Inadin. Allgem- Theil.
II. Beschreibung der Präparate u. s. w.
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Zweite A.btheilung.Geheilte (erhaltend behandelte) Schussbrüche des Oberschenkels.
I. Oberes Drittel.Krankengeschichte I.
Fr. B., vom Anhaltischen Infanterie-Regiment No. 93, ver-Jet am 30. August 1870 in der Schlacht bei Beaumont• f b Chassepotkugel im oberen Drittel des linken Oberschenkels,je dem mittleren Drittel. Eingangsöffnung vorn innen 12 cmtademSchambeinhöeker; Ausgangsöffnung aussen 15 cm unterrSpitze des grossen Rollhügels. Die Kugel drang quer durchOberschenkel an der vorderen Seite mit verhältnissmässig:em Schusskanal, so dass sie den Knochen wohl mehr an der»deren Fläche gestreift und dabei gebrochen hat. 2 Tage nach, r Verwundung Gypsverband, welcher 3 Wochen lag, dannbebschienen, zuletzt 8 Wochen lang Kleisterverband. Be-llende Eiterung ans beiden Schussöffnungen, die erst imlinst 1871 aufhörte, Ausstossung vieler grosser und kleinerlütter, des letzten im März (1873 ?) nach Aufbruch eines Eiter-der sich in der Mitte der inneren Seite des OberschenkelsHdet hatte, Wundrose im Januar und März 1871 mit sehrihem Fieber. Fünf Fistelnarben, theilweise mit dem Knochenmrachsen, neben und einige Finger breit über dem Kniegelenk,Fistel 11 cm unterhalb der Einschussöffnung eitert nochIi3, doch fürfrt sie nicht auf blossliegenden Knochen.Die Brauchbarkeit des Beines ist ziemlich gut, der Ver-lete geht mit Stock und hoher Sohle, er tritt mit der Fuss-itzeauf, die Verkürzung beträgt 6 cm. Der Knochen ist 12 biscm unterhalb des grossen Rollhügels sehr verdickt und anf-lehen und in einem nach aussen offenen Winkel zusammen-heilt. Die Bewegung im Hüftgelenk ist etwas beschränkt,itstion, Ahduktion und Adduktion ziemlich frei, dieNelaton'schenie nicht abweichend. Das Kniegelenk, welches lebhaft ent-idet und sehr schmerzhaft gewesen sein soll, zeigt sehr[deutende Lockerung der seitlichen Gelenkbänder. KniescheibeBeglich, der Unterschenkel steht in Streckstellung, eineiriiigeBeugung ist möglich, wobei man deutlich das Schienbeindie Gelenkknorren anschlagen fühlt und hört und auchtbtes Knarren bemerkt. Seitlich über dem inneren Knorrenleine tiefe Fistelnarbe; diese Fistel soll stark geeitert haben.(Hierzu 2 Photographien. Siehe Tafel 28.)
Krankengeschichte 2.
G. BL, vom Magdeburgischen Kürassier-Regiment No. 7,freundet am 16. August 1870 in der Schlacht bei Vionvilleneb Chassepotkugel schief von links und hinten in trans-"saler Richtung, 3 Querfinger unter dem linken grossen Roll-M; die Kugel drang in den rechten Oberschenkel, wabr-leinhch durch den Damm hindurchgehend, sie wurde später
der Mitte der Vorderfiäche des rechten Oberschenkels aus-itbnitten. Der Verlauf der Kugel ist nur dadurch zu er-iren. dass Bl. im Augenblick der Verwundung zu Pferde sass.
Verwundete lag 10 Tage ohne jeden Verband, Schiene oder'gleichen und wurde nicht untersucht. Die Reaktion war*?• Er lag 7 Wochen in Gravelotte ohne jeden Verband
«achsleinwand, urj( l schon 6 Wochen nach der Verwundung
" der Bruch fest vereinigt, und der Verwundete ging an
Krücken. Eitersenkungen oder Wundkrankheiten sind nichtaufgetreten, die Eingangsöffnung war nach 7 bis 8 Wochengeschlossen. Von Gravelotte kam er nach Darmstadt in Privat-pflege und wurde 3 Wochen später nach Hause entlassen. InDarmstadt brach die Eingangsöffnung wieder auf und ist biszum Winter 1873/74 nie ganz geschlossen gewesen, nach seinerAnkunft zu Hause ist ein kaum linsengrosser Splitter heraus-gekommen ; bis zum Winter 1873/74 war die Absonderung gering,seitdem ist sie stärker geworden, die Fistel hatte das charak-teristische Aussehen wie bei Fremdkörpern, und man konntein derselben abgestorbenen Knochen fühlen, auch traten einigeEitersenkungen an der äusseren und hinteren Fläche auf, welcheeingeschnitten wurden. Es bestand starke Kallusbildung, leichteWinkelstellung nach aussen, der Fuss war etwas zu sehr nachaussen gedreht, die Verkürzung betrug 1 '/a Zoll, Knie und Fusswaren beweglich. (R. v.Volkmann.)')
(Hierzu 2 Photographien. Siehe Tafel 29.)
Krankengeschichte 3.
Fr. B., vom 1. Magdeburgischen Infanterie-Regiment No. 2 (i,verwundet am 30. August 1870 durch Chassepotkugel beim Vor-gehen aus ungefähr 250 Schritt Entfernung in den oberen Theildes rechten Oberschenkels. Er fiel nach hinten um auf einen ge-fallenen Kameraden, so dass er auf den rechten Oberschenkel zuliegen kam, und dieser in einem spitzen Winkel nach vorn vorstand.Es trat eine heftige Blutung ein. Bei dem Versuche, das Beinmit beiden Händen nach vorn zu bewegen, empfand er lebhafteSchmerzen. Er machte sich sofort selbst einen Verband, indem erStoppeln und Gras auf die Wunde auflegte und mit einer Bindebefestigte. Am anderen Tage bekam er einen frischen Verband,das Bein wurde mit Cigarrenkistenbrettchen geschient. Ent-leerung der Blase durch den Katheter. Eintrittsöffnung derKugel an der inneren Seite; Austrittsöffnung hinten aussenetwas tiefer, der Oberschenkel im oberen Drittel zersplittert,Knochensplitter sind nicht herausgekommen. Ein kleines Stückder Kugel fand der Verwundete in seinem Brotbeutel, den eran der Stelle der Austrittsöffnung der Kugel getragen hatte.Eine genauere Untersuchung der Wunde wurde erst am4. Tage vorgenommen, und ein gefensterter Gypsverband mitBeckengürtel angelegt. Am 8. Tage wurde die bis dahin ge-ringe Absonderung reichlicher, der Eiter war missfarbig undübelriechend, am 12. September war der Verband durchtränktund musste abgenommen werden. Drahthose. Verband mitKarbollösung und Kali hypermangan. Am 19. September wardie Ausgangsöffnung verheilt, der Schenkel wurde mit Hilfeeines Flaschenzuges gestreckt und ein neuer gefensterter Gyps-verband angelegt. Die Eiterung war in der folgenden Zeit gering,das Allgemeinbefinden gut. Am 2. Oktober: Beförderung nachAachen, Abnahme des Verbandes, einfache Lagerung des Beinsohne besondere Vorrichtungen. Am 19. Oktober: In derChloroformbetäubung werden mehrere Einschnitte gemacht und14 Knochensplitter entfernt, von denen einer daumengross.Streckverband mit Gewichten von 1 0 Pfund. Am 21. Dezember
J ) Vergl. Speziellen Theil dieses Bandes, Knochenbrüche desOberschenkels, 8. 1038 No. 125.