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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VII.

ITT. Abschnitt: Nervöse Störungen nach Schussverletzungen des Halssympathikus.

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konstatirt werden. Die zur Veranschaulichung der Sensi-bilitäts- und Motilitätsstörungen bei dem in Rede stehendenKranken beigegebene Zeichnung (vergl. Tafel I, Figur 2)stammt von Bernhardt. Dunkel schraffirt sind die ge-lähmten und hyperästhetischen, unschraffirt die motorischintakten und insensiblen Partien des Körpers.

Eine der Wicke'schen Verwundung ganz ähnlicheSehussverletzung des Halses sah W. Mac-Cormac beidem Franzosen Jean Pujolle vom 5. Kürassier-Regiment.Die Kugel war am vorderen Rande des linken Kopfnickers,angefáhr in der Mitte des Muskels, ein- und rechts vom5. Halswirbel ausgetreten. Sämmtliche Extremitäten zeigtensich motorisch vollständig gelähmt, nur in dem rechtenBeine war eine schwache, willkürliche Bewegung möglich.Dagegen fand sich eine Sensibilitätslähmung ausschliesslichim linken Arme und im rechten Beine. Das Gefühl inder rechten Oberextremität war erhalten, fast vollständigauch das in der linken Unterextremität. Etwaige Störungenseitens des Halssympathikus, welche doch wohl vermuthetwerden dürfen, sind von Mac-Cormac nicht erwähnt.Der Verwundete starb und wurde nicht secirt.

III. Fall von Bärwinkel.

Deutsches Archiv für Klinische Medizin, Bd.

1-1.

W., Handelsmann aus Posen, ist während des FranzösischenKrieges am 1. September 1870 verwundet worden. Die Kugeldrang über dem rechten Schulterblatte von hinten ein, durch-bohrte den m. cucullaris, ging oberflächlich unter der Haut ander rechten Seite des Halses vor und gerade vor dem PomumAdanii wieder aus. Unter der Haut bezeichnete ein blauerStreifen diesen Verlauf; die Geschwulst war massig, die Schmer-zen im ganzen Verlaufe sowohl lokal als in der Peripherie sehrgering. Gleich nach der Verwundung war der rechte Arm ge-lähmt, auch angeblich der rechte Fuss; der Grad der Lähmungist mir unbekannt geblieben. Patient ist 8 Monate lokal fara-disirt worden, und dabei hat sich die Lähmung sowohl wie dieAbmagerung des Armes wesentlich gebessert.

Ich sah Patient am 6. Oktober 1871. Die Wunden warenheil, von der vorderen sah man kaum eine Narbe. Die Seiten-fläche des Halses bot nichts Abnormes. Der rechte Arm warim Vergleich zum linken nicht abgemagert, die Hand ausge-nommen. Die willkürlichen Bewegungen des ganzen Armesmit Ausschluss der Finger waren ungenirt. Nur die Funktiondes m. serratus antic, maj. war wesentlich abgeschwächt, dader Ann hei völlig freier passiver Beweglichkeit aktiv nur sehrwenig über die Horizontale gehoben werden konnte. Eine ab-norme Stellung des Schulterblattes fehlte, abgesehen von einemlliiherstehen in toto.

Die Hand zeigte vorzüglich eine ziemlich bedeutende Stö-rung der kleinen Handmuskeln des 4. und 5. Fingers. Sehrerschwert war die Beugung ihrer ersten und die Streckung derletzten Phalangen, die Spreizung des 3. und 4. Fingers und dieAbduktion des 5. Fingers. Im Daumenballen traten bei forcirteropposition fibrilläre Zuckungen ein. Die gauze Hand war ab-gemagert, vorzüglich in der Hohlhand, wo die Sehnen deutlichvorsprangen, die Finger waren mager und spitz. Die faradischeKeaktion war in allen Fingermuskeln gut erhalten, sowohl beidirekter als auch bei indirekter Reizung, besonders vom n.ulnar, aus. Die Hautsensibilität im Gebiet des n. ulnar, warso gut wie erloschen, und zwar an der ganzen Kleinfingerflächedes Vorderarmes, der Hand und der drei letzten Finger untenund oben bis zur Kuppe.

