Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
316
Einzelbild herunterladen
 

3 IG

III. Kapitel: Grössere Operationen.

Band III. All,,«, J

her sind zu rechnen Transporte, Verbandwechsel, grosse Un-ruhe der Verwundeten, aber auch mechanische Einwirkungenverschiedenster Art. So erkrankte ein am 19. Januar 1871verwundeter Deutscher Füsilier (Schuss in den Mund mitVerletzung des Gaumentheiles des rechten Oberkiefers) am25. Januar unter Schüttelfrost an einer linksseitigen Lungen-entzündung; am folgenden Tage stellte sich eine starkeBlutung aus der Gaumenschusswunde, höchst wahrscheinlichin Folge des quälenden Hustens, ein. Häufiger gebenoperative Eingriffe, wie Erweiterung der Wunde, Heraus-nahme von Knochensplittern, Aussägungen, Gliedabsetzungen,kurz chirurgische Vornahmen der mannigfachsten Art Ver-anlassung zu Spätblutungen. Bei einem Badischen Gre-nadier z. B. mit einem Schussbruch des linken Unter-schenkels trat eine Blutung aus einem 3'/2 Monate nachder Verletzung geöffneten Eiterherde ein, welche die Unter-bindung der Oberschenkelpulsader nöthig machte. Vor-nehmlich sind es freilich Nachblutungen aus Amputations-stümpfen, um die es sich hierbei handelt. VorstehendeUebersicht XXIV auf Seite 261 und die obenerwähntenZahlen aus dem Amerikanischen Berichte führen hierineine beredte Sprache.

Zweitens ist der Wundverlauf für die Entstehungvon Sekundärblutuugen verantwortlich zu machen.

Schon im KapitelPyämie" wurde der ursächliche Zu-sammenhang derselben mit Nachblutungen 1 ) eindringlichstbetont. Im V. Bande dieses Berichtes sind bei den 509 Unter-bindungen an Deutschen und Franzosen 80 Erkrankungenund 78 Todesfälle an Pyäinie angeführt. 2 ) Bei wie vielen diePyämie die Blutung verursachte oder erst die Unter-bindungswunde befiel, lässt sich vielfach nur mit Wahr-scheinlichkeit erschliessen. Blutungen kamen namentlichim späteren Stadium der Krankheit vor. Das arterielleBlut der Pyämischen zeigt sehr wenig Neigung zur Ge-rinnung; und wo Gefässe verletzt oder durch die Unter-bindung verschlossen sind, wird von vornherein die Nach-blutung durch die mangelhafte Thrombenbildung begünstigt.Bekannt sind ferner die venösen Blutungen der Pyämischen(Stromeyer's phlebostatische Blutungen), von welchen inden betreffenden Krankengeschichten häufig die Rede ist.In einer derselben wird von einem Pommerschen Infanteristen(Splitterbruch des linken Oberschenkels) besonders hervor-gehoben, dass sich am 22. Tage nach der Verwundung dieersten Schüttelfröste einstellten: zugleich traten häufigevenöse Blutungen ein. Tod an Pyämie und Blutungen.(Vergl. Speziellen Theil dieses Bandes, S. 1062.)

Wundrose wurde bei 7 (5f), Hospitalbrand bei8 (5f), Wundstarrkrampf bei 2 (2f) Operirten beobachtet.

Brand der Glieder trat 67 mal nach Unterbindungenein, 10 mal an den oberen. 57 mal an den unteren Glied-

x ) Siehe hierüber vorstehend Seite 151, 154 und 165.2 ) Siehe hierzu und zu dem Folgenden Tabelle XXII der Ope-rationsstatistik (Seite 97*).

maassen. Von besonders übler Vorbedeutung 8 ygedehnte Blutunterwühlungen, welche durch Di uc tdie Gefässe die Entwickelung des Brandes be:ganz abgesehen davon, dass sie eindringenden Entzündeerregern den geeignetsten Boden für ihre Entwickeln«darbieten, somit die Entstehung von Zellgewebsentzündin«,und Verjauchungen begünstigen.

Zu Aneurysmenbildung kam es 43mah da»1 mal zu wahrem Aneurysma der Schenkelschlagader iletztgenannter Schlagader kamen allein 19 falsche P»adergeschwülste zur Beobachtung. Der AmerikasBericht zählt 74 falsche Aneurysmen auf; auch hierfallen die grössten Zahlen (20) auf die Fenioralis.

Von der Behandlung derselben wird in den eh»Unterabschnitten die Rede sein.

Gliedabsetzungen nach Unterbindungen %43 Deutschen Verletzten ausgeführt mit 30 Todesfiunter ihnen 12 nach unmittelbarer Gefässverletzum8 Todesfällen, 2 nach Blutungen aus anderen Ui(beide tödtlich verlaufen). 29 mit 20 Todesfällenausgeführt nach Blutungen ohne nähere Angaben.hierzu siehe vorstehend Seite 241 bis 247. Dazukoi5 Gliedabsetzungen nach Unterbindungen (mit 4 Tifällen) bei Franzosen.

Als Todesursachen finden sich ausser denoben erwähnten angeführt: Verblutung bei G2, T>und Ruhr bei 8, andere innere Krankheiten beiSchöpfung bei 26.

Bei einem Verwundeten trat Lungenschlag in lzu starken Aufblasens eines Luftkissens ein.

Stärkerer Venenblutungen wird nur sehr seltendrücklich gedacht. Mehrmals ist von Verletzungen der äiDrosselnder und je einmal von einer solchen derund der unteren Schilddrüsenvene berichtet; starke priBlutung aus der Vena cephalica wird bei einem Wj bergischen Infanteristen (Schussbruch der linken Schierwähnt; Tod an Pyämie. Am häufigsten ist vonve| Blutungen nach Oberschenkelschüssen die Rede. Soam 19. Januar 1871 ein Deutscher Infanterist nebenSplitterbruche des rechten Oberschenkels eine viZerreissung der Oberschenkelvene. Er ging am 22.!an Brand zu Grunde.

Von einem am 14. August 1870 verwundeten DenOffizier Gewehrschuss durch den linken UnterscMan der Grenze des oberen Drittels dicht hinter der'wird berichtet, dass eine am 8. November 1870 eingetnvenöse Blutung durch Einwickelung des Beinesgestillt wurde.

Ueberhaupt erforderten die Venenblutungen, soweitsichtlich, in keinem Falle einen operativen Eingriff, ivielmehr auf Eisbehandlung, Tamponade, Druck u. s.w.einer Verletzung und doppelten Unterbindung der T^jugularis interna ist gelegentlich der Ligatur der Schibeinschlagader einmal die Rede. Bei einem am 18.J1