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Band VTT.
II. Abschnitt r Aetiologie.
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bei ungünstigem Wetter auftrat. Eingehender giebt Fischerin seinen kriegschirurgischen Erfahrungen die Geschichteeines Mannes wieder, zu dessen Verwundung sich währenddes Transportes auf der Bahn bei kaltem regnerischenWetter Trismus gesellte. Erkältung durch mangelhafteoder schlechte Ventilation auf der Eisenbahn war oft un-vermeidlich. Bei geschlossenen Thüren und Fensternbildete sich rasch in den Wagen eine drückend warmeInnenluft, welche nach dem Oeffnen der Zugänge einemjähen Wechsel durch kalte Aussenluft unterworfen wurde.
Unzweifelhaft spielt das Erkältungsmoment in der Aetio-logie der Krankheiten des Nervensystems eine bedeutsameRolle. Für den Tetanus rheumaticus hat sich bis auf den heu-tigen Tag ein anderer genetischer Faktor überhaupt nicht er-geben. Aber selbst wenn die Entstehung des Starrkrampfsauf der Basis eines spezifischen Infektionskeimes gesicherterschiene, würde der Erkältung als Hilfsursache für dasZustandekommen der Erkrankung ein Platz angewiesenbleiben. Aus diesem Grunde erscheint es auch nicht un-erlaubt, für einen Theil der in den Eisenbahnwagen ent-standenen Tetanusfalle unter den Verwundeten des Feldzugesdie Schädlichkeiten der Erkältung heranzuziehen. Oftgeschah dies jedoch mit Unrecht. Ein Grenadier vom3. Garde- Grenadier -Regiment Königin Elisabeth, welchenam 18. August 1870 eine Kugel durch die linke Mittelhandgetroffen hatte, kam nach einer Fahrt durch Bayern, Sachsenüber Berlin am 30. August mit völlig ausgebildetem Tetanusin Breslau an. Er hatte freilich eine lange Reise gemacht undoftmals war ihm auf derselben Gelegenheit zu intensiverErkältung geboten. Mehr als diese durften aber wohl fürden Tetanus, welcher ihn dahinraffte, die Misshandlungender Wunde durch den übertriebenen Eifer berufener undunberufener Personen in Anschlag gebracht werden, diein Würzburg, Dresden, Berlin nach der Kugel gesucht undKnochenstücke entfernt hatten.
Von den lebenden Chirurgen ist Heinecke dereifrigste Vertreter der Erkältungstheorie des Tetanus.Fast immer, meint er, liess sich die Einwirkung diesesMoments nachweisen, wenn zu einer bestimmten Zeit undan einem bestimmten Orte eine grössere Anzahl von Er-krankungen vorkam; dem Einzelfall ging vielfach einjäher Temperaturwechsel, eine nächtliche Kühle nachgrosser Tageshitze, eine rauhe und nasse Witterung vorauf.
Die medizinische Geschichte bestätigt das Zusammen-treffen des Wundstarrkrampfs mit Erkältungen. Stromeyerschrieb die Entstehung der I860 in Langensalza vor-gekommenen 13 Fälle von Trismus ohne Ausnahme demnach grosser Wärme plötzlich aufgetretenen kalten Wetterzu und auch in seinem einzigen im Schleswig-HolsteinischenKriege beobachteten Falle trat der Trismus 14 Tage nachder Verwundung ein, als Patient in ein feuchtes kühlesZimmer gebracht worden w T ar. In einem Berichte an diePi'eussische Militär-Medizinal-Abtheilung drückte er sich im■fahre I870 so aus: n Der Mensch bedarf nicht bloss der
Suütlts- Bericht Über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.
frischen Luft, sondern auch der Wärme und einer gutenNahrung. Kälte und Zugwind hatten ihr gewöhnlichesGefolge: Trismus und Tetanus, Rheumatismus ..." ImFeldzuge 1866 gegen Oesterreich behandelte Rose einen Ver-wundeten, welcher vor Ausbruch des Tetanus zwei Nächteim Regenwetter unter freiem Himmel, zwei weitere ineiner Scheune zugebracht hatte und hierauf in eine Kirchetransportât war. Kocher hatte bei seinen drei Patientenaus demselben Feldzuge als Gelegenheitsursache Zugluftdurch Ventilation im Verdacht.
In den Kriegen Brasiliens mit Paraguay und UruguayHessen sich die einzelnen Ausbrüche des Tetanus fast jedesmalauf grelle Temperaturschwankungen zurückführen. (Richter.)
Schmucker schob das häufige Vorkommen der Krank-heit in den Kriegen Friedrichs des Grossen auf den Wechselder warmen Tage mit kalten Nächten. Larrey gab denkühlen feuchten auf heisse Tage folgenden Nächten an derErkrankung von 5 Verwundeten nach der Schlacht bei denPyramiden Schuld.
Auf dem Transport nach Alexandrien erkrankten ausder Schlacht von Abukir 10 A r erwundete, w r elche sämmtlichder Kühle und dem Thau der Nacht ausgesetzt waren.
Schroffer Temperaturwechsel, zwischen-+-19 bis -f-23 und—13 bis —8 Grad innerhalb 24 Stunden, führte nach derSchlacht bei Aspern eine Reihe von Tetanusfällen herbei.
Nach dem Amerikanischen Cirkular No. 6 waren dieBerichte der Feldärzte im Sezessionskriege voll von Er-läuterungen über den Einfluss plötzlichen Temperatur-wechsels auf die Hervorbringung des Tetanus.
Der einzige Kriegschirurg, dessen Beobachtungen vonden vorstehenden gänzlich abweichen, ist Pirogoff.Während des ganzen Krim-Feldzuges hat er nur 5 Fällevon Tetanus erfahren können ; auf seine Verwundeten, sagter, hätten plötzliche Temperaturwechsel, kalte Nächte,Luftzug, feuchte Krankensäle reichlich gewirkt, seineAmputirten hätten einmal auf durchnässten Matratzen unterPlatzregen in Soldatenzelten gelegen und wären an Pyäiniemassenhaft gestorben, doch sei kein einziger von ihnen vomTetanus ergriffen worden ; im Kaukasus, wo der Temperatur-wechsel sehr bedeutend ist und in den Sommermonatennach der tropischen Hitze am Tage sehr kalte Nächte folgen,sei der Tetanus ebenfalls eine seltene Erscheinung. (Lentz.)
Aehnlich äussert sich auch Burckhardt aus dem Feld-zuge 1870/71. Nach den Gefechten bei Metz zu einer Zeit.wo auf heisse Tage kalte Nächte folgten und feuchteregnerische Witterung nicht selten war, wurden Hundertevon Verwundeten in der Kirche zu Pont à Mousson ge-lagert, sämmtlich ohne Decken, viele sogar ohne Stroh aufden nackten Steinen. Dennoch kam kein Tetanusfall vor.Ebenso wenig in der daneben gelegenen Baracke, derenDach der Theerpappe entbehrte, so dass der Regen un-angenehm in das Innere eindrang, wie auch die leichteBauart den Oktoberstürmen nicht widerstehen konnte, die
einen grossen Theil des Daches abdeckten.
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