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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
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^itadin. Allgeni. Theil.

III. Abschnitt: Unterbindungen grosserer Schlagadern.

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ufiO verwundeten Deutschen Kürassieroffizier Schuss

h die rechte Mohrenlieim'sche Grube war am 8. Sep-

ber die Schlüsselbeinschlagader oberhalb des Scblüssel-

es unterbunden worden. Schon am 11. September trat

heftige Blutung aus der Ligaturstelle ein. Bei der von

Veuem ausgeführten Unterbindung wurde die innere Drossel-

lilntader verletzt und doppelt unterbunden.

Die in den Krankengeschichten häufig erwähnten

Lggen und Gewebsblntungen (ohne Angabe der blutenden

Ader) sind wohl in der Mehrzahl der Fälle auf bestehendePyämie zurückzuführen. So findet sich namentlich bei denOberschenkelschüssen oft der Vermerk, dass nach Schüttel-frösten und erschöpfenden Eiterungen Gewebsblutungen ausder Wunde sich einstellten, welche wie bereits hervor-gehoben für schwere septische Infektion charakteristischsind.

Betreffs des zu Unterbindungen verwandten Materialssiehe vorstehend Seite 47.

II. Unterbindung der gemeinsamen und der äusseren Halsschlagader.

Von Unterbindungen dieser beiden Gefässe sind im

Ganzen aufgeführt 27 Fälle (21 Deutsche, 6 Franzosen).

eheilt sind 11, tödtlich verlaufen = 59.3 %. Schaltet

einen Kranken, der bereits vor der Operation pulsloswar. aus, so ergiebt sich eine Sterblichkeit von 57.7 -°.Von Unterbindung der äusseren Halsschlagader ist nur1 mal ausdrücklich die Rede (geheilt).

Im Amerikanischen Rebellionskriege ist die Unterbindunggemeinsamen Halsschlagader 82 mal mit 63 Todesfällen,e der äusseren Halsschlagader 7 mal mit 3 Todesfällen aus-ftirt worden, mithin mit 74.2 § Sterblichkeit.

Bei einem von den 27 Verletzten war die gemeinsame

Schlagader selbst durchschossen, während es sich bei derweitaus grössten Mehrzahl um Blutungen aus Zweigenselben, bezw. der äusseren Halsschlagader handelte. Vor-lehnilick waren es Blutungen aus Gefässen des Gesichtes,.9mal, welche zur Unterbindung führten; 11 mal warenOberkiefer und Jochbein, 8 mal war der Unterkiefer verletzt,on ersteren Verwundeten wurden 7 geheilt, von letzterenrar 1. In 4 Fällen war das Gehörorgan durchschossen|2 geheilt, 2 gestorben).

Hei 5 Verletzten trat unmittelbar nach der Ver-ndung starke Blutung (Primärblutung) ein.

Die Entwickelung eines falschen Aneurysmas wurdebei 2 Verwundeten beobachtet.

Bei einem Nassauischen Infanteristen war wegentlutang nach Schussbruch des Ober- und des Unterkiefersersdal Be rechte Carotis communis unterbunden worden. In derrlii bereits bis auf Stecknadelkopfgrösse verheilten Unter-

'indungswunde entstand ein Aneurysma (s. später, Erfolg; eiiiiä der Unterbindung).

Ein zweiter, ein Westpreussischer Grenadier, hatte beisoweili Sedan einen Schuss in die linke Halsseite, mit Verletzungler gemeinsamen Kopfpulsader, erhalten. An der Stelleer Verletzung bildete sich ein Aneurysma. Obwohl dieSchlagader in der Wunde oberhalb und unterhalb desickes unterbunden wurde, traten gleichwohl Nachblutungen»\ .v;:*»f, denen der Kranke am 29. September 1870 erlag.

Vor der Unterbindung wurde bei einem BadischenGrenadier Gewehrschuss durch den linken Unterkieferund den Kehlkopf am 18. Dezember 1870 wegen hoch-gradiger Athemnoth zugleich die Eröffnung der Luftröhreausgeführt. Der Kranke ging am 21. Dezember an Lungen-ödem zu Grunde.

Von andern Komplikationen ist zweimal Lähmung desNerv, facialis angeführt. Die eine betrifft einen DeutschenOffizier, dessen Krankengeschichte hier besonders er-wähnt sei.

Die Kugel war unterhalb des linken Jochbeines einge-drungen und hatte das Kiefergelenk zersplittert. Die Ausgangs-öffnung befand sich hinter dem linken Ohre. Am 23. Tagenach der Verletzung wird wegen Nachblutungen aus der Wundedie linke gemeinsame Halsschlagader unterbunden. Der Unter-bindungsfaden fällt am 19. Tage ab, darauf entwickelt sichWundrose, und 30 Tage nach der Unterbindung traten an derUnterbindungsstelle plötzlich Blutungen aus dem peripherenGefässende ein. 36 Stunden lang wird hier Fingerdruck geübt,ohne dauernden Erfolg. Trotz ausgeführter Transfusion stirbtder Kranke am 41. Tage nach der Unterbindung.

Die Sektion ergab: Centrales Ende der gemeinsamen Hals-schlagader durch festes Gerinnsel bis zum Aortenbogen ge-schlossen. Im peripheren verjauchtes loses Gerinnsel. Splitterungdes Kiefergelenkes. Kein Kallus.

Der zweite Fall von Facialislähmung betrifft einengeheilten Franzosen: Schuss durch die linke Wange,Austrittsöffnung am 2. Halswirbel.

Dass vor der Unterbindung anderweitige Blut-stillungsversuche vorgenommen worden sind, ist aus-drücklich 9 mal angegeben. Einmal ist geradezu gesagt:die Unterbindung wurde unternommen, nachdem alle Be-mühungen, der Blutung auf andere Weise Herr zu werden,sich als erfolglos erwiesen hatten.

Bei 3 Verwundeten ist Fingerdruck auf die gemeinsameHalsschlagader geübt, in einem Falle sind Eis und Kom-pressen angewendet worden. Dreimal hat man Tamponadeder Wunde einmal nach vorangegangener Erweiterungderselben und bei einem Verwundeten vor der Kon-tinuitätsligatur die Unterbindung in der Wunde versucht.