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V. Kapitel: Wundstarrkrampf.
Band TU
In anderen Fällen schwanden, wie oben erläutertwurde, unmittelbar nach einem chirurgischen Eingriffsämmtliche Symptome. Diese Beobachtungen weisen da-rauf hin, dass man nur solche Veränderungen als Ursachedes Tetanus erwarten kann, die schnell zu entstehen undschnell wieder zu verschwinden im Stande sind, und dasstiefer eingreifende Veränderungen, wenn sie häufig bei denSektionen gefunden werden, nur als Folgezustände derKrankheit, nicht aber als ihre Ursache aufgefasst werdendürfen. So wird man auch nicht umhin können, dieseBindegewebswucherungen, ebenso wie die Hyperämien undErweichungen als einen sekundären Prozess aufzufassen.Mag nun dieser Prozess, wie Dem me will, ein in ge-wissem Grade irritativer oder, wie ihn Kleb s in seinenBeiträgen zur pathologischen Anatomie der Schusswundenerklärt, ein atrophischer sein, immerhin bleibt bemerkens-werth, dass Demme als den vorzugsweisen Sitz dieserErkrankung die medulla oblongata mit dem 4. Ventrikel,die crura medullae ad cerebrum et ad corpora quadrigeminaund das Rückenmark in seinem grössten Theile, dagegendas Grosshirn stets frei von derselben gefunden hat.
Swan hat seine Aufmerksamkeit bei seinen Unter-suchungen über den Tetanus besonders dem n. sympathicusgewidmet und einen widernatürlich injizirten Zustand derkleinen Gefässe, welche zu den Ganglien, besonders denganglia cervicalia und semilunaria gehen, gefunden. Aelm-liche Beobachtungen hatten schon früher Aronssohn inStrassburg und Andral gemacht. Curling fand ebenfallsin zwei Fällen die ganglia cervicalia ausnehmend vaskulös,wogegen er sie in einem dritten Falle von normaler Be-schaffenheit sah. Dupuy giebt an, dass er häufig Ent-zündung und Desorganisation dieser Ganglia und 'andererNervenstämme bei Pferden, welche am Tetanus gestorbenwaren, beobachtet habe. Demme sah in einem Falle vonTetanus nach Verletzung einer Hand in der Nähe derganglia semilunaria und an diesen selbst dichte Kapillar-injektionen und kleine Ekchymosen.
Diese Veränderungen in den Ganglien bewogenAbernethy und Swan, in einer Affektion des n. sym-pathicus das Wesen des Tetanus zu suchen, und die häufigaufgefundenen Zeichen von Entzündung im Darmkanal,sowie das bisweilen beobachtete Vorkommen von Würmernveranlasste sie, die Hypothese aufzustellen, dass im Tetanusentweder primär oder sekundär in Folge Verschlechterungder Wundbeschaffenheit ein Beizzustand im Darm entstehe,durch welchen die Beizung des sympathischen Nerven zuStande komme. Aber schon Curling machte gegen dieseHypothese geltend, dass 1) im Tetanus die Wunde nichtimmer in einem schlechten Zustande sei, und dass 2) dieDigestionsorgane nach der Verletzung und vor dem Auf-treten des Tetanus nicht in allen Fällen gestört seien.
Häufiger als an den nervösen Centren ergaben dieSektionen beim Tetanus traumaticus während des Feldzugespositive Veränderungen der mit der Wunde in Ver-
bindung stehenden peripherischen Nerven. Derartige-IBluterguss in die Nervenscheide, Neuritis n. tibial, ant., Neurit,n. intercost. — enthalten schon die vorangestellten Obduk-tionsprotokolle. Es erübrigt, noch weitere mitzutheilen. Beieiner Schusswunde der Kniekehle, welche durch Tetanut Itödtlich verlief, war der nerv, peroneus an einer l 1 ■• Centi-meter langen Stelle gequetscht; hier sah er grünlich ati>|und seine Fasern waren verfettet. Der nerv, ischiad.lderselben Seite zeigte intermittirende, rothe 2 Centimetetllange Stellen, welche li Centimeter lange Zwischenräume!hatten. Diese Affektion erstreckte sich bis zum Austritt |aus der incisura ischiadica (Neuritis disseminata) und fehltan dem nerv, ischiad. der anderen Seite. In einem anderen lFalle, in welchem es sich um einen Schuss in die liublHüfte mit Verletzung der spina anter. inf. und Trismuslhandelte, war der nerv, cutan, fernor. ant. dext. durchtrennifSein oberes Ende war breit gequetscht und in der Livon etwa '/* Zoll um die Hälfte verdickt und geröthetJBei einem Knochenstreifschuss des linken Oberschenkels, heilwelchem intra vitam die Kugel entfernt war, wies man nadltödtlichem Ablauf des Tetanus eine Neuritis nerv, iscbiadlnach. Einmal hatte ein grosser Tuchfetzen, der in einer|Unterschenkelfleischwunde gerade an der Abgangsstellenerv. tib. post, lag, die indirekte Ursache zu einer Verldickung und Injektion des Neurilemms und möglicherweiitlauch zu dem tödtlichen Starrkrampf gegeben. Bei der|Leichenschau eines anderen Tetanischen, welchem währedes Lebens aus einem blinden Schusskanal am Oberschenkeldie Kugel entfernt war, fand man eine durch das Geschoslbewerkstelligte Quetschung des nervus ischiadicus, welcher!nur durch eine dünne Gewebsschicht von dem Pr<getrennt war. Koch sah bei der Sektion eines an WiStarrkrampf verstorbenen Franzosen zwischen den Bündelildes n. ischiadicus putride Massen. Wieder ein ander ihlhatte sich ein Tuchfetzen zwischen der art. tibialis postraund dem nerv, tibialis eingeklemmt und eine starke Injektion!des Neurilemms bewies, dass ein Entzündungserreger seiilschädlichen Wirkungen entfaltet hatte. Auch RupprecMerzählt von einem grossen Tuchfetzen der Hose, welcheijbei der Sektion eines Tetanischen an der Abgangsstelle <nerv, tibialis postic. die Ursache von Injektion und Verldickung des Nervenstammes geworden war. Kirchner wkrichtet, dass in einem seiner Fälle die Kugel am Aussen!randa des musc, biceps auf dem nerv, radial, lag, der I2'/2 Centimeter Ausdehnung gequetscht und platt gedimi'lwar; in einem zweiten wurde ein 2'/2 Centimeter Iang«|Lederfetzen in einer Seitentasche eines Oberschenkelseini!'kanals gefunden, in diese mündete ein kleiner Ast deIschiadicus, der Hauptnervenstamm zeigte sich gerötMJdie Scheide ödematös; in einem dritten, in welchem wahren!des Lebens die Kugel ausgeschnitten, liess ebenfalls » Inerv, ischiadicus eine starke Röthung und Schwellung walir-lnehmen. In der Nähe der Wunde — Schussfraktur (HWadenbeins — sah Klebs die n. peronei von weiten (<>