Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
373
Einzelbild herunterladen
 

"em.'ftäL

, gjufacher Verband. Arn anderen Tage im Lazareth zuiTumont genaue Untersuchung nach Erweiterung der Eingangs-a und Entfernung von 6 grösseren Knochensplittern, dertäte war 1'/-'Zoll = 3 bis 4 cm lang und von der Dicke einesifafers. Gefensterter Gypsverband von den Knöcheln bisie Mitte des Oberschenkels. In der Nacht vom 1. zum\ \tpm^er heftige Schmerzen, welche aufhörten, als sich derT wundete den Verband vom Knie an nach aufwärts selbstgeschnitten hatte; am 2. September wurde der Verband ganzfjtjfft. Am 3. September: Drahthose 8 Tage lang, zunehmendehlriechende Eiterung. Vom 12. September an immer stärkere'belriechende Eiterung, kein feststellender Verband, beginnendeVerschiebung der Bruchenden. "Wenige Tage darauf Streckungdes Beines durch Flaschenzug und gefensterter Gypsverbandmit Beckengürtel (R. v. Volkmann). Ueberführung nachMouzon, Gypsverband erneuert, Entfernung mehrerer kleinerKnochensplitter und eines Bleistückchens, Eiterung geringer,weniger übelriechend, zuletzt gutartig, kein Fieber, Allgemein-befinden besser. Da Anfang Oktober 1870 im Lazareth MouzonPrämie auftrat, wurde dasselbe geräumt, und der Verwundetelim am 3. Oktober mit Gypsverband nach Aachen, derBecken-mrtel wurde trotz des Widerspruches des Verwundeten alseineüberflüssige Last" entfernt. Eintreten von Verschiebung derBrechenden und Verkürzung, häufige Sondirungen, Schmerzen,Fieber, stärkere Eiterung, Verband durchtränkt und entfernt.Jener Gypsverband von der Wade bis zur Mitte des Ober-iels, den sich der Verwundete wegen unerträglicherlehmerzen nach wenigen Stunden mit seinem Taschenmesser

- Btgiy

issen, A»:rst

Eisenbai

zu.U:.,ig nachnicht mditter, k>ruarl>;;in bis mrbandder Inachte 1«nber 1|nii'Gebrammg diukt-ii.ingsofii^

ohne

.ung betikelstelli

1 1-iclikci;. i..

WD.

ogel

e-Kegmemt; reellvorn IHMöhe. Ziet

den, Eischen babe'.fit M -Verwni

ine geri

licni.

a im aal

km am.

i Schiern?ii Suis;,eres Uliiheibe etimng, pWerausgizward

ie von

B^din. Allgem

Theil.

II. Beschreibung der Präparate u. s. w.

37;

aufschnitt. Am 20. Oktober auf dringendes Verlangen desVerwundeten Ueberführung in ein anderes Lazareth zu Aachen,«selbst Störungen der Geistesthätigkeit auftraten, so dassgenaue Ueberwachung nothwendig war. Mehrfache Einschnitteur Oeffnung grosser Eiterherde, Gypsschienen bezw. Gypsladen,ms denen der Verwundete behufs täglichen Verbandes herausgenommen werden konnte. Vom November 1870 an wegender Geistesstörung, die 6 Wochen anhielt, in einem anderenLazareth behandelt, mehrere Einschnitte zur Oeffnung vonEiterherden und Ausziehen von Knochensplittern, deren imGanzen über 20 entfernt wurden, 4 mal Wundrose. Bruchetwa im März 1871 fest verheilt. Am 3. November 1871 in dieHeimath entlassen mit 3 offenen Fisteln, die im Dezember 1871geschlossen waren.

Im Januar 1872 Aufbruch einer Fistelnarbe, welche sichlach Ausstossung eines Knochensplitters wieder schloss. EndeSeptember 1871 erste Gehversuche mit 2 Krücken, schliesslichmit einem Stock.

Im Juli 1873 konnte der Verwundete ohne Stock etwaMinuten, mit Stock etwa 45 Minuten ohne Ermüdung gehen,Terkürzung 8 cm, Hüft- und Fussgelenk frei beweglich, Fuss-gelenk steht normal, Kniegelenk gestreckt, konnte um 20 ° bisgebeugt werden, Kniescheibe beweglich. Am Ober-schenkel 18 mit einer Ausnahme wenig oder nicht eingezogeneWen. (Dr. Pütz.)

(Hierzu 2 Photographien. Siehe Tafel 48.)

Krankengeschichte 25.

W. W., vom Schleswig-Holsteinschen Füsilier-Regimentüo. 86, verwundet am 30. August 1870 bei Beaumont, rechterOberschenkel, mittleres Drittel. Eingangsöffnung vorn etwas«seh aussen von der Mittellinie; keine Ausgangsöffnung.r Schmerz im Moment der Verwundung, kurze Be-igkeit, reichliche Blutung, welche bald von selbst"»nd, einfacher Verband. Auf dem Verbandplätze vergeb-liches Sueben nach der Kugel, Entfernung von 3 Knochen-splittern von der Grösse eines Daumennagels. Am 3. Tage

Schienenverband nach mehrmaliger sehr schmerzhafter Ueber-führung, Lagerung zwischen Strohladen und Sandsäcken. Inden nächsten 4 Tagen beginnende Eiterung und Zunahme derSchmerzen bis zur Unerträglichkeit. Bei Abnahme des Ver-bandes zeigte sich das Bein stark geschwollen bis zum Knieherab, welches unförmig dick war, der Eiter fing an übel zuriechen, vergebliches Suchen nach der Kugel, Entfernung einigerKnochensplitter. Nach Streckung und Geraderichtung des starkverkürzten Oberschenkels Gypsverband vom Oberschenkel biszum Fusse, der indess auf einer kurzen Reise zerbrach, abernoch 5 Tage liegen blieb, während sich der Oberschenkelwieder schief stellte. Eiter immer übelriechender, Fieber. Am11. September Streckung mit Flaschenzug, Gypsverband mitBeckengürtel, Zustand erträglicher, zum ersten Mal erquickenderSchlaf, bald darauf Ueberführung nach Mouzon, Eiterung undFieber geringer, Appetit leidlich, Schlaf gut. Am 21. SeptemberReise nach Aachen und Göttingen. Anfangs Oktober 1870 schlosssich die Wunde, Mitte Oktober Verband abgenommen, Bruchfest verheilt, Ende Oktober erste Gehversuche an 2 Krücken,sämmtliche Gelenke schmerzlos, aber wenig beweglich, beimAufsetzen des Fusses schmerzhaftes Ziehen und Prickeln. Am20. Oktober 1870 zum Ersatz-Bataillon entlassen, Besserung desAllgemeinbefindens und der Beweglichkeit der Gelenke, Geh-versuche an 2 Stöcken, wobei er bald die ganze Fusssohle auf-setzte, schnelle Besserung der Gebrauchsfähigkeit des Beines.Im August 1871 nahm der Verwundete seine frühere Thätigkeitals Schäfer wieder auf.

Ita Juli 1873: Narbe der Schusswunde weich, beweglich,nicht schmerzhaft, Muskulatur des Beines gut entwickelt. BeideFussgelenke gleich gut beweglich, Beugung im Kniegelenk bisüber einen rechten Winkel, Bewegung im Hüftgelenk frei.Geht eine Stunde ohne Stock und ohne zu ermüden, thut auchim Winter seinen Dienst als Schäfer im Freien, wobei er bis-weilen Gefühl von Kälte und schmerzhaftes Ziehen im Ober-schenkel hat. Verkürzung kaum 3 cm. Geht vortrefflich mitetwas erhöhter Sohle. (Dr. Pütz.)

(Hierzu 3 Photographien. Siehe Tafel 49.)

Krankengeschichte 26.

H. W., vom 3. Magdeburgischen Infanterie-Regiment No. 66,verwundet am 30. August 1870 bei Beaumont durch Chassepot-kugel, rechter Oberschenkel, mittleres Drittel. Eingangsöffnungan der Aussenseite 16 cm unter der Spitze des grossen Roll-hügels, Ausgangsöffnung an der Innenseite 12 cm unter demSchambeinhöcker. Auf dem Verbandplatz Gypsverband, vom3. Tage an Drahthose, später Heister'sche Beinlade und Streck-verband mit Gewichten. Starke Eiterung aus der Eingangs-öffnung, Oktober und November 1870 hohes Fieber. März1871: Ausstossung des einzigen linsengrossen Knochensplitters,Bruch im Mai 1871 fest verheilt.

1872 war die Heilung noch nicht beendet, die Fistel derEingangsöffnung war noch offen und führte auf blossliegendenrauhen Knochen. Verkürzung 10 cm. Der Verwundete konntenur mit Stock und erhöhter Sohle gehen. Der Gang war sehrwackelig und schleppend. Der Oberschenkel war missgestaltet,sehr aufgetrieben, es bestand Winkelstellung nach aussen. AmOberschenkel befanden sich mehrere schwappende sehr schmerz-hafte Stellen. Beugung im Hüftgelenk normal, die übrigenBewegungen beschränkt. Die seitlichen Bänder des Kniegelenkssehr gelockert, man fühlte und hörte das Anschlagen des Schien-beins gegen die Knorren des Oberschenkels, Kniescheibe be-weglich, Gelenk nicht geschwollen, die Furchen neben derKniescheibe auf Druck sehr schmerzhaft; Beweglichkeit imKniegelenk gering, Bewegungen schmerzhaft.

(Hierzu 2 Photographien. Siehe Tafel 50.)