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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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V. Kapitel: Wundstarrkrampf.

Band VE

Lunge hinten untenHerz von normalerBeide Lungen voll-

ganz abgesplittert und sitzt lose in den Weichtheilen,einige andere scheinen entfernt zu sein. Am oberen kürzerenFragment ist in dem Rand der Bruchfläche durch das Projektilnoch ein besonderer halbkreisförmiger Defekt herausgeschlagen,dessen Rand noch ganz schwärzlich gefärbt ist. Die Weichtheilein der Umgebung der Fraktur sind weithin hämorrhagischdurchtränkt, die Eiterung noch nicht recht entwickelt. Fuss-und Kniegelenk ganz frei. Die grösseren Blutgefässe am Unter-schenkel sämmtlich anscheinend unverletzt, auch in den Venendes Oberschenkels nur dünnflüssiges Blut.

Die serösen Höhlen leer. Die rechtedurch ältere Verwachsungen adhärent.Grösse, kräftiger hellrother Muskulatur.kommen lufthaltig, sehr pigmentarm, von einer fast rosenrothenSchnittfläche. Schleimhaut der Bronchiolen schwach geröthet,etwas stärker die der Trachea und der Haupt-Bronchen. Inihnen steht ein steifer Schleim.

Milz ganz klein; Parenchym hell grauroth. Beide Nierenin einer starken Kapsel eingebettet und mit einem starkenFettlager um das Nierenbecken. Beide Substanzen in einemgrau blassrothen Farbenton. Im Duodenum und Magen galligfingirte Flüssigkeit. Die Schleimhaut stark in Falten gelegtdurch Kontraktur der Muskulatur. Die Leber etwas klein, imGanzen blass bräunlich. Das Mesenterialblatt enthält einegrosse Menge Fett. Im Dünndarm sind weiche bräunliche Ab-gangsmassen. Im colon ascendens grosse, ziemlich feste, brauneKothballen. Jenseits der flexura hepatis wird der Darminhaltzunächst weicher, heller gelb und von der flexura lienalis abbis zum Anus findet sich eine ganz helle, wässerige Flüssigkeit.Die Schleimhaut des ganzen Dünndarms ist dünn, vollkommenglatt, auch die des colon ascend, und des colon transversumist glatt, von schmutzig grauer Färbung, ohne jeden Substanz-verlust. Im colon transversum beginnt alsdann zunächst einestarke Schwellung der isolirten Follikel, gleich darauf diphthe-rische Geschwürsbildung. Die Geschwüre sind anfangs ganzflach, mehr wie Erosionen. Weiter zum Rectum hinunter werdensie bedeutend tiefer, durchdringen Schleimhaut und Submucosa,auch werden sie grösser, umfangreicher, ihre grösste Achseentspricht der Längsachse des Darms und der Sitz folgt aus-gesprochenerweise den Taenien. In der Harnblase eine reich-liche Menge hellgelben Harnes; Schleimhaut blass. (Jenitalienohne Veränderung.

XXXV. Georg Roll, 1. Württembergisches Infanterie-Regiment, 7. Kompagnie.

Verwundet: 2. Dezember 1870 bei Champigny. Schuss-fraktur der linken kleinen Zehe.

Tetanus. Tod am 18. Dezember.

Sektion am 19. Dezember:

Mittelgrosser, ziemlich kräftig gebauter Mann, mit sehrbleicher Hautfärbung. Am linken Fuss fehlt die Spitze derkleinen Zehe und endet die letztere in eine offene eiterndeWunde, in deren Grunde mehrere kleine Knochenfragmentesitzen. Die weitere Präparation ergiebt, dass die 1. Phalanxerhalten, die 2. in mehrere Fragmente zertrümmert ist, die 3.ganz fehlt. Von der Wunde aus zieht sich an der Plantarseiteeine Eiterung entlang den Sehnenscheiden, jedoch nur einekurze Strecke, bis in den Mittelfuss, ebenso zieht sich an derDorsalseite eine Eiterung, ist aber noch geringfügiger. DasGelenk zwischen Metatars. V und 1. Phal. voll Eiter. An denzur kleinen Zehe tretenden Nerven ist keinerlei Ab-normität zu konstatiren.

Der m. rect. abd. ist in seiner unteren Hälfte zerrissen,ohne dass die Haut darüber eine Veränderung zeigte, die Stelle

ist durch Coagula ausgefüllt, und es erstreckt sich eine blutigeInfiltration in den Muskel sowohl nach oben, wie nach unten.

Die serösen Höhlen leer. Herz ist kräftig, von dunkel-rothbrauner Muskulatur, mit sehr viel Cruor gefüllt. Die linkeLunge vollkommen frei; der Unterlappeu, besonders hinten, vonzahlreichen weichen bronchopneumonischen Herden durchsetzt.Die Bronchen selbst stark mit eitrigem Schleim gefüllt. In derrechten Lunge ist der Unterlappen fast vollständig hepatisirt:Die Hepatisation ist ziemlich weich, von einer hellgrau rothenFärbung, Schnittfläche fast glatt. Bronchen auch auf dieserSeite voll von eitrigem Schleim. Auch die Schleimhaut derHalseingeweide ist dick mit Eiter und Schleim überzogen, da-runter geröthet. Die Tonsillen und Follikel des Zungenrückensziemlich gross.

Regelmässig gebildetes längsovales Schädeldach, ziemlichdünn, mit sehr blutreicher Diploe. Die Sinus enthalten überalldünnflüssiges Blut. Die Hirnhäute sind zart. Das Hirn selbstin beiden Substanzen entschieden hyperämisch, da-bei ziemlich fest, von mittlerem Feuchtigkeitsgehalte. Nirgendeine Herderkrankung. Die Ventrikel von mittlerer Weite.

Milz von normaler Grösse, ziemlich weich, mit zahl-reichen und grossen Follikeln. Beide Nieren von normalerGrösse, derber Konsistenz. Rindensubstanz etwas opak, wiegekocht aussehend. Marksubstanz bläulich roth. Harnblasestark kontrahirt, ganz leer. Genitalien normal. Leber derb,mittelgrosse Acini , braunes Centrum, graue Peripherie. ImMagen viel bräunliche Flüssigkeit. Schleimhaut glatt. ImDünn- und Dickdai'm sehr weiche und zumTheil flüssige Fäkal-massen. Im unteren Ileum sind die isolirten Follikel sämmtlicligeschwollen, sonst ist die Schleimhaut ganz glatt.

XXXVI. Josef Walizek 3. Pommersches Infanterie-Regiment No. 14.

Verwundet: 3. Dezember 1870. Schuss durch die linke Hand.

Tetanus. Tod am 15. Dezember 1870.

Sektion am 17. Dezember:

Ausserordentlich kräftig gebauter Mann mit etwas dunklerHautfarbe. An der linken Hand sitzen 2 Schussöffnungen, eineam Handrücken, eine an der Volarfläche, einander genau gegen-über, in der Gegend des Metacarp.-Digital-Gelenks vom Mittel-finger. Der Schusskanal, der die beiden Oeffnungen verbindet,geht mitten durch das Gelenk, und es ist sowohl das Capitulumdes Metacarp. III, als auch die Basis der 1. Phalanx vom Mittel-finger zertrümmert. Die beiden benachbarten Finger undMetakarpalknochen sind unverletzt. Vom Schusskanal aus ziehtsich in der Tiefe des Handtellers eine Eiterung entlang denSehnen der Fingerbeuger bis hinauf zur Handwurzel ; am Hand-rücken ist die Eiterung nur geringfügig, dagegen begleitet einehämorrhagische Infiltration die Sehne der Strecker bis gleich-falls zur Handwurzel hinauf. Der nervus medianus trittmit mehreren seiner Aeste gerade durch die Schuss-w uude hindurch, ohne dass indess ein grösserer Astzerrissen wäre. Eine makroskopische Veränderungim Aussehen dieses Nerven ist selbst da, wo die zer-rissenen und vereiterten Weichtheile liegen, un-mittelbar nicht wahrzunehmen, er ist überall vonweisser Farbe.

Herz gross und kräftig mit sehr vielem dünnflüssigen Blutund losem Cruor gefüllt. Die linke Lunge durch alte Adhä-sionen befestigt, beide übrigens vollkommen lufthaltig und vonrosenrother Schnittfläche. Die Follikel des Zungenrückenswenig geschwellt.

Sehr dünner Langschädel mit regelmässigen Nähten. D> eHirnhäute dünn und zart. Im Gehirn ist die graue Sub-stanz überall hyperämisch, während in der weissen