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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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v. Volkmann'sche Sammlung kriegschirurgischer Präparate u. s. w.

Band III.

Allgem.^

III. Unteres Drittel.Krankengeschichte 27.

A. B., vom Bayerischen 7. Infanterie-Regiment, verwundetam 1. September 1870 bei Sedan: Schussbruch des rechten Ober-schenkels im unteren Drittel. Krankengeschichte fehlt.(Hierzu 2 Photographien. Siehe Tafel 51.)

Krankengeschichte 28.

G. Fr., vom Magdeburgischen Feldartillerie-Regiment No. 4,verwundet am 30. August 1870 bei Beaumont durch Chassepot-kugel am linken Oberschenkel im unterenDrittel. Eingangsöffnungan der inneren Seite, 8 bis 9 cm über dem unteren Rande desinneren Gelenkknorrens; Ausgangsöffnung an der äusseren Seite,10 cm über dem Köpfchen des Wadenbeins. Die breit geschlageneKugel fand sich beim Auskleiden in der Hose liegend, die Ver-wundung fand statt auf eine Entfernung von 900 Schritt. Aufdem Verbandplatz erhielt er einen Gypsverband, der am 4. Tagemit einer Drahthose vertauscht wurde; vom 25. September bis10. Oktober wieder Oypsverband, dann bis 1. Dezember Ver-bände mit einfachen Schienen, während welcher Zeit eineHeugestellung im Knie sich ausbildete. Am 1. Dezember Streck-verband mit Gewichten, durch welchen die Beugestellung desKniegelenks wieder ausgeglichen wurde. Am 28. Februar 1871stand der Kranke auf, der Bruch war also fest verheilt. Vonder Krankengeschichte ist ausserdem nur soviel bekannt, dassreichliche Eiterung namentlich aus der Ausgangsöffnung, undhohes Fieber vorhanden war, dass im Ganzen 9 Splitter aus-gestossen wurden, der letzte am 28. Juni 1873 aus einemfrisch gebildeten Eiterherd neben der vernarbten Ausgangs-öffnung, und dass mehrfache Einschnitte gemacht wurden, dielängere Zeit offen waren und eiterten. Trotzdem die im Juni1873 angelegte Oeffnung im Juli noch eiterte, war doch dieGebrauchsfähigkeit des Beines ausserordentlich gut. Es warin einem Winkel nach aussen mit 3.5 cm Verkürzung geheilt;Hüft- und Kniegelenk vollkommen frei beweglich, nur bestandnoch eine ziemlich erhebliche Abmagerung an Ober- undUnterschenkel, welche die aktive Streckung des Unterschenkelsnoch verhinderte. Er ging am Stock mit einer etwas dickerenSohle, der Fuss stand vollkommen normal. An der Bruch-stelle war der Knochen etwas verdickt, die Bänder des Knie-gelenks vollkommen normal. Er hatte nur bei Witterungswechseleinige Schmerzen.

(Hierzu 2 Photographien. Siehe Tafel 52.)

Krankengeschichte 29.

H. K., vom 3. Thüringischen Infanterie-Regiment No. 71, ver-wundet am 1. September 1870 bei Sedan im unteren Drittel deslinken Oberschenkels. Einschussöffuung 4 Finger breit über derKniescheibe, etwas nach aussen von der Mittellinie; Ausschuss-öffnung in gleicher Höhe an der Rückseite. Zuerst Drahthose, vom6. Tage an doppelt geneigte schiefe Ebene. Eiterung sehr gering,jedoch war das ganze Bein bis zum Fuss herab sehr bedeutendgeschwollen, Venenverletzung?. Am 14. September hat sich dieAnschwellung erheblich gemindert; Eiterung sehr gering, keinFieber; Allgemeinbefinden vortrefflich. Am 23. September: Kallussehr deutlich fühlbar. Am 8. Oktober: Bruch fest verheilt, dieWunden mit trockenem Schorf bedeckt. Am 20. Oktober ohnefesten Verband in die Heimath übergeführt. Keine Verschiebungder Bruchenden, Verkürzung kaum 2 /a cm. Spitze des oberenBruchendes an der äusseren Seite des Oberschenkels 2 Zoll überder Gelenkfalte deutlich fühlbar.

1873: Muskulatur sehr stark entwickelt; K.aehtohn sund ohne zu hinken. Am Unterschenkel erweiterte Blitchronisch entzündliche Verdickung über den Knöcheln und]Fussgeschwüre, vielleicht Folgen einer Blutaderverstoufu

(R. v. Volkmann?

Krankengeschichte 30.

v. St., Hauptmann, verwundet am 6. August 1870 beiff,-»im unteren Drittel des rechten Oberschenkels. Einffan»,'eine knappe Hand breit über der Kniegelenksspalte ~inneren Seite, also unmittelbar über der Epiphyse; Aus«Öffnung am vorderen Rande des zweiköpfigen Muskels ettiefer als die Eingangsöffnung. Der Verwundete sollte erstputirt werden. Am 6. Tage Gypsverband, Verlauf fiebe^«Eiterung gering, unbedeutende Eitersenkung an der 'mdSeite, ein Einschnitt; am 5. Oktober sämmtliehe Wunden Jheilt, die Ausgangsöffnung hatte sich schon früher eeschlo»Aus dem angelegten Einschnitt war ein kaffeebohnengrossesIUstück entfernt worden, Splitter sind nicht herausgekommenBruch war ein Schrägbruch, das obere Bruchende hatteetwas nach aussen verschoben, so dass die Spitze desselbender äusseren Seite etwas hervorragte und dort fühlbar war.Kniegelenk war sekundär etwas betheiligt und anfangs ganz

Schliesslich 1873? war die Bewegung im Kniestbis zu 1 /s Rechten möglich, Bewegungen noch etwas rauh.soKnorpeldefekte vorhanden. Verkürzung °/4 Zoll 3 cmsonst nicht die geringste Abweichung nach Form und GestaltOberschenkelknochen vorhanden, nur die Gelenkgegenddicker. Die Bewegungen im Knie haben langsam unter Gebraieiner Bonnet'schen Bewegungsmaschine zugenommen, vgeht ohne erhöhte Sohle stundenlang fast ohne zu hinken,nutzt aber auch vielfach eine leicht erhöhte Sohle und ha-Hoffnung noch nicht aufgegeben, wieder felddienstiabijwerden. (R. v. Volkmann.J

Krankengeschichte 31.

A. S., vom Magdeburgischen Jäger-Bataillon No. 4,wuudet am 30. August 1870 bei Beaumont im unterendes rechten Oberschenkels. Eingangsöffnung vorn ticnidem Kniegelenk; Ausgangsöffnung hinten in derselbenGleichzeitig Weichtheilschuss des linken Oberschenkels, (Lage und Richtung genau dem Schusskanal des rechten Beientspricht. Zuerst einfacher Verband, im LazarethHolzschienenverband; auch hier keine Untersuchung, bis«14 Tagen bei Gelegenheit der Anlegung eines Gypsverba«mit den Fingern sondirt wird. Vier Wochen nach der Iwundung, Anfang Oktober, bis zu welcher Zeit das Bernleidlich gewesen war, Ueberführung nach Göttingen: ihohes Fieber, starke Eiterung, Eitersenkung an der ans«Seite in der Höhe der Kniescheibe eröffnet. Sechs Wnach der Verwundung, Mitte Oktober, Blechschieneu bil1871. Feste Vereinigung im Juni, Eiterung sehr reicblidJuli, danach spärlicher; die Eingangsöffnung schloss sich, iAusgangsöffnung eiterte noch spärlich im August 1S73.August läuft S. sehr gut, gewöhnlich mit Stock und 4cmWSohle ohne Maschine. Verkürzung 8 cm. Leichte Emtinach etwa einviertelstündigem Gehen, schnellere Ermudibeim Gehen ohne Stock. Ohne hohe Sohle wird die Verkurz-.zur Hälfte durch Beckenverschiebung, der Rest durch Bei-des Fusses ausgeglichen. Am Oberschenkel keine Ab«Mnach Form und Gestalt. Die Narbe der Eingangsöinm.'flach, diejenige der Ausgangsöffnung tief eingezogen.

(Prof. Lichtbeini.1(Hierzu 2 Photographien. Siehe Tafel 53.)