Band VII.
II. Abschnitt: Aetiologie.
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stellte; 8 Tage darauf wurde die Kugel extrahirt, und miteinem Male liess der Trismus nach und kehrte nichtwieder.
Bei einem zweiten Falle, schreibt derselbe Autor,welcher den
V. Wilhelm Barthel, verwundet am 6. August 1870 beiWörth, betraf, handelte es sich um eine Granatsplitterverletzungder rechten Ellenbogengegend mit Bruch des oberen Theilesdes Radius ohne Gelenkeröffmmg. Von Anfang an war dieWunde und der ganze Vorderarm sehr empfindlich, interkurrirendstellten sich heftige neuralgische Schmerzanfälle in den dreiletzten Fingern ein; ich vermuthe eine Verletzung des n. ulnaris.Gegen Ende der 3. Woche wurde der ganze Arm steif, seineMuskulatur rigide, dann kam ein Gefühl von Spannung in denKleferrnuskeln dazu, ohne dass das Oeffnen des Mundes beein-trächtigt erschien, er konnte rasch und weit aufgesperrt werden.Die tetanische Kontraktur ergriff darauf den linken Kopfnickerand den linken pectoralis major. Den 26. Tag Morgens findeich den Kranken in Schweiss gebadet, seine Bauchmuskeln brett-hart; er klagt über häufigen Harndrang; bei der Untersuchungwird er von einem leisen Zittern befallen, während dessen Be-stehen die Muskulatur der unteren Extremitäten, namentlichdie linken Zehenextensoren sich anspannen. Auf Morphium-einspritzungen und Chloral innerlich lassen diese Erscheinungenjedesmal nach. Erst Tags darauf konnte ich auch objektivKieferklemme nachweisen. Ohne dass dieser Zustand sichänderte, wurde Patient von Dysenterie befallen und musste indas Diakonissenhaus evakuirt werden. Am 34. Tage besuchteich ihn hier und fand die tetanischen Symptome unverändert;bei der Untersuchung seiner stark eiternden Wunde entdeckteich ein kleines Bleistück dicht an der Scheide desUlnaris. Nach dessen Extraktion verloren sich die nervösenErscheinungen. Es trat völlige Heilung ein.
Aus den Berichten der Feldärzte schliessen sich analogeBeobachtungen an.
VI. Ein Granatsplitter hatte den muse, gastrocnemiusund soleus vollständig zerfetzt, die Fibula, aber ohne sie zuverletzen, blossgelegt. Die Eiterung war gut, als einige Tagespäter Trismus eintrat. Sofort verwandelte sich die gutartigeEiterung in eine jauchige. Zwei Tage darauf holte man ausder Wunde ein an einem Mantelfetzen sitzendes Knopiöhr her-vor, welches hart neben der Fibula eingekeilt war, woraufaugenblickliche Besserung und innerhalb fünf Tagen Heilungdes Starrkrampfs erfolgte.
VII. Oberstabsarzt Ebmeier nahm in das ihm unterstellteFeldlazareth zu Pont à Mousson einen Franzosen mit einem Schussdurch die Weichtheile des Unterschenkels, der Kniebeuge und desOberschenkels auf, welcher bereits von Tetanus befallen war.In der Gegend des Durchtritts der arteria i'emoralis durchdie Adduktoren wurde die Kugel gefühlt und ausgeschnitten.Unmittelbar nach der Operation verschwanden die Krampf-erscheinungen.
VIII. Wilhelm Ulrich, Füsilier im Königs-Grenadier-Re-
giment (2. Westpreuss.) Nr. 7; verwundet am 4. August 1870"« AN eissenburg, kam am ti. August ins Lazareth Philippsruhe.
Schusswunde am linken Scheitelbein mit unterminirtenKändern. Taubheitsgefühl an der rechten Körperseite.
9. August : Wunde schmutzig aussehend, stark absondernd,etwas riechend.
16. August: Wunde rein.
21. August: Gute Granulationen.
25. August: Trismus. Ord.: Morphium, Chloralhydrat.
2. September: Ord.: Kalium bromatum.
3. September: Tetanischer Anfall.
6. September: Zwei Anfälle. Konvulsivische Zuckungenbei geringster Berührung.
30. September: Extraktion eines ziemlich grossen lamel-lösen Knochenstückes.
Von nun an keine Anfälle mehr.
In dieselbe Kategorie fallen unzweifelhaft wohl meistauch die Heilungen derjenigen Tetanusfalle, bei welchennach Entfernung der Fremdkörper noch Medikamente inGebrauch kamen.
IX. Den Grenadier Heinrich Schnär — 4. Garde-Grena-dier-Eegirnent Königin — traf am 18. August 1870 bei Metzein Gewehrprojektil in die rechte Schulter und durchbohrte denDeltamuskel. Nach Eintritt von Wundstarrkrampf wurde einevon der Kugel mitzerrissene Hefte vom Mantel aus dem Muskeldurch Inzision zu Tage gefördert. Genesung bei innerlicherAnwendung von Opium.
X. Im Reserve-Lazareth IV. Hannover verwandte manbei einem Tetanischen, welcher durch eine Kugel eine Schuss-fraktur des Schulterblattes und durch eine zweite eine Zer-trümmerung des kleinen Rollhügels des Oberschenkels davon-getragen hatte, Opium in grossen Dosen. Es wurde aber auchnach der zweiten Kugel gesucht, und die in dem Dreieck unterdem Poupartschen Bande gefundene durch Einschnitt von hierentfernt. Die behandelnden Aerzte machten die Heilung desStarrkrampfs von dem Narkotikum allein abhängig; wohl mitUnrecht.
In der Deutschen Militärärztlichen Zeitschrift Jahrg. 1873beschreibt S toll nachstehenden Krankheitsfall:
XI. Matz ') — Sächsisches 7.Infanterie-RegimentNo.l06 —verwundet am 30. November 1870. Schussfraktur des oberen Ge-lenkendes der 1. Ulna. Resektion des Ellenbogens am 11. Dezember.Am 6. Tage darauf starke Zuckungen in den Muskeln der verwun-deten Extremität, sowie etwas Steifigkeit im Kiefer. Zunahmedieser Symptome, dann Kieferklemme, schmerzhafte Krämpfeder Nackenmuskeln und mehrere Tage hintereinander allge-meine Schüttelkrämpfe. Am 6. Januar 1871 wird bei Eröffnungeines Abszesses am unteren Ende des Vorderarmes die Kugelsammt einem Ueberzuge von Manteltuch im spatiuminterosseum fest eingekeilt getroffen. Die Extraktionder Kugel hat für die nächsten drei Tage keinerlei vermindern-den Einfluss auf den Trismus. Erst am 4. Tage lässt sichder Mund etwas mehr öffnen, diese Besserung nimmt stetig zu.Der Kranke, welcher auch zeitweise von heftigen Konvulsionenim kranken Arme gepeinigt wird, ist am 34. Tage nach Auf-treten der tetanischen Krämpfe im Stande, den Kiefer weit zuöffnen und Fleisch zu beissen. Behandlung des Tetanus derReihe nach: Morphium, Calabarextrakt, Chloralhydrat. „Einwirklicher, wesentlicher Einfluss auf die Heilung ist keinemdieser Mittel zuzuschreiben gewesen", meint S toll.
') Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 470.