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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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III. Kapitel: Grössere Operationen.

4. Schussbruch des linken Wadenbeins und Unter-bindung der Tibialis antica und der Cruralis: Spitzfuss-stellung, aktive Beweglichkeit des Fussgelenkes aufge-hoben.

Bei den 9 Gestorbenen sind folgende Todesursachenverzeichnet: je lmal

1. Verblutung nach Unterbindung der Poplitea;

2. Entkräftung Tibial. post.;

3. Brand ant.;

4. Pyämie in 2 Fällen: 1 mal nach Unterbindung derTibialis antica, das andere Mal nach Unterbindungder Tib. post.;

Bandlll. Allgem.Thc

5. Ruhr in 1 Falle von Unterbindung der T'li'iantica.

Ueber die Zeit, welche verging von der I"bindung bis zum Eintritt des Todes ist au- A,vorhandenen Angaben Nachstehendes zu entnehmen-Tod erfolgte je 1 mal am 1., 2., 5., 9. und 12. Tage ®ider Unterbindung.

Leichenbefunde sind nur verzeichnet in denbeidFällen von Unterbindung der Poplitea und zwarArt der Gefässverletzung, Beschaffenheit der Gefjan der Unterbindungsstelle und über Tkrombenbiliji(siehe V. Band, S. 631 und 632).

Vierter Abschnitt.Blutüberleitungen.

(Transfusionen.)

Wer die im Feldzuge 1870/71 ausgeführten Blut-überleitungen jetzt, nach 20 Jahren, beschreiben und be-urtheilen will, muss von den heute giltigen Anschauungenüber diese Operation ganz absehen und sich durch dasStudium der ausserordentlich reichen Transfusionslitteraturjener Zeit eine genaue Kenntniss des Standes der Trans-fusionsfrage zu Ende des siebenten und zu Anfang des achtenJahrzehnts unseres Jahrhunderts aneignen. Bei keineranderen Operation ist das so nothwendig; denn keineandere ist seitdem so vielfachem und grossem Wechsel, sotiefgreifenden Aenderungen in den Anzeigen, der Aus-führung, ja der Beurtheilung und Werthschätzung im All-gemeinen unterworfen gewesen. Die übertriebenen Em-pfehlungen ihrer Lobredner haben von jeher der Blut-überleitung mehr geschadet als die recht oft ebensofanatischen Vorwürfe, welche man ihr machte. WennM. de la Martiniere (1668) die TransfusoreswahreHenker", Metzger 1 ) die Transfusionein sprechendesBeispiel von der Verwirrung des menschlichen Geistes,durch besondere Rohheit des Ideenganges geschaffen",Portal (1800) sie einemedizinische Kuriosität" nannte;wenn man sie als gottlos, gegen die Vorschriften der Bibel(Buch Mosis) verstossend bezeichnete, so wurde auf deranderen Seite ihr Werth und ihre Wirksamkeit bedeutendüberschätzt; schon nach den ersten gelungenen Versuchenvon Denis oder Denys in Paris, Wren und Lower in

!) Metzger, Skizze einer Geschichte der Medizin. Königs-berg, 1792.

England im Jahre 1666') wird von dem Branden!Leibarzte Eisholt z der Vorschlag gemacht, durch iseitige Transfusion feindliche Brüder und uneinige Ebzu versöhnen, was Cornel Hönn 1676 für uninogliklärte. Ausserdem wurde die Blutüberleitung alunfehlbares Heilmittel gegen eine sehr grosse Zahverschiedenen Krankheiten empfohlen, oft in einer ArieWeise, welche den Spott herausforderte.

Im 17. Jahrhundert und bis Prevost und Duma-.|Dieffenbach, Bischoff u. A. wurde fast ausseife-';:unmittelbare Thierbluttransfusion von Arterie iVene ausgeführt; freilich sprach schon 1667 Tai« ]für die Verwendung von Menschenblut, ebenso II1670 (Lüneburg); Michael Ettenmüller (Leipzhielt jede Blutüberleitung für lebensgefährlichwegen ieigenthümlichen Verschiedenheiten des Blutes": Gnnde Montpoly schrieb im Jahre 1668:Wenn manviel fremdes Blut einspritze, so werde das Leben (innewohnenden Blutes überwunden; Hämaturie undEpiscseien günstig, weil hierdurch das zu viel eingespr |geschieden und das Leben somit ausser Gefahr gesawerde". Aehnliche Anschauungen vertrat um dies«Zeit Lamy. s ) ImArmamentarium Sculteti" 3 ) sowiei

!) Von der sagenhaften Thätigkeit der Medea und der 1des Papstes Innocenz III. , welche wahrscheinlich nicht u'Transfusion, sondern in der inneren Darreichung einesbestanden hat, ist dabei abgesehen.

2) Siehe Landois, a. a. O. S. 17 ff.

3) Bardeleben, Lehrbuch der Chirurgie und Operations!8. Ausgabe, Bd. II.