IE Allgem. Theil.
II. Beschreibung der Präparate u. s. w.
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zuerst einen Gypsverband, welcher 2 bis 3 Wochen lag,i dann längere Zeit im Streckverband mit Gewichten be-, u un( j hatte schliesslich noch 4 bis 5 Wochen lang einen»terverband. Beide Schussöffnungen eiterten stark und langeB schlössen sich erst im Mai 1872. Im Verlaufe dieser Zeitsich im Ganzen 12 kleine Splitter aus, der letzte imril 1872' es waren mehrere Einschnitte gemacht worden,lebe sich m ^ Fisteln verwandelten und gleichfalls langeterten; die letzte Fistel schloss sich erst im Herbst 1872, dieHoffnungen waren behufs Entfernung von abgestorbenenhochenstücken mit Quellstiften erweitert worden. Im Februar171 soll Hospitalbrand aufgetreten sein und während desselbeneinmalige heftige Blutung aus der Eingangsöffnung', späterithte er noch Wundrose durch, die sich über das ganze Bein»breitete. Bas Fieber soll sehr hoch gewesen und der Ver-miete zur Zeit dieser Wundkrankheiten von den behandelndennten als hoffnungslos aufgegeben worden sein. Bisweilen»ten sehr heftige Schmerzen im Knie auf, welches jedoch nieschwollen war. Der Bruch war Ende März 1871 fest verheilt.Am 3. Juni 1871 kam er in das Lazareth in MagdeburgI sehr heruntergekommenem Zustande, hier wurden nochlekere Einschnitte gemacht und Knochensplitter sowie Blei-llitter entfernt. Er erholte sich sehr langsam und konnte(im Frühjahr 1872 in seine Heimath entlassen werden.
Im Jahre 1873 war die Brauchbarkeit des Beines sehr
it: der Verwundete konnte mit Hilfe eines Stockes meilenweit
Aen, auch ohne Stock ging er nicht auffallend schlecht oder
lieber, er trat mit der ganzen Sohle auf, die Verkürzung
;5cin, welche durch einen entsprechend hohen Stiefel
fcllkomnien ausgeglichen wurde. Die Beugung im Hüftgelenk
kr gering, das ganze Becken wurde etwas mitbewegt; es
m Verwundeten schwer, auf dem gesunden Bein stehend
i kranke im Hüftgelenk pendelnd hin und her zu bewegen.
e Addnktion war frei, die Abduktion behindert, man fühlte
keil federnden Widerstand, bei dem Versuch der Abduktion
llten Schmerzen auf; auch die Rotation war etwas beschränkt.
e Stellung des grossen Rollhügels bezüglich der Nelaton'schen
inie war normal, der Oberschenkel war an der Bruchstelle im
)fen Winkel nach aussen gebogen, das Bein stand in
Iduktionsstellung und etwas nach innen gedreht, es war
igerer wie das gesunde, der Unterschied betrug an der
bksten Stelle 7 cm. Der Kallus bedeutend entwickelt, nament-
an der äusseren Seite, der ganze Oberschenkelknochen
(dickt und aufgetrieben. Die seitlichen Gelenkbänder des
lies gelockert, die Bewegungen dieses Gelenks bedeutend ge-
mmt; die Kniescheibe stand an der normalen Stelle und war
teglich. Es bestand eine wenn auch nicht vollständige und
jeht knöcherne Steifheit, der Unterschenkel war gestreckt,
i Beugung gering und schmerzhaft. Da der Schuss theil-
m durch den vierköpfigen Muskel gegangen ist, so war
Seileicht diese Steifheit des Gelenks in Streckstellung durch
hrbeozug bedingt. Wenn der Unterschenkel etwas in Beuge-
wg gebracht worden war, so konnte ihn der Verwundete
t strecken, sondern hob ihn mit der Hand empor. Eiter-
hkung und überhaupt eine bedeutende Entzündung im Knie-
TMi sind nicht vorhanden gewesen.
(Hierzu 1 Photographie. Siehe Tafel 37.)
Krankengeschichte 13.
