fünftes Kapitel.Wundstarrkrampf.
Erster Abschnitt.Häufigkeit des Wundstarrkrampfs.
I. Im Deutsch-Französischen Kriege und in früheren Feldzügen.
Für eine Statistik gerade des Wundstarrkrampfs imDeutsch-Französischen Kriege bietet das vorliegende Materialeine vorzugsweise günstige Unterlage. Der Eindruck,welchen das traurig imposante Krankheitsbild mit seinemgewaltigen Symptomenkomplex selbst auf den erfahrenstenFeldarzt machte, die dunklen Bedingungen der oft plötz-lichen Entstehung unter den scheinbar günstigsten Wund-verhältnissen, die Rathlosigkeit, aus welcher auch die neuevielversprechende Entdeckung und Empfehlung des Chloral-hydrats nicht half, — alles dieses führte unter dem ärzt-lichen Personal auf dem Kriegsschauplatze und im Inlandezu einem gleichmässigen Wetteifer, jedem einzelnen Fallevon Wundstarrkrampf ein Andenken in den Berichten zusichern. Das Interesse bewegte sich begreiflicherweise inverschiedenen Richtungen. Bald war es der Versuch einerErmittelung der Pathogenese, bald die eingehende klinischeSchilderung des Krankheitsverlaufs und der therapeutischenMaassnahmen, bald endlich die Wiedergabe der pathologisch-anatomischen Befunde, worauf sich in erster Linie das Be-mühen der Berichterstatter richtete. Daraus entstand einereichliche, der wissenschaftlichen Verwendung zugänglicheKasuistik. Daneben beschränkten sich Andere freilich aufblosse Zahlenangaben. Immerhin aber darf der Umstand, dassauch unter den schwierigsten Verhältnissen der Tetanus-ialle wenigstens mit kurzen numerischen Bemerkungen
gedacht wurde, als erfreuliches Zeichen unablässigenStrebens nach näherer Erkenntniss dieser von Alters hergefürchtetsten Wundkrankheit gelten.
Die nachstehenden Zahlenangaben können daher al-der thatsächlichen Häufigkeit des Wundstarrkrampf» UAngehörigen der Deutschen Heere mindestens sehr nahekommend angesehen werden. Freilich führte auch hier ditGewohnheit mancher Berichterstatter, bei Krankheitbeschreibungen Namen und Truppentheil des Kranken z«verschweigen oder nur unvollständig anzufahren, die Gefahrvon Doppelzählungen herbei. 1 ) Durch immer neue sorg-fältige Vergleichung des Krankheitsverlaufs, der Zeit uwider Art der Verwundung, sowie aller begleitenden Umständewurde jedoch soweit vollständige Klarheit gewonnen, das-nur acht Einzelfälle unberücksichtigt bleiben müssen, welchenicht aus den Akten, sondern aus der nach dem Feldzugeerschienenen Litteratur stammen. Wenig ins Gewicht falltdabei die mangelnde und einstweilen nicht festzustellendeZahl der in Französischen Lazarethen unter der BehandlungFranzösischer Aerzte etwa geheilten oder gestorbenen Tetanus-kranken der Deutschen Heere, welche wegen ihrer zweifellosenGeringfügigkeit weder das Gesammtbild noch die allgeiueinei.Schlüsse irgend erheblich zu beeinflussen im Stande ist.
Vergl. das Vorwort zum V. Bande dieses Berichtes.