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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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ITI Allgem- T* 16 ''' *^'Abschnitt: Unterbindungen grösserer Schlagadern.

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Auf der andern Seite ist es bekannt genug, dass das

Fklen einer erheblichen Primärblutung durchaus kein

jj r (Jie Unversehrtheit der Arterie ist, 1 ) vielmehr

Uen sich Blutungen nach Schussverletzungen auch grosser

ge »anz gewöhnlich erst nach einer Reihe von Tagen

In allen grösseren kriegschirurgischen Sammelwerken

t man auf die gleichen Beobachtungen (Stromeyer,

illroth, v. Beck u. A.).

Am liäufigsten dürften dieselben im letzten Kriege beit Femoralis wahrend ihres Verlaufes durch den Atlduktoren-mal gemacht worden sein. Hier haben Leichenöffnungenderart Verletzten, die in Folge anderweitiger Abf-indungen zu Grunde gegangen waren, bestätigt, dass dieta'ie im Adduktorenkanal verletzt und nur ein kleineserinnsel an der beschädigten Stelle zu finden war, dasm Kaliber der zerschossenen Schlagader in gar keinemerhältnisse stand. Heilt eine derartige Verletzung permam so pflegt sich ein Aneurysma zu bilden; kommt esEiterung oder Jauchung, so erfolgt früher oder späterI Nachblutung.Also nicht bloss die an den oben angegebenen Stellenmehene Neigung der früheren Kriegschirurgen, dieJung zunächst mit allen nicht-operativen Hilfsmittelnversuchen, sondern ebenso sehr die eben berührten Ver-misse kommen bei Beurtheilung der geringen Zahlmärer Unterbindungen in Betracht. Im Uebrigen finden1158 sichere Fälle von unmittelbarer Gefässverletzungden Gliedmaassen bei Deutschen 1870/71 vorstehendSeite 240 bis 255 nach der Art der Behandlung zu-imengestellt und beleuchtet; wegen solcher Verletzungenprimärer Blutungen bei Wunden des Rumpfes sieheziehen Theil dieses Bandes S. 99, 300, 538, 611.Die Tabellen in den einzelnen Kapiteln des SpeziellenLeiles dieses Bandes führen im Ganzen 840 Verwundeteif (