Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
343
Einzelbild herunterladen
 

Band III. AUgem. Theil.

IV. Abschnitt: Blutüberleituugen. (Transfusionen."!

343

. .i g Chirurgie" sind neben Thierbluttransfusionen," mittelbare j>j u tüberleitungen von Mensch zu Mensch. Lj^gj. i m Allgemeinen kann man aber die Zeit vonifflO bis etwa 1830 als die Periode der unmittelbarenThierbluttransfusion bezeichnen. (Das 18. JahrhundertMit dabei fast ganz aus; Heister, Jungken, Hall ersprachen ziemlich geringschätzig von ihr.) Die 2. Periode,1>Zeit von 1830 bis etwa 1870, ist die der mittelbarenTransfusion faserstofffreien Blutes von Mensch zuu ell jch allerdings mit zahlreichen Ausnahmen, welche, wieMagendie (1838), Martin (1859), Orä (1868), Geselliusn$8) faserstoffhaltiges Blut aus der Vene eines Menschen,l( j er wie Demme (1863), faserstofffreies Thierblut über-zuleiten empfahlen. Die 3., kürzeste Periode kann durchda< Jahr 187-1 allein ausgefüllt werden; von den 478 Fällen,welche Landois im Jahre 1875 zusammenstellte, gehörenetwa 180, also mehr, als ein Drittheil, dem Jahre 1874in; in der grossen Mehrzahl der Fälle waren es unmittel-bare Lammbluttransfusionen, wie sie schon zwei Jahr-hunderte vorher von Denis u. A. ausgeführt waren (Ge-lellius, Hasse, Hey felder und im Jahre 1876 Eckert).Es Mete darauf eine Periode (die 4.), in welcher wiedernfdie Transfusion faserstofffreien Menschenblutesickgegangen wurde (Panum, Landois, Ponfick u. A.).|Han überzeugte sich aber immer mehr von der Gefährlich-keit jeder Blutüberleitung und ging bei akuter Blutleereder Infusion einer 0.6 prozentigen Kochsalzlösung überGoltz 1863, Kronecker und Sander 1879, SchwartzVollbrecht stellte im Jahre 1887 im Anschluss ane von Bardeleben mit Erfolg ausgeführte Kochsalz-a8ion 29 Fälle zusammen, in denen 23 mal bleibendeTeilung erreicht ward; in 6 Fällen trat der Tod ein ausnchen, welche mit der Infusion nichts zu thun hatten).ist bemerkenswerth, dass schon im Jahre 1792 TodetAusfüllung der Gefässe" eine grosse Bedeutung beit Transfusion zuschrieb. 1 ) Man kann behaupten, dassiegrosse Mehrzahl der Aerzte heute auf dem von v. Berg-ann iu seiner Festrede am Stiftungstage der militär-tlichen Bildungsanstalten im Jahre 1883 vertretenendpuukte steht: Ob ein Mensch oder ein Thier alsIntspender benutzt, ob arterielles oder venöses Blut,.mittelbar oder mittelbar, defibrinirt odervoll", obin eine Arterie (centrifugal, Graefe, Hüter; centri-ül Landois, v. Lesser) oder in eine Vene (AA;^ : VV; V A) transfundirt wird, der Kranket, wenn nur geringe Mengen übergeleitet werden (wie1!. von Schatz 1868 im Ganzen 9 ccm defibrinirtesMenschenblut), weder Vortheile, noch Nachtheileivou; darauf beruht vielleicht mancherErfolg" derinimbluttrausfusion, von welcher schon A. Perraultbehauptete, dass dabei nichts überlaufe. Bei Ueber-g grösserer Quantitäten kann z. B. bei akuter Blut-

I Siehe Eckert, a. a. 0. S. 15.

leere zuerst der Nutzen besserer Gefässfüllung hervor-treten; bald darauf stellen sich aber die Zeichen deroft bedenklichen, in schweren Fällen tödtlichen Ferment-intoxikation ein. Thierblut ist dabei gefährlicher, alsMenschenblut; nach einem Aderlass bei Fiebernden, sep-tisch Infizirten, bei einer ganzen Reihe von Krankheiten,gegen welche die Blutüberleitung empfohlen und angewendetwurde, ist der Fermentgehalt des Blutes und damit die Ge-fahr des Zerfalls seiner Bestandtheile noch bedeutend er-höht. (Landois, Panum; Ponfick u. A. betonten dieGefahren der Thierbluttransfusion; Naunyn, AI. Schmidt,Armin Köhler, v. Bergmann u. A. die Gefahren einerjeden Blutüberleitung.) Vielleicht lässt sich noch dieunmittelbare Ueberleitung des Blutes aus der Arterie einesMenschen in die Gefässe eines anderen vertheidigen; dochwird sich selten ein Blutspender dieser eingreifendenOperation unterziehen.

Die mancher Transfusion folgenden, oft bedenklichenErscheinungen sind schon von Denis genau beschriebenund auch später oft genug beobachtet; ihre richtige Deutunggehört der Neuzeit an. Eckert (a. a. O. S. 76) sagtnoch:Die Hämoglobinurie ist nur ein Symptom, einemedikamentöse Wirkung, welche Hasse absichtlich undmit bestem Erfolge provozirt hat", und weiter (S. 140):Transfundirtes Blut wirkt als Agens, als Ferment, welchesdie nächstfolgende Blutbereitung umbildet und regelt".Landois, der wohl am meisten über diesen Gegenstandgearbeitet hat, hält bei der Verwendung richtig defibrinirten,gleichartigen Blutes die Fermentintoxikation für aus-geschlossen, auch Maydl und L. Menard sind mit Lan-dois gegen Kronecker, Schwartz u. A. der Meinung,dass die Bluttransfusion nicht durch die Infusiou einerKochsalzlösung ersetzt werden könne. Aus den letzten Jahrenstammen noch die Vorschläge von Landerer. welcher,wie Bouveret und Schramm, die Kochsalzlösung mitBlut mischen, oder ihr 3$ Rohrzucker zufügen wollte;von Keppler, welcher 1 -JJ- Alkohol zusetzte (s. Little);von Kronecker, welcher die 0.7 proz. Kochsalzlösungrein, ohne Alkalizusatz empfahl. Alle diese verschiedenenLösungen, von denen L. Menard 7 aufzählt, sind bei akuterBlutleere fast immer, bei Cholera (Cantani 1865, Samuel,Godefroy 1886 u. A.) oft mit Erfolg angewendet, sowohlintravaskulär (in Arterien und in Venen), als auch in dasUnterhautgewebe. Wenn ausserdem noch die Infusion vonBlut in die Bauchhöhle (Ponfick 1879) und in das Unter-hautzellgewebe (Karst 1873, v. Ziemssen 1887) erwähntwird, welche bei genügenden Mengen wohl zu ähnlichenSymptomen führen könne (Bojanus 1881), wie die intra-vaskuläre Bluttransfusion, dann ist damit die 5. Periodeder Transfusion, welche Landois dieder Missachtungund Herabwürdigung" nennt, gekennzeichnet. Die Trans-fusion von Blut, auch defibrinirtem Menschenblut, ist fastvollständig von der intravenösen (seit Kurzem auch sub-kutanen) Kochsalzlösung (mit oder ohne Zusätze) verdrängt.