Druck auf den n. ulnar, war nirgends schmerzhaft, dagegender auf den n. median, vom Ellenbogen an bis zum Eintritt indie Hohlhand, dabei lebhafte periphere Empfindungen in denFingern.

Das rechte Auge war wesentlich kleiner als daslinke, das obere Lid hing herab, die Lidspalte warsehr verengt und ebenso die Pupille. Die Bewegungendes Bulbus waren normal, ebenso die Sehschärfe. Röthe und Hitzewollte Patient in der rechten Gesichtshälfte nie beobachtethaben; hei der Aufnahme bestanden beiderseits keine Differenzen.

Es handelte sich hier also um eine wahrscheinlich gleichursprünglich nur partielle Lähmung des rechten plexusbrachial., von der jetzt nur noch eine Parese des n. ulnar.,besonders seiner sensiblen Pasern, und des n. thoracic.long, und ein Reizzustand im n. median, sich konstatirenMessen. Ausserdem bestand eine sehr ausgesprochene Läh-mung des rechten Halssympathikus, und zwar vorwaltendoder allein seiner okulopupillären Fasern. TrophischeStörungen im Gesicht sind dem Verfasser nicht auf-gefallen. Es ist wohl kein Grund vorhanden, den Sitzder Affektion anderwärts zu suchen als an der Bin-wirkungsstelle des Trauma, wie dies auch Seeligmüllerthut. Die partielle Lähmung der sympathischen Fasernspricht hier nicht mehr als bei den Fällen von Druck-lähmimg des Halsstammes, die ja gewöhnlich auch nurdessen okulopupilläre Fasern betrifft, gegen einen peri-pherischen und für einen centralen Ursprung. Letzterenhalten Eulenburg und Guttmann für wahrscheinlicher,und zwar bedingt durch eine Neuritis ascendens, die vonder Verletzungsstelle des pl. brach, ausgehen und sich biszu umschriebener Stelle des Marks fortsetzen soll. Dermöglicherweise an der Verletzuugsstelle noch getrennte Ver-lauf beider Arten von Fasern, den ich zur Erklärung derisolirten Affektion bei Klavikularbruch herangezogen habe,kann hier allerdings nicht verwerthet werden, weil dieKugel den bereits vereinigten Stamm nothwendig getroffenhaben musste. Wahrscheinlich sind die vasomotorischenFasern widerstandsfähiger als die okulopupillären, ohnedeshalb centraler zu liegen als letztere, wie Eulenburgund Guttmann annehmen."

IV. In dem Keservelazaretli zu Marburg fand ein Soldatvom Hohenzollernschen Füsilier-Regiment No. 40 der Nameist nicht angegeben Aufnahme, welcher am 18. August 1870bei Gravelotte einen Schuss dicht am rechten Akromion in derRichtung durch den rechten cucullaris nach vorne und innenerhalten hatte. Dr. Horstmann nahm an, dass das Geschoss ent-weder im Körper des ersten Brust- oder des letzten Halswirbelseingekeilt war. Er fand als bemerkenswerthe Krankheitserschei-nungen eine fast vollkommene Lähmung des rechten Armes undeine starke Verengerung der rechten Pupille. In derrechten Achselhöhle zeigte ausserdem das Thermo-meter 1 bis 2 Grad mehr als in der linken. Der Krank-heitsverlauf war ein ausgezeichnet günstiger. Die zuerst be-standene Schwäche und das Fieber verloren sich, die Eiterungnahm ab, der Appetit wurde rege und die Ernährung wuchs.

V. Der oben (S. 103) angedeutete, von Kämpf nichtausführlicher beschriebene Fall.

Sanitits-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.

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