Band VII.
III. Abschnitt: Pathologisch-anatomischer Befund.
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nur eine massige Menge von Blutpunkten hervortritt.Die Konsistenz des Hirns sehr fest, Feuchtigkeit gering, nirgendeine Herderkrankung.
Milz von normaler Grösse, etwas schlaff. Beide Nierenvon massigem Blutgehalt, ziemlich fest. In der Harnblase einereichliche Menge dunkelgelben Harnes. Schleimhaut blass.Genitalien normal. Im Magen sehr viel getrübte Flüssigkeit.Im Dünndarm bräunlicher Schleim, im Dickdarm feste weicheKotliballen. Die Schleimhaut des ganzen Traktus durchausunversehrt. Die Leber von massigem Blutgehalt.
Blutüberfüllung des Hirns und verlängerten Marksfand v. Beck ferner noch in seinem 9. und 18. Falle undebenso Schinzinger konstant bei 4 Sektionen im Reserve-lazareth Schwetzingen. Keine hierhergehörigen Resultateergab die Leichenschau der unter No. 7, 11, 13, 15 und37aufgeführten Gestorbenen v. Beck's, obwohl dem Sinnedes Berichtes zufolge die anatomische Untersuchung sichauch auf die Centraltheile ausgedehnt haben dürfte. Obdie 17 vollkommen negativen Befunde aus den Feld-lazarethen für den Beweis einer auch nur makroskopischnicht wahrnehmbaren Veränderung des Hirns, der Medulla,des Rückenmarks und ihrer Adnexa genügen, ist angesichtsder kurzen Bemerkungen — Sektion negativ, Sektion ohneBefund, innere Organe ohne Abnormitäten etc. — mehrals zweifelhaft. Mikroskopische Untersuchungen desCentralnervensystems bei Tetanus scheinen nicht ausgeführtzu sein. Das Rückenmark nebst dem nerv. tib. poetic.und beiden nerv, ischiad. des im Reservelazareth Kirch-heim an Wundstarrkrampf verstorbenen Jägers der 4. Kom-pagnie 2. Sächsischen Jäger-Bataillons No. 13 EduardKunz wurde zwar dem Professor Schuppe 1 zu Erlangenbehufs Vornahme einer mikroskopischen Betrachtung über-sandt, allein über die Resultate derselben fehlen die Nach-richten. Makroskopisch hatte sich übrigens auch in diesemFalle ein bedeutender Blutreichthum des Gehirns und seinerHaute zu erkennen gegeben. Diese Blutfülle der Central-organe selbst und ihrer häutigen Umhüllungen war alsoein ziemlich gewöhnliches Sektionsergebniss, nur ein-mal und noch dazu in einem zweifelhaften Falle vielleichtbegleitet von einem der Meningitis eigenen Entzündungs-produkte.
Das ungedruckte, der Militär-Medizinal-Abtheilung desrreussischen Kriegsministeriums vorliegende, in Nach-stehendem aus den Berichten der Feldärzte vervollständigteManuskript des Oberstabsarztes Lentz äussert sich überdie pathologische Anatomie des Tetanus mit Rücksicht auf'lio \ eränderungen in den Centralherden des Nervensystems:
So wenig es nach Ley den bezweifelt werden kann,(lass die Blutfülle des Rückenmarks eine wechselnde istund ihr Wechsel mit bedeutenden Symptomen zusammen-hängen mag, so schwierig ist diese Frage an der Leichezu beurtheilen. „Das Moment", sagt Leyden, „welchesWer viel grössere Differenzen bedingt, als die Cirkulations-verhältnisse bei Lebzeiten, ist die Schwere, nach welchersich das Blut in der Leiche senkt. Da nun die Leichen
Swütito-Bericht Über die Deutschen Heere 1870/71 VII. Bd.
meistentheils auf dem Rücken liegen, so findet eine Hypostasedes Blutes nach dem Rückenmark und besonders nach denhinteren Theilen statt, um so stärker, je blutreicher dasIndividuum und je weiter das Gewebe des Rückenmarksist. Umgekehrt, wenn die Leiche auf dem Bauche gelagertwar, finden wir das Rückenmark blass, blutleer. Hierausfolgt, dass die Differenzen in der Blutfülle mit grosserVorsicht zu beurtheilen und ein erhebliches Gewicht aufdieselben in der Regel nicht zu legen ist." Auch bezüglichder Abweichung der Konsistenz bemerkt Leyden, dass einerheblicher Grad der Erweichung, wenn es sich nicht umweit vorgeschrittene Fäulniss handelt, wohl kaum einenZweifel darüber lassen dürfte, dass ein pathologischerProzess vorliegt; indessen geringere Grade seien sehrtrügeirisch, da nach dem Tode sehr leicht eine Durch-tränkung des Nervengewebes mit Spinalflüssigkeit eintritt,in welchem Falle sich eine Form der weissen Erweichungausbilde, bei welcher das Mark auf der Schnittfläche starkhervorquillt und zerfliesst.
Auch Curling kannte schon den Einfluss, den dieLagerung der Leiche auf die Blut ver theilung im Rücken-mark ausübt; so fand er bei der Leichenöffnung einesMannes, welcher, an Tetanus gestorben, unmittelbar nachdem Tode auf das Gesicht gelagert worden war, denjenigenTheil der Pia mater, welcher die vorderen Stränge desRückenmarks bedeckte, ausnehmend vaskulös, während inden anderen Fällen, in denen der Körper in der gewöhn-lichen Lage blieb, nur die Gefässe des hinteren Theilessich überfüllt zeigten.
Die Befunde bezüglich des Grades der Hyperämiesind sehr verschieden. Rokitansky fand bei einem aufder Billroth 'sehen Klinik verstorbenen Manne, der gleichnach dem Tode auf den Bauch gelegt worden war, dasRückenmark ausserordentlich blass, Brodie (s. Curling)giebt an, dass er beim Tetanus niemals krankhafte Ver-änderungen im Rückenmark und seinen Bedeckungen ge-funden habe.
Froriep berichtet über 7 Fälle von Trismus; in 5von denselben hat er das Rückenmark untersucht. In Fall 3fand er grossen Blutreichthum im Rückenmarkskanal, undnamentlich in der grauen Substanz des Markes mehreregeröthete Stellen, besonders an der unteren Anschwellung.Bemerkenswerth war in diesem Falle, dass während desLebens ungewöhnliche krampfhafte Kontraktionen des Zwerch-fells vorhanden gewesen waren, und dass sich, diesen ent-sprechend, einige geröthete und angeschwollene Stellen amn. phrenicus dexter vorfanden. Im Fall 4 zeigte sich dasRückenmark derb und in der grauen Substanz geröthet,sonst war Alles normal; in Fall 5 fand er Anfüllung derGefässe des Gehirns und Rückenmarks und letzteres inseiner ganzen Länge weicher als gewöhnlich; in Fall 6 bisauf einigen Blutreichthum Alles normal und in Fall 7 eben-falls Alles normal. Man sieht also bei demselben Beobachterin 5 Fällen die verschiedensten Stadien der Blutfülle.
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