Band VIL
III. Abschnitt: Pathologisch-anatomischer Befund.
Trismus am 17. August und ziehende Schmerzen im Arm.18. August: Zunahme des Trismus. Morphium und Chloral-hydrat bis zur Narkose. 18. September: Amputation des Vorder-arms. 20. September: tetanische Starre der Muskeln desStammes und heftige Schmerzen in den tetanischen Muskeln.Fast beständige Chloroformnarkose. Trotzdem dauern dietetanischen Erscheinungen fort. 28. September gestorben.
Sektion: Gehirn ödematös. Medulla oblongat. undspinal, hyperämisch.
Lungen in den Unterlappen hypostatisch; im mittlerenLappen der rechten frische Infiltration. Herz bietet nichts Be-sonderes.
Leber stark ikterisch und in ihrer Substanz leicht fettigdegenerirt.
Nieren und Darm hyperämisch.
XXX. Claus Hege mann vom Schleswigschen Infanterie-Regiment No. 84,'J verwundet bei Gravelotte, Schussfraktur desrechten Fussgelenks, Zerschmetterung der Fusswurzelknochen.
Patient kam am 28. August mit Trismus von der Eisen-bahn an. Fussgelenk und Mittelfuss waren prall angeschwollenund äusserst schmerzhaft.
Dabei klagte der Kranke über ziehende Schmerzen imNacken und konnte den Mund nur einige Centimeter weit öffnen.Masseteren fühlten sich bretthart an. Morphium in grossenDosen. 29. August : Ainputatio cruris im unteren Drittel.Unter zunehmenden tetanischen Erscheinungen gestorben am31. August.
Sektion vier Stunden später. Gehirn: Starke Injektionder corpora striata. Medulla spinalis an der Lenden-anschwellung hyperämisch. Lunge mit einzelnen hämorrha-gischen Herden. Milz aufs Doppelte vergrössert, blut-reich. Linke Niere hyperämisch.
Kleb s untersuchte die Organe des am 28. Tage nachder Verwundung an Tetanus gestorbenen Franzosen
XXXI. Felix Bei, welcher am tí. August 1870 einenSchuss der rechten Hand erhalten hatte. Dura mater spinal.stark gespannt durch eine bedeutende seröse An-sammlung innerhalb der Arachnoidea, welche mattundglänzend ist. An einzelnen Stellen ist die Pia so-gar gallertig infiltirt. Schwachröthliche Färbung der grauenSubstanz. Das Gehirn in der Substanz derb, auf Durch-schnitten in der Markmasse überall zahlreiche Blut-punkte. Die Ventrikel leicht klaffend, in denselbenklare Serosität.
Die Nerven an der Verwundungsstelle lassenmakroskopisch und mikroskopisch nichts erkennen,nur am Ringfinger finden sich an den Enden kleineAinputationsneurome. Linke Lunge etwas ödematös, inder rechten im unteren Lappen 2 hämorrhagische Infarkte. DasHerz zeigt nichts. Leber, Milz klein. Nieren, Blase ohne fürunsere Frage erwähnenswerthe Abnormitäten.
„Die nervösen Centralorgane zeigten", so erläutert derObduzent den Befund bei Bei, „hochgradige atrophischeVeränderungen, insofern ich die Hydrorrhachis ext. und denHydrops ventric. cerebri als solche auffasse, nicht auf einenentzündlichen Prozess beziehen kann, für den weder früherBeweise geliefert sind, noch auch in diesen wie anderenmeiner Fälle gefunden werden konnten. Die gleichzeitige
J ) Vergl. V. Band dieses Berichtes, 8. 330, Fall 71.
Erweiterung der Gefässe weist diesen unseres Brach tensdie erste Stelle in der Pathologie des Tetanus zu, dieAtrophie des Centrums ist die Folge der Gefässlähmung."Derselbe Autor giebt den Sektionsbefund des aus derBehandlung Socin's stammenden
XXXII. Sylvester Wiedemann, welcher an einemakut verlaufenden Tetanus gestorben war. 1 ) Längsschuss desUnterschenkels durch eine Miniékugel, FVactur. fibulae. Pneu-monie. Dura mater spinalis ist stark gespannt; dieHohlräume der Pia mat. mit einer grossen Mengeklarer Flüssigkeit gefüllt, die Gefässe weit, stark ge-füllt, die Art. geschlängelt. Die graue Substanz des Rücken-marks leicht geröthet.
Die Arterien der Dura des Gehirns sehr weit, stark gefüllt.Pia mat. cerebr. sehr blutreich.
Linke Lunge unten derb, körnig, luftleer, hepatisirt. Dieübrigen Theile beider Lungen hinten dunkelroth, blutreich undödematös. Milz, Leber, Nieren blutreich.
Der uervus tibialis im Schusskanal an seinervorderen F'läche von einer derben, eitrig infiltrirtenGewebsschicht überzogen. Die Gefässe innerhalb des-selben sind stark gefüllt bis zur Kniekehle herauf.Weiter oben und unten sind die Stämme blass.
Kleb s fand ferner bei
XXXIII. Zuck — verwundet am 5. September 1870 beiStrassburg, sez. 17. September 1870 — Folgendes:
Streifschuss des Schädeldaches , Eindruck der äusserenKnochenschicht, Tetanus. Dura mater spinal, blutreich,Arterien und Venen der Pia stark gefüllt. Graue Sub-stanz geröthet, die weisse diffus bläulich gefärbt.
Zwischen Dura und Pia des Hirns in weiter Um-gebung der verletzten Stelle eine Lage dünnflüssigenBluts. Gefässe der beiden Häute mit dunklem, flüssi-gem Blute stark gefüllt.
Von Cohnheim (Barackenlazareth auf dem Tempel-hofer Felde bei Berlin) stammen drei Sektionsberichte :
XXXIV. Carl Loelhöffel v. Loewensprung — Haupt-mann im 8. Brandenburgischen Infanterie - Regiment No. 64.Verwundet am 7. Oktober 1870. Schussfraktur des linkenUnterschenkels.
Trismus und Tetanus am ltí. Oktober.
Tod am 19. Oktober.
Sektion 24 Stunden p. m.:
Gut gebauter Körper mit reichlich entwickeltem Unter-hautfettpolster und sehr weisser Haut.
Am inneren Umfang des linken Unterschenkels sitzt 4 "unter dem cond. int. tibiae eine F'lintenschussöffnung mit bräun-lich schwärzlichen Rändern, die in einen Schusskanal führt,der in der Richtung nach hinten und etwas nach aussen durchden Unterschenkel hindurchdringt. Die Ausgangsöffnung sitztin derselben Höhe hinten in der Mitte der Wade und ist durcheinen tiefen Kreuzschnitt erweitert. Die dadurch erzeugteWunde ist von ziemlich gut aussehenden Granulationen bedeckt.Durch den Schuss sind Tibia und Fibula zerbrochen und zwardie Fibula durch eine einfache Schrägfraktur, ein wenig überder Grenze des 1. und 2. Drittels, die Tibia mit grösserer Splitte-rung in derselben Höhe, jedoch verläuft auch die Hauptbruch-stelle hier schräg und zwar von hinten und innen nach vornund aussen. Ein grösseres Knochenstück ist ferner
i) Vergl. S. 127 dieses Bandes (XVI).