Bund VU.
III. Abschnitt: Pathologisch-anatomischer Befund.
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Dritter Abschnitt.Pathologisch - anatomischer Befund.
Die pathologisch-anatomischen Untersuchungen, welchean ungefähr 80 dein Wundtetanus erlegenen Soldaten währenddes Feldzuges angestellt wurden, erstreckten sich zum Theilallein auf die Befunde an den peripheren von der Ver-wundung getroffenen Nerven, zum Theil bloss auf die Ver-änderungen des Hirns oder Rückenmarks oder heiderCentren, nur in der Minderzahl der Fälle endlich auf die Be-seliaffenheit des gesammten Nervensystems und sämmtlicherKöiperorgane.
Fischer fand bei
XIX. Carl Bastian aus Klausdorf —7. BrandenburgischesInfanterie-Regiment No. 60 —, welcher, bei Rezonville in dieBrust geschossen, am 24. August auf dem Transport an Trismuserkrankt und am Morgen des 26. August gestorben war:
Die Gehirnsubstanz von weicher aber zäher Konsistenz, dieMarkmasse von leicht grau violetter Färbung, überall auf derSchnittfläche zahlreiche rothe Blutpunkte. Blut-reichthum der corp. striata und thalami; Kleinhirn undMedulla unverändert.
Das Rückenmark zeigt fast überall .deutliche In-jektion der Blutgefässe; die Nervenwurzeln ohne Abnormität.
Herz, Nerven, Darm ohne nennenswerthe Verände-rung. Abszess der Leber, durch einen mitgerissenen FetzenUniformtuches bedingt. Schussfraktur der 7. Rippe.
Im rechten Pleurasäcke 200 Kubikcentimeter theils flüssigen,theils klumpig geronnenen Blutes.
Perforation des Zwerchfells.
Der Schusskanal beginnt am unteren Rande der 10. Rippe,trifft dort direkt auf den daselbst verlaufenden Interkostalnerven,welcher zum grossen Theil freigelegt ist. Man kanu dann längsdes serösen Ueberzugs an der Innenfläche der Rippen den Wegder Kugel bis zum unteren Rande der 7. Rippe an den daselbstaufgelagerten, eitrigen Exsudatmassen und Extravasaten deut-lich verfolgen. Der an der Bruchstelle der 7. Rippe ver-laufende Interkostalnerv besteht aus zwei gleich-starken Stämmen, von deuen der untere zerrissen ist.der obere stark gequetscht erscheint. Die Nerven-scheiden, besonders am 10. Interkostalnerv, jedochauch am 7., sind dunkel violett gefärbt und starkinjizirt, was namentlich beim Vergleich mit anderen,entfernter lieg en den Stücken desselben Nerven auffällt.
Fischer spricht den Tetanus in diesem Fall als eineFolg'e der traumatischen Entzündung der Interkostalnervenan: ob er auf die Hyperämie des Hirns und Eückenmarkesbesonderen Werth legt, erwähnt er nicht.
Den Aufzeichnungen v. Beck's sind folgende Fälleentnommen :
XX. W. P., 1. Garde-Landwehr-Regiment. Schusseinganglinks hinter dem inneren Rande der Tibia auf der Höhe derWade, Ausgang fehlt. Das Allgemeinbefinden nicht besondersgut, aus der Wunde stosseu sich viele Fliesspapierstückcheulos von regelmässiger Form. Am sechsten Tage die erstenZeichen des Trismus. Derselbe steigerte sich; es traten zuerstKrämpfe im Bereiche der linken Wadenmuskeln, dann desIleopsoas und später Opisthotonus auf, reichliche Schweiss-sekretion. Konvulsionen kehrten sehr häutig wieder, oft 2bis 3 mal in der Minute, zuletzt 2 mal Krämpfe der Respi-rationsmuskeln, welche am neunten Tage nach der Verwundungden Tod herbeiführten.
Sektion: Stark gebaute Leiche; kräftige Todtenstarre.Mund fest geschlossen, Pupillen massig erweitert. Die linkeuntere Extremität leicht abduzirt, im Kniegelenk etwas gebeugt,der Fuss pferdefussförmig gestreckt.
Dura mater stark mit Blut überfüllt, ebensodas Cranium, sinus longitudinalis voll schwarzendickflüssigen Blutes. Die Gefässe der Pia materebenso sehr blutreich, besonders nach hinten. An derBasis des Gehirns ist dies weniger der Fall. Bei Herausnahmedes Gehirns entleeren sich aus dem Wirbelkanal etwa zweiUnzen serös blutiger Flüssigkeit. Die Pia mater von dem Gehirnleicht abzulösen. Hirnmasse von normaler Konsistenz, blut-reich. In den Seitenventrikeln keine abnorme. Flüssigkeits-menge, aber starke Injektion des Plexus, sowie der Gefässe ander Oberfläche der Sehhügel und der Streifenhügel. Ver-längertes Mark auffallend injizirt, viel weniger dasKleinhirn. — Bei Eröffnung des Rückenmarkkanals starke Blut-überfüllung des plexus venosus. Dieselbe ist besonders aus-geprägt in der unteren Hälfte der Brustwirbelsäule. Ebensoist die Pia mater des Rückenmarks auffallend stark injizirt.Das Rückenmark beim Durchschnitt sehr derb.
Bei Entfernung des Verbandes an der Wade findet man ander Innenseite derselben, entsprechend der grössten Peripherie,eine etwa guldenstückgrosse rundliche Oeffnung, die von hierquer nach aussen in die Tiefe führt. Nach Loslösung der Haut,des subkutanen Zellgewebes zeigt sich ein Verjauchungsherdum die Wundöffnung in der Ausdehnung von V-"- Nach Ent-fernung der oberflächlichen Unterschenkelbinde findet man zu-nächst blutig-eitrige Infiltration in der Furche zwischen denbeiden Bäuchen des Gastrocnemius. Der n. suralis im mittlerenDrittel davon umgeben. Ebenso ist der äussere Rand desSoleus infiltrirt und entsprechend der innere des Gastrocnemiusbis zu seinem unteren Ende. Der Schusskanal selbst dringtin den stärksten Umfang des Gastrocnemius und Soleus ein.Sämrntliche Partien in der Umgebung des Kanals eitrig-jauchiginfiltrirt. Der Eiter bahnte sich einen Weg zwischen Gastro-cnemius und Soleus aufwärts bis in die Kniekehle. Die fasciaprofunda an einer Seite eröffnet. Unterhalb derselbenebenfalls Bluterguss und zwar längs des nerv, tibial.