheiten im Durch-messer und knotige Anschwellungen. Vorzüglich auffallenderscheinen aber einzelne durch anscheinend gesundePartien getrennte Injektionen, welche sich in Formrother Inseln nach dem plexus axillaris hinziehen. Aneinzelnen Stellen sind die Scheiden der Nerven ziemlichintensiv gelb gefärbt." Ueber diese Erscheinungen amNerven äussert er sich folgendermaassen : „Wenn ich dieinjizirten Inseln der Nervenstämme in ihrem Verhältniss zuden umgebenden Muskelbäuchen und Sehnen näher ins Augefasste, so drängte sich mir die Ueberzeugung auf, dass dieseForm der Hyperämie vorzugsweise durch den ungleichenDruck der Nachbartheile bei der tetanischen Spannung imLeben und durch den Rigor mortis im Tode unterhaltensei. Besonders schien mir für diese Ansicht der Umstandzu sprechen, dass den Stellen, wo die Nerven sich mitMuskelbäuchen kreuzten, und wo sie folglich durch dieangegebenen Momente den hauptsächlichsten Druck erleidenmussten, Blutleere entsprach. Die so räthselhaft gefundeneund oft komplizirt erklärte Erscheinung schien sich mirauf diese Weise am einfachsten begründen zu lassen. Mitdieser Auflassung stimmte es auch überein, dass die wenigergedrückten, freier liegenden Partien des plexus axillarisnichts von einer sporadischen Injektion zeigten. Ich konnteüberhaupt keine der genannten Veränderungen bis an dieHalsnerven und die Rückenmarkshäute, wie Froriep, ver-folgen." Mikroskopisch wies Demme ähnliche Binde-gewebswucherungen an den Nerven nach, wie er sie fürdie Medulla gefunden hat, und zwar konnte er zwischendem mikroskopischen Verhalten der äusserlich unveränderterscheinenden und der gerötheten Nervenpartien, mit Aus-nahme der Injektion, keinen bestimmten Unterschied finden.
Die Gewebsveränderungen setzten sich durch den plexusaxillaris ohne Unterbrechung in die Halsnerven und dieentsprechenden Rückenmarkswurzeln fort.
Die von Demme im Nerven wahrgenommenen Binde-gewebswucherungen bedürfen vorläufig noch weiterer Be-stätigung; seine Erklärung bezüglich des Zustandekommensder disseminirten Injektionen erscheint nicht zutreffend,denn wäre sie es, so müssten sich die Injektionen in allenFällen und nicht nur in dem Nerven, der mit der Wundein Verbindung steht, sondern in allen Extremitäten-Nervenfinden lassen.
Klemm hat nun experimentell an Kaninchen undKatzen für die Entzündung der Nerven bestimmte Prä-dilektionsstellen der Lokalisirung des entzündlichen Pro-zesses, die einem sprungweisen Fortschreiten der Neuritisentsprechen, nachweisen können.
Diese Stellen waren bei seinen Versuchsthieren die-jenigen, und zwar meist in der Nähe der Gelenke gelegenenPunkte, an denen von den benachbarten ArterienstämmenGefässe auf die Nerven übergehen.
Wie schon erwähnt, findet sich nun aber bei Weitemnicht in allen Fällen von traumatischem Tetanus dieseNeuritis disseminata, wie sie z. B. in der Kasuistik diesesKapitels bei Dülz (XL11I) beschrieben ist.
Noch ist zu erwähnen, dass neuerdings Monastyrskidrei Fälle von Tetanus traumaticus beschrieben hat, beiwelchen die anatomisch - histologische Untersuchung Blut-ergüsse in die der Verwundung zunächst liegenden Nerven-stämme ergab.
Nothnagel hat durch eine Beobachtung evident er-wiesen, dass eine funktionelle Erhöhung der Erregbarkeiteines Nerven bestehen und zum Tetanus Veranlassimggeben kann, ohne dass die anatomischen Zeichen neuritischeroder perineuritischer Prozesse sich finden.
Supponirt ist die erhöhte Erregbarkeit des verletztenNerven bisher schon oft worden, Nothnagel hat sie aberexperimentell nachgewiesen. Seine Beobachtung betraf einenhochgradigen Tetanus nach einem Schnitt in die letzte Pha-lanx des linken Daumens. Bei der Untersuchung des n. me-dianus und radialis, deren Aeste durch den Schnitt getroffenwaren, in ihrem Verlaufe am Arm entlang, fand er, ent-sprechend der Mitte der Innenseite des Vorderarms, eine2—3 cm lange Stelle, wo ein gegen das spatium interosseumgerichteter Druck dem Kranken entschieden empfindlichwar (auch beim Vergleich mit der entsprechenden Stellerechts); ebenso erzeugte ein massiger Druck auf den n.medianus in der Ellenbogenbeuge Schmerz an der Druck-stelle selbst und zugleich stechende Schmerzen in dem ver-letzten linken Daumen; endlich erfolgten beim Druck aufden n. medianus am Oberarm allerdings keine Schmerzen.aber Zuckungen im Daumen; alle diese abnormen Erschei-nungen fehlten bei der Untersuchung des rechten n. mediana.Weiterhin zeigte sich, dass Druck auf die Radialseite desVorderarms dicht oberhalb des processus styloideus radn