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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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III. Kapitel: Grössere Operationen.

Band III. Allgem^

Nach dieser kurzen geschichtlichen Uebersicht, ohnewelche ein Verständniss einzelner kleiner Zeitabschnittenicht möglich ist, wird es leicht sein, in dem am Schlüssedieses Bandes beigefügten Litteraturverzeichniss welches,ohne ganz vollständig zu sein, doch die Hauptarbeiten seitder Veröffentlichung von Martin (1859) enthält die Zeitvon 1860 bis 1870, die Hochfluth der Jahre 1873 und 1874,das allmälige Nachlassen der Begeisterung auf Grundexperimenteller Forschungen und besserer Kenntniss derGefahren der Bluttransfusion, endlich die gleichzeitige Aus-breitung der Kochsalzinfusion an den in den betreffendenJahren veröffentlichten Arbeiten zu erkennen.

Es waren namentlich die letzten Jahre vor dem Feld-zuge, in denen das Interesse für die Blutüberleitung wiederwuchs, in denen Panum (1863), Eulenburg und Landois(1865, 1866 und 1867), dieVortheile der Verwendung faser-stofffreien Menschenblutes (früher Joh. Müller, Bischoff,gegen Magendie) betonten, in denen Goltz und Alex.Schmidt ihre erst viel später gewürdigten Untersuchungenmachten, in denen Neudörfer, Rautenberg, Mittler,Gesellius u. A. für faserstoffhaltiges menschliches (letztererfür Kapillarblut) und thierisches, wenigstens Lamm- oderKalbsblut eintraten. Eine grosse Zahl von Apparaten, be-sonders für die am meisten ausgeführte mittelbare Ueber-leitung faserstofffreien Menschenblutes wurde erfunden(s. v. Beiina 1869). Die Zahl der Thierblutübertragungenwar in dieser Zeit sehr gering (nur 1 Fall von v. Esmarchaus dem Jahre 1860 mit Kalbsblut, vorübergehender Erfolg 1 ). Im Jahre 1869 hatte Hüter die Einspritzung faserstoff-freien menschlichen Blutes in das peripherische Ende einerArterie empfohlen und ausgeführt, wie vor ihm v. Graefeim Jahre 1866. Ein grosser Theil der Gefahren der Trans-fusion sollte dadurch, dass das eingespritzte Blut erst dielfaargefässe passiren musste, vermieden werden. (Landoisund v. Lesser schlugen später die centripetale arterielleTransfusion vor.)

Die Anzeigen für die Blutüberleitung waren schonrecht zahlreich; voran die bei akuter Blutleere. Neudörfer(1860) hatte Besserung erzielt bei Blutleere nach lang-dauernden Eiterungen, Kühne (1864) erfolgreiche Ver-

suche bei Kohlendunstvergiftung gemacht,

Eulenburg

und Landois (1865, 1866, 1867) bei Vergiftungen mitOpium, Phosphor, Strychnin n. s.w., Rautenberg (1867)bei Chloroformvergiftung. Auch bei Menschen, welchedurch Kohlendunst vergiftet waren, war die Transfusionbis zum Jahre 1870 schon 8 mal, allerdings nur mit 1 bezw.2 Erfolgen 2 ) ausgeführt. Bei grosser Schwäche, Bleichsucht,Leukämie, bei Eklampsie, Pyämie, bei Tuberkulose, Typhus,Cholera und verschiedenen anderen Krankheiten war, eben-falls mit geringem Erfolge, schon sehr häutig trausfundirt.Bemme (1863), Nussbaum (1862 und 1866), Neudörferund Beck (1867) hatten sich ganz besonders mit der Blut-

') Siehe Dissert. v. Dreesen, Kiel 1861.*) Siehe Landois, a. a. 0. 1875 S. 340.

Überleitung im Felde, auf den Verbandplätzen und in lLazarethen beschäftigt; Demme und Neudörferallerdings, da die Beschaffung von Menschenblut aufSchlachtfelde und in den Kriegslazarethen mit zSchwierigkeiten verbunden war, wie später Gesellin,Hasse auf die ziemlich verlassene Thierbluttzurück. Die seit etwa 40 Jahren (Prevost und Dimbekannten, u. A. von Panum (1863) wieder betomGefahren derselben wurden für gering erachtetnur (Brown-Sequard)die Blutkörperchen des %spendenden Thieres nicht grösser waren, als dieMenschen". So konnte denndas Zug- und Schlachlmit demselben Vortheil angesprochen werden' es bedinicht mehr des heroischen Blutopfers eines gesunden Xelmenschen" (Demme, 1863). Dass diese, nach wenijJahren mit Begeisterung verfochtenen, dann aberwieder verlassenen Anschauungen vor dem Feldzugkeiallgemeinen Beifall fanden, ergiebt sich aus der Litt«jener Zeit und daraus, dass während des Feldzuffskfeinzige Thierbluttransfusion ausgeführt wurde' erstJahre 1873 wurde bei einem am 19. Januar 18HSt. Quentin Verwundeten (Schussbruch des linken ischenkeis) wegen Erschöpfung durch langdauernde Eituvon Küster und Schliep die unmittelbare Lammblutifusion 1 mal in die V. med. basil. und 3 mal in Art. ibezw. tibial. post., aber nur mit vorübergehendem Erfolvorgenommen 1 ). Sonst wurde, soweit zu ermitteln, nfaserstofffreies Menschenblut mit den verschiede:Apparaten und Spritzen (Schliep, Eulenburg-Laiäv. Beiina, Uterhart, Bresgen u. s. w.) übergeleitet

Im Ganzen sind aus der Zeit in und kurz nacWKriege 37 Transfusionen (bei 19 Verwundetem14 Kranken) bekannt geworden. Nur 1 maldie Operation auf dem Verbandplatze, 3maFeldlazareth, 1 mal in einem stehenden Kriegslazanin allen übrigen Fällen in den ReservelazaDeutschland ausgeführt, darunter 11 mal imlazareth zu Rastatt von den Feldärzten Schmidt iBauingaertner bei Blutleere und Kollaps nachKrankheiten, 5 mal als arterielle, 6 mal als venöse Infusion, 1 mal ohne, 9 mal mit Erfolg, 1 mal mit unbekiAusgang, v. Beck erwähnt 2 von ihm selbstvenöse Transfusionen, welche, als letztes Mittel bei Typmit Darmblutungen versucht, ohne Erfolg blieben.

Die Transfusion nach Verletzungen (nunSchussverletzungen) wurde bei 19 Verwundeten Siausgeführt. 2 ) In einer Krankengeschichte (V. Bands.t

!) Siehe Berliner klinische Wochenschrift 1874 No. 3.

a ) Und zwar bei 16 Deutschen (13 t) und 3 Franzosen1 Ausgang unbekannt). Siehe die betreffenden Krankeofl*im V. Baude dieses Berichtes, S. 635 und 636 (15 V«ausserdem ebendaselbst S. 149 No. 1, S. 390 No. 15, S. 6011und S. 666 zu VIII. In Tabelle I der Operationsstatistitsnur die auf S. 635 und 636 des V. Bandes aufgeführten Verw*(14 Deutsche, 1 Franzose) berücksichtigt.