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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VU.

III. Abschnitt: Pathologisch-anatomischer Befund.

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fassen durchzogen. Schüller untersuchte bei einer Schuss-verletzung des 1. und 2. Metatarsophalangealgelenks links dieperipherischen Nervenstämme und kam zu der Ueherzeugung,dass der nerv, plantaris internus und der nerv, tibialispostic. bis über den Knöchel stark hyperämisch, stellen-weise mit kleinen Hämorrhagien besetzt waren. Im Kriegs-lazareth zu Strassburg lag im Januar 1871 ein Badenser,welcher eine Schussfraktur der Klavikula erlitten hatte.Das Geschoss steckte und hatte, wie die Autopsie bewies,den n. vagus gequetscht, v. Beck fand bei einem blindenSchusskanal der linken Wade Papierstückchen in derWundhöhle, den nerv, suralis von eitrig-jauchiger Infiltrationumgeben, Bluterguss längs des nerv, tibialis postic. und inder Scheide des Nerven ein 3 Zoll langes Blutgerinnsel. Einfrisches Blutgerinnsel in der Nervenscheide des plex. bra-chialis konstatirte derselbe Autor bei einem Tetanus nach se-kundärer Amputation des Oberarms. Bei dem Franzosen FelixBei (XXXI), welchem die Nagelglieder am 3. und 4. Fingerrechts zerschmettert waren, fand Klebs nach dem Tode anTetanus kleine Neurome an den Digitalnerven. Aus denFeldlazarethen geschieht, abgesehen von den bereits ange-gebenen Fällen, noch 8mal einer Neuritis nerv, ischiad. bei5 Granat- und 3 Gewehrkugel-Wunden und darauf folgendemTetanus einer kurzen Erwähnung.

Indessen fehlt es auch nicht an Beispielen, in denender Befund an den peripherischen Nerven trotz gewissenhafterUntersuchung ein negativer war. S chin zing er entfernteaus einer Oberschenkebvunde eine in ihrer Form sehr ver-änderte Kugel, eine Stunde später trat Trismus ein, anwelchem der Verwundete starb. Die Nerven warenohne Abnormität. Stoll erklärt ausdrücklich, dass beidem an Tetanus verstorbenen Feldwebel Kaiser, miteiner Schussfraktur des Humerus, bei der Sektion eineNervenverletzung nicht nachzuweisen war. Fräntzelund Friedländer sezirten nach dem Lazarethberichte deserstgenannten Autors in Villiers le Bel drei tödtlich abge-laufene Tetanusfälle; bei keinem liess sich eine Nerven-verletzung ersichtlich machen. Ebmeier unterzog dieNerven einer Unterextreiuität, deren Unterschenkel durcheine Kugel frakturirt war, nach dem Tode des Besitzers anTetanus einer Untersuchung und fand sie unverändert,v.Beck's Krankengeschichten lassen gleichfalls in einzelnenFällen auf negative Sektionsergebnisse an den peripheri-schen Nervenstämmen schliessen. S o ein konnte in seinenFällen nirgends eine besondere Nervenquetschung entdeckenund sagt, dass Klebs nur einmal - XXXI - an denverletztenDigitalnerven des Ringfingers kleine Neurome fand. Klebs,welcher den Fall des Felix Bei (XXXI) ausführlich beschreibt,fügt noch besonders hinzu, dass auch die Nerven des»ohlkonservirten Präparates keine feineren Verände-rungen zeigten. Endlich konnte auch Cohnheim, wieoben zu lesen, in zwei Fällen makroskopische Abnormitätender peripherischen Nerven nicht konstatiren, er hebt sogar

einmal ausdrücklich hervor, dass der n. medianus überallvon weisser Farbe gewesen sei.

Lentz schreibt:

Bekanntlich war Lepelletier der erste, welcher eineentzündliche Affektion in den von der Wunde ausgehendenNerven nachwies, er hielt sie für ganz konstant und er-klärte das Wesen des Tetanus als eine inflammation névri-lematique, die sich von der Wunde bis zum Rückenmarkfortsetzt. In einem Falle, in welchem der Tetanus nacheiner komplizirten Fraktur des Oberarms ausbrach, fand erdas Neurilemm des Kubital- und Mediannerven, sowie auchdie Häute des Gehirns und Rückenmarks roth und entzündet.Bemerkenswerth war es, dass die inflammatorischen Erschei-nungen auf die linke Seite der Membranen beschränktwaren, an welcher auch der Arm gebrochen war. In einemanderen Falle, in welchem der Tetanus nach einem Ein-schnitt in einen Karbunkel an der inneren Seite des Ober-schenkels auftrat, fand er die Häute des Rückenmarks sehrgefässreich und das Rückenmark selbst vom 4. Hals- bis4. oder 5. Rückenwirbel roth und sehr weich. Der Zweigdes n. ischiadicus, welcher sich an dem Orte des Karbunkelsausbreitete, war von einem Gefässnetz umgeben. In einemdritten Falle, in welchem nach einer Amputation des linkenFusses zuerst Zuckungen der Muskeln im Stumpfe, dannTrismus und Tetanus eintraten, fand er in dem Stumpfean dem Kopfe der Fibula eine geringe Eiteransammlungund die Theile entzündet. Der n. ischiadicus war andieser Seite in seinem Gewebe erweicht, hatte eine violetteFarbe, war stark mit Blut überfüllt und zeigte diese Be-schaffenheit acht oder zehn Zoll weit nach oben. DiePia mater medullae spinalis war an der Ursprungsstellederjenigen Nerven, welche zu den von den Krämpfen er-griffenen Muskeln hingehen, stark injizirt; unter dieser Hautfand man röthliche Ergiessungen, und das Rückenmarkselbst war in der Mitte des Dorsaltheils sehr erweicht."

Curling citirt in seiner Schrift noch mehrere derartigeBeobachtungen, aber auch einige andere, in denen sich keineentzündliche Veränderungen im Nerven fanden; so entdeckteMorgan bei der Untersuchung in einem Falle von Tetanuszwei Fälle der zersplitterten Waffe im n. abductor und ineinem Zweige des Radialnerven, ohne dass eine Entzündungdes letzteren wahrzunehmen war.

Froriep veröffentlichte, wie schon erwähnt, im Jahre1837 sieben Sektionen von traumatischem Tetanus; in allenFällen zeigten die gereizten Nerven auf gleiche Weise eineeigenthümliche entzündliche Veränderung: knotige An-schwellung und Röthung an einzelnen, durch unveränderteStrecken von einander getrennten Stellen. Diese Nerven-entzündung erklärt auch Froriep für die Ursache destraumatischen Tetanus.

Rokitansky beschreibt diese Form der Neuritisdisseminata, wie sie von Leyden genannt wird, folgender-maassen:Man findet nebst der Entzündung des Nerven ;