372
v. Volkmann'sche Sammlung kriegschirurgischer Präparate u. s. w.
Band III.
A11 gem. Tiä;
Starker Splitterbruch, 18 bis 20 Splitter ausgezogen, derletzte erst Ende 1872. Bruch 6 Monate nach der Ver-wundung fest verheilt, erste Gehversuche 9 Monate nach derVerletzung. Schwerer Verlauf mit Fieber bis 41°. 1873 noch2 Fisteln offen, auch der Schusskanal noch nicht dauerndgeschlossen. Verkürzung trotzdem nur 1 Zoll — 2 1 /» cm —,Fussspitze etwas nach innen gedreht, an der Bruchstelle leichteWinkelstellung nach vorn und aussen. Geht mit Anstrengung/«Stunde weit. (R. v. Volkmann.)
(Hierzu 2 Photographien. Siehe Tafel 45.)
Kranken geschickte 21.
J. L., vom Schleswig - Holsteinschen Füsilier - RegimentNo. 86, verwundet am 30. August 1870 bei Beaumont, linkerÜberschenkel, mittleres Drittel. Eingangsöffnung an deräusseren, Ausgangsöffnung etwas tiefer an der inneren Seite,am inneren Rande des geraden Streckmuskels. Die Behand-lung begann im Lazareth Autrecourt seitens FranzösischerAerzte mit Anlegung von Holzschienen an der inneren undäusseren Seite und Einwickelung mit Leinwandbinden. DieEiterung war sehr gering. Nach 3 Wochen kam er indas Lazareth Mouzon; auch hier unbedeutende Eiterung,gutes Allgemeinbefinden. Ende September Gypsverband mitBeckengürtel. Am 1. Oktober Ueberführung nach Göttingen,der Gypsverband bleibt 14 Tage unberührt liegen; heftigeSchmerzen im verwundeten Bein, Abends regelmässig starkesFieber: Verband entfernt, sehr starke Eiterung, Eiterherd aufder äusseren Seite des Oberschenkels, Einschnitt. Streck-verband mit Gewichten. Anfang November Ueberführung indie Göttinger Klinik. Streckverband beseitigt, das verwundeteBein freigelagert. Eiterung und Fieber sehr stark, mehr-fache Untersuchungen zeigen nie lose Knochensplitter. Am25. November: Einschnitt auf der Vorderseite des Oberschenkels,Drainage 8 Tage lang. Anfang Januar 1871: Wundrose amlinken Oberschenkel, Ende Januar: zum zweiten Mal Wundrose,darauf auffallend rasche Vernarbung der Eingangsöffnung, späterder übrigen Oeffnungen. Ende Februar: feste Vereinigung, Geh-versuche mit Krücken. Sommer 1871: Badekur in Aachen,Sommer 1872: Badekur in Kreuznach.
August 1873: Verkürzung 4'V-icm. Hüftgelenk vollständigfrei, Bewegungen im Knie kräftig, Streckung unbehindert,Beugung aktiv und passiv nur bis zu einem Winkel von 90°,Fussgelenk normal, Entwickelung der Muskulatur an beidenUnterschenkeln vollständig gleich. Die Form des linken Ober-schenkels wenig von derjenigen des rechten verschieden, dieäussere Seite erscheint stärker konvex. Sämmtliche Narben —der Zahl nach 5 — sind schmerzfrei bei Druck und leicht be-weglich, nur die Narbe der Ausgangsöffnung mit der Muskulaturverwachsen, nicht eingezogen. Muskulatur des linken Ober-schenkels kräftig und nur um ein Geringes schwächer als amrechten Bein. Der Oberschenkelknochen ist in der ganzen Aus-dehnung des Schaftes spindelförmig verdickt, Oberfläche glatt,an der. konkaven Seite entsprechend der Ausgangsöffnung lässtsich eine scharf-spitze, etwa 1 cm hohe Knochenspitze fühlen. DasAllgemeinbefinden ist vortrefflich, das Aussehen gesund, alleBewegungen werden kräftig und gewandt ausgeführt. DerVerwundete ist Lehrer, steht während des grössten Theils derUnterrichtsstunden und ist im Stande, 2 bis 3 Stunden weitam Tage mit geringen Ruhepausen zu gehen. Einen Stockgebraucht er in der Regel nicht und lässt sich eine Sohle von1 '/s Zoll— 3'/»cm — in seinen linken Stiefel einlegen. „Jedennicht aussergewöbnlich langen Spaziergang kann ich mitmachen."
(Prof. Madelung.)
Krankengeschichte 22.
K.
M., vom Schleswig - Holsteinschen Füsilier-RomNo. 86, verwundet am 30. August 1870 bei Beaumont rOberschenkel, mittleres Drittel. Eingangsöffnumj aussen ("gangsöffnung innen 4 cm tiefer. In Beaumont zuerstTage Schienenverband, dann Drahthose. Am 21. -nach Mouzon 2 Stunden weit getragen. 1. Oktober- fijverband, bei dessen Anlegung ziemlich starke Blutunc'stand , welche auf der unmittelbar darauf erfolgten Eisenb"fahrt fortdauerte, sodass der Verwundete ins Lazareth zu Wiaufgenommen werden niusste; hier stand die Blutung nach-Ganzen 4tägiger Dauer von selbst. Splitter wurden nichtfernt, mit dem Eiter entleerten sich einige kleine Sp]grösste etwa 1cm lang, der letzte linsengrosse im Februar 11Den Gypsverband behielt der Verwundete in Aachen bis in20. November, darauf erhielt er einen Streckverband »Gewichten von 12 Pfund. Um diese Zeit scheint derfest verheilt gewesen zu sein, denn der Verwundete machtedarauf Gehversuche an 2 Krücken. Am 27. Dezember 1Entlassung zum Ersatz-Bataillon. Anfang Januar 1871: motoiDrucklähmung beider Arme in Folge anhaltenden Gebraider Krücken, keine Störung des Gefühls; die Lähmung dam3 Monate. Vom Februar 1872 ab ging er an 2 Stöcken,mit erhöhter Sohle und einem Stock. Die Ausgangsotschloss sich Ende November 1870, die Eingangsöffnung MallMitte Juni 1873 ging der Verwundete meist ohneSohle mit einem leichten Stock und konnte etwa eineStunde ohne Ermüdung zurücklegen. Die Verkürzung bei5 cm. Der Oberschenkel zeigte eine geringe Winkelstell'nach vorn und aussen, der Kallus war gering. Iganz steife Kniegelenk zeigte ziemlich gute Beweglichkeitweilen bemerkte der Verwundete Reiben in demselben.
(Dr. Voge(Hierzu 1 Photographie. Siehe Tafel 46.)
Krankengeschichte 23.
Fr. P., vom Magdeburgischen Feld-Artillerie-Re,No. 4, verwundet am 30. August 1870 bei Beaumont; rechOberschenkel, mittleres Drittel. Eingangsöffnung vorniAusgangsöffnung an der äusseren Seite in gleicher Höhe. Imeinfache Seitenlage, nach 14 Tagen erst Schienenverband. T«lauf sehr günstig. Splitter sind nie entfernt worden, Ein)Senkungen haben nicht stattgefunden, nach 8 Wochen kl»sich die Schusswunden geschlossen, zu gleicher Zeit wkBruch fest verheilt, und in der 9. Woche stellte der Verwirfbereits Gehversuche an.
Im Februar 1873 zeigte der Oberschenkel eine :Verbiegung nach aussen, die Verkürzung betrug 6cm.Muskulatur war kräftig entwickelt, die Brauchbarkidass der Verwundete ohne Stock sehr gut zu gehen im Mwar und nur etwas leichter ermüdete. (R. v. Volkmain(Hierzu 1 Photographie (Siehe Tafel 47.)
Krankengeschichte 24.
W. Sch. (stud. med.), Einjährig-Freiwilliger vom !Holsteinschen Füsilier-Regiment No. 86, verwundet am 30.A«J1870 bei Beaumont: Rechter Oberschenkel, mittleres TEingangsöffnung eine Hand breit oberhalb der Kniescheibe dnach innen von der Mittellinie, keine Ausgangsöffmmg.gedrückte Kugel am Abend auf dem Schlachtfelde heransgei^sie hatte die Haut eine Handbreit über der Kniekehle zwardbohrt, war aber in der Haut stecken geblieben. Im MVerwundung geringer Schmerz. Geringe Blutung, die vonKttl