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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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V. Kapitel: Wundstarrkrampf.

Band VII.

Rose fand bei Marie Pahl bei der Sektion am Tagenach dem Tode wenig Bemerkenswerthes, bei Schröderam 2. Tage nach dem Tode am Rückenmark nichts Be-sonderes, bei Henschelmann am 3. Tage nach dem Todedas Mark im oberen Theil schon erweicht, bei Weise amTage nach dem Tode eine starke hellrothe Farbe der sonstgrauen Substanz des Rückenmarks; bei Bauernfeld wardas Rückenmark mit leichten Adhärenzen der Meningenversehen, die Marksubstanz röthlich. Rose's Abhandlungcitirt noch einige Obduktionsergebnisse anderer Autoren,auf welche hier verwiesen wird.

Volkmann berichtet in seinen Beiträgen etc. auchvon einem Fall von Tetanus nach Amputatio femoris,dessen Sektion nur negative Resultate gab.

Bei Gelegenheit einer Diskussion über traumatischenTetanus in der Société impériale de chirurgie zu Paristheilte Broca die pathologisch-anatomischen Befunde in 7von ihm obduzirten Fällen mit und kam zu dem Schlüsse,dass die Affektion des Rückenmarks entweder eine ganzallgemein verbreitete Hyperämie oder eine mehr oderweniger fortgeschrittene Erweichung einzelner Partien derMedulla sei, und zwar sei der Sitz der letzteren im Lenden-theil, wenn eine Verletzung der unteren Extremitäten vor-lag, im Cervicaltheil, wenn die Verletzung an den oberenExtremitäten sich befand.

Auch bei den 92 von Demme zusammengestelltenFällen von Tetanus ergab die Sektion dieselben Besultate,theils keine Abweichung, in der Mehrzahl der Fälle aberHyperämie der Meningen und des Rückenmarks,in einzelnen Fällen Oedem und Infiltration der weissenSubstanz.

Stärker ausgeprägt sieht man die pathologisch-anato-mischen Veränderungen im Allgemeinen beim Trismusneonatorum, doch kommen auch bei dieser Form Fälle vor,in welchen das Sektionsresultat ein völlig negatives ist.Curling berichtet, dass Goelis in Wien und Thompsonzu Philadelphia häufig in der Substanz und den Membranendes oberen Theiles des Rückenmarks die Zeichen einererhöhten Vaskularität gefunden haben, während Thomsonzu Jamaika keine krankhaften Veränderungen nachweisenkonnte. Elsaesser und Finkh fanden in 16 Fällen unter20 in der Wirbelhöhle einen Brguss von theils flüssigem,theils geronnenem dunkelrothen Blute in den zelligenRäumen zwischen der ligamentösen Auskleidung des Wirbel-kanals und der Dura mater, am stärksten auf der hinterenFläche, obgleich die Leichen auf dem Bauche liegend auf-bewahrt waren. Die Membranen verhielten sich, Gefass-injektionen in mehreren Fällen ausgenommen, normal; dasRückenmark selbst war in Betreff seiner Farbe, Textur,Konsistenz gesund. Bednar erwähnt unter 33 Sektionenfolgenden Befund : 6 mal allgemeine Anämie, 8 mal Gehirn-hyperämie, 3 mal Blutextravasate in dem Arachnoidealsack,2 mal Meningeal-Apoplexie an der Hirnbasis, 1 mal seröseInfiltration der Rückenmarkshäute. Romberg fand bei

einem sechstägigen an Trismus verstorbenen Kinde eutstarke Injektion zumal der Venen und Sinus, so dass btigeringer Verletzung und durch die Wegnahme der KnochenExtravasate des zum Theil geronnenen, zum Theil flüssigenBlutes sich bildeten. West sah bei 4 Sektionen einenErguss von flüssigem und koagulirtem Blute in den Rück-gratskanal, gewöhnlich mit Hyperämie der Meningenbisweilen mit einem Ergüsse von Blut oder Serum inArachnoidealsack verbunden. Auch Weber in Kiel, weichetdie Leichen sämmtlich gleich nach dem Tode aufBauch gelegt hatte, nahm stets bedeutende Injektion derfeinen Gefässe des Rückenmarks und seiner HäuteBlutextravasate im Wirbelkanal wahr.

Dass die Hyperämie nicht immer Senkungsphänomaist, ergeben die Befunde von Hyperämie bei Leichen, ditauf dem Bauch gelegen haben, und die vorgefundenen Blut-ergüsse. Nirgends finden sich die sonst bei Meningitisgewöhnlichen eitrigen Produkte erwähnt.

Die Ansicht, dass dem Trismus eine Meningitis odeiMyelomeningitis zu Grunde liege, wies Ollier bereits ausdem anatomischen Grunde zurück, dass das Blut bald inden Sack der Arachnoidea, bald ausserhalb der Dura inaterergossen sei. Dann spricht auch der Umstand, dass manim Verlaufe des Trismus nie Lähmungserscheinmigeibeobachtet, gegen die Annahme einer entzündlichen Affektion,und endlich kann die Hyperämie auch schon deshalbeine entzündliche nicht aufgefasst werden, weil sie eben iieiner grossen Anzahl von Fällen vollständig fehlt und iieinigen Fällen sogar eine ausgesprochene Anämie vorhanden ist.

Bei Strychnin - Vergiftungen, bei Eklampsie , Zahn-krämpfen, vielen Intoxikationen, bei Asphyxie ist derLeichenbefund nicht anders als beim Trismus; es liegt da-her der Schluss nahe, dass derselbe nicht als ursächliche-.Moment aller dieser Krankheiten, sondern alsFolge derselbenaufzufassen sei. Diese pathologischen Prozesse stimmeidarin überein, dass in ihnen durch die Respirationsstö»gen, bei den erstgenannten auch durch die Muskelkrämhochgradige Störungen der Cirkulation stattfinden können,in Folge deren es zu den erwähnten Hyperämienihren Folgezuständen : Oedemen, Durchfeuchtung und Er-weichung, Blutextravasaten, kommt.

In seiner pathologischen Anatomie vom Jabic 18imacht Rokitansky auf einen pathologischen Prozess ider medulla spinalis aufmerksam, der sich durch das An-treten einer grauen, zähflüssigen Substanz im Rückenmarlcharakterisirt, welche das Mark auseinanderdrängtzertrümmert. Eine ungewöhnliche Turgeszenz des Marke?und ein Ueberwallen desselben auf dem Querschnitt vsdabei auffallend. Seine mikroskopischen Untersuchungenführten zu dem Resultate, dass dieses in die Textur de;Rückenmarks eingelagerte Gebilde eine Wucherung des »den Nervencentren unter normalen Verhältnissen spärlweingeschalteten Bindegewebes sei. Rokitansky fand dann-