118
V. Kapitel: Wundstarrkrampf.
Band VII.
und Transportmittel in Verbindung mit einer gegen frühereZeiten immerhin schon fortgeschritteneren Methode derWundbehandlung gewiss geeignet sein mussten, ungünstigenEinflössen jener Art die Wage zu halten.
Alles in Allem bleibt nichts Anderes übrig, als aus-zusprechen, dass die vorhandenen Statistiken des Wund-starrkrampfs und ihre Vergleichungen miteinander allgemeineauf seine Häufigkeit bezügliche Schlüsse und Folgerungenschwerlich zulassen, die grossen, darin hervortretendenUnterschiede vielmehr zu gutem Theil auf sehr verschiedeneGrade von Genauigkeit der statistischen Unterlagen zurück-zuführen sein dürften.
Mit Unrecht sind — in Ermangelung allgemeinererDaten — oft die Prozentverhältnisse des Tetanus zuden Verwundeten eines Lazareths, eines Kranken-hauses verallgemeinert worden, woraus unausbleiblichdie unvereinbarsten Zahlenverschiedenheiten sich ergebenmussten. Zunächst ist es ein Unterschied, ob einLazareth auf dem Kriegsschauplatz oder eines im Inlandeder Berechnung zu Grunde gelegt wird. In ersterein Fallehandelt es sich überwiegend um Schwerverletzte — Schuss-frakturen, Gelenkwunden, Knochen- und Höhlenschüsse —,in letzterem der grossen Mehrzahl nach um bei Weitemleichter Verwundete. Es kommt hinzu, dass die in denheimathlichen Lazarethen Angelangten die fur Entwickelungdes Wundtetanus verhängnissvollste Periode 1 ) meist bereitshinter sich hatten. Der August 1870 brachte beispielsweisedem 1., 5., 8. und 11. Feldlazareth X. Armeekorps, sowie2 Reservelazarethen in Hannover je 550 Verwundete. Hiererkrankten 3 = O.s #, dort 14 = 2. 5 g an Starrkrampf. Indemselben Monate beherbergte das 5. Feldlazareth X. Armee-korps allein 73 Verwundete mit 3 = 4.i #, das 8. Feld-lazareth dieses Korps 225 mit 6 = 2.s #, das Reserve-lazareth Gotha dagegen 269 mit 2 = O.74 ¡} und Hanau 421mit 1 = 0.2 ¡¡.Tetanischen. Daher sah auch Eckart unter70 Verwundeten im 12. Bayerischen Aufnahms-Feldspital1 == 1.4$, Rupprecht unter 361 in Feldlazarethen 7 = I.94 $Fälle von W^ndtetanus^während Graf unter 2647 in denReservelazarethen in Düsseldorf 3 = O.n ¡J und Steinbergunter 8531 in den Reservelazarethen Berlins deren 13 = O.is^zählte. Im Reservelazareth Nauen erkrankten von 2338 Ver-wundeten 2 = 0.08 {} an Tetanus, dagegen trat der Starr-krampf in Karlsruhe bei 643 Verwundeten 9 Mal = 1.4 ¡}auf. Nach Kubier's Berechnung entfallen auf 21 098 Ver-
wundete, einschl. Franzosen, des Feldzuges 1870/71 123 Fälle= 0.58 $ von Wundstarrkrampf.
W T ie verschieden die Verhältnisse nach Einzelbeobadi-tungen sich darstellen, lässt nachstehende Zusammenstellungder in der Litteratur veröffentlichten Beobachtungen er-kennen. ')
Name
des
Berichterstatters
Zahl derKriegs-verletzungen
ZahlderTetanus-ialle
Prozentsatz
Billroth .......
G. Fischer ......
H. Fischer ......
Graf........
Kirchner......
Koch........
Stoll........
718222086171635875
2 647
2099183600
1000361936491643
8 531
789125
4311117382527719
13
51
0.59
0.«
0.121.4
0.160.8
O.ii
0.381.090.830.201.940.750.201.4
0.15
0.630.8
Summe . .
28 249
117
0.47
') Vergl. 2. Abschnitt dieses Kapitels (S. 127).
') Nach einer der Militär-Medizinal-Abtheilung des Preussi-sehen Kriegsministeriums im Manuskript vorliegenden Arbeit desOberstabsarztes v. Meyer en. — Die Los s en' sehen Fälle sindsämmtlich in den Mannheimer Baracken, diejenigen Billroth'sin Weissenburg vorgekommen, eine Doppelrechnung ist sonaclbei diesen Beobachtungen ausgeschlossen. Dagegen mussten die12 von v. Steinberg erwähnten Tetanustodesfälle und die 2 FälleGoldtammer's in 13 zusammengezogen werden, da v. Steinbergüber das gesammte Material aus Berlin mit 8531 Verwundeten Mit-theilung macht, daher vermuthlich den einen gestorbenen PatientenGoldtammer's mitgezählt hat. Ferner konnten die 7 Lücke'sehenFälle aus Bingen und 1 Fall Rupprecht's wegen Mangels einerAngabe über die Gesammtzahl der Verwundeten in der Berechnung |keinen Platz finden.