E' B., vom Schleswig - Holsteinschen Füsilier - Regiment'■86, verwundet am 30. August 1870 bei Beaumont durch'ssepotkugel. Eingangsöffnung — 1 — an der Vorderseite
(Grenze des oberen und mittleren Drittels, keine Aus-
Birtats-BericM über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.
gangsöffnung; schwerer Splitterbruch des mittleren Drittels.Der Schmerz bei der Verwundung war so gering, dass derVerwundete noch einige Schritte weiter marschirte, bis erzusammenbrach; die Blutung war gering und stand durchAnlegen eines einfachen Verbandes Seitens eines Kranken-trägers, der sofort zur Stelle war. Nach Verlauf von1/a Stunden wurde er von Französischen Krankenträgern inein Französisches Feldlazareth getragen, wobei er sehr starkeSchmerzen empfand. Verband mit Schienen von Rohrgeflecht.Am anderen Tage Sondiren des Schusskanals und vergeblichesSuchen nach der Kugel Seitens Französischer Aerzte; es wurdeangeblich die Amputation vorgeschlagen, von dem Verwundetenaber abgelehnt. Am 4. Tage wurde die Kugel auf der Rück-seite des Oberschenkels, in der Tiefe oberhalb des grossenRollhügels gefühlt und nach einem grossen Einschnitte — 2 —mit den Fingern herausbefördert, sie war ganz platt gedrücktwie eine Münze. Das Bein schwoll darauf ab, es stellte sichaber alsbald eine rasch zunehmende Eiterung ein. Drahthose;Schmerzen gering; Ausspülungen mit übermangansaurem Kali.Knochensplitter wurden nicht entfernt. B. bemerkte selbst einemehr und mehr zunehmende Verkürzung und Verschiebungdes Beines. In diesem Französischen Lazareth — Gontrecourt? —lag der Verwundete 5 Wochen; gegen Ende seines Aufenthaltssahen die Wunden schlaff und schlecht aus, eine Erscheinung,die auch bei anderen Verwundeten auftrat. Das Lazarethwurde aufgehoben; der Verwundete kam nach Mouzon. Hierwurde das Bein gestreckt und darauf ein gefensterter Gyps-verband mit Beckengürtel bis zum Fussgelenk reichend, an-gelegt. Die Wunden sahen besser aus, das Allgemeinbefindenwar leidlich. Anfangs Oktober Ueberführung nach Brüssel,woselbst er vom 6. Oktober 1870 bis 1. Juni 1871 blieb. DerGypsverband war zu weit geworden und wurde nach 8 Tagenentfernt, das abermals verkürzte Bein wieder gestreckt und einBlechschienenverband angelegt. Ausspülen mit übermangan-saurem Kali. Die beiden Oeffnungen standen miteinander inVerbindung. Zweimal wurde je ein hagelkorngrosses Bleistückentfernt, Knochensplitter sind nicht zum Vorschein gekommen.Eiterung reichlich, leichte Schüttelfröste und Fieber mitSchweiss, kein Appetit, starke Schmerzen, namentlich auch imKnie, Allgemeinbefinden schlecht, mehrere Druckbrandstellen— 5, 7, 8 —, Eitersenkungen bis in die Kniekehle machtenAnfang November 1870 zwei Einschnitte — 3 u. 4 — nöthig,es bestand eine sehr grosse Eiterhöhle, aus welcher massen-haft übelriechender Eiter entleert wurde. Blechschienenverbandnach Streckung des Beines durch Händekraft. Eiterung balddarauf gutartig und langsam abnehmend. Ende Februar 1871war die Schuss wunde und der erste Einschnitt geheilt, derBruch fest verheilt, der feste Verband wurde entfernt. MitteApril 1871 Entfernung eines Tuchfetzens beim Ausspülen,worauf sich auch die übrigen Einschnitte schlössen, doch brachdie Schussöffnung im April und Mai 1871 einige Male wiederauf. Nach Abnahme des festen Verbandes zeigte sich das Beinstark abgemagert, Hüft-, Knie- und Fussgelenk völlig steif, derFuss stand in Spitzfussstellung. Zunächst im Bett Bewegungs-versuche, von Mitte Mai an Gehversuche an zwei Krücken,welche indessen in Folge der Verkürzung und eines beim Auf-treten entstehenden lästigen Kribbeins sowie wegen der Steifig-keit der Gelenke sehr unbefriedigend ausfielen. Am 1. Juni 1871Reise nach Halle, Mitte Juni nach Flensburg, am 7. Juli in dieHeimath. Hier vertauschte er allmälig die Krücke mit zweiStöcken, Hüft- und Fussgelenk wurden beweglicher, das Knieblieb steif, das Allgemeinbefinden besserte sich, die Kräftenahmen zu. Pfingsten 1872 bildete sich an der äusseren oberenSeite des Oberschenkels — 3 — ein Eiterherd, der, eingeschnitten,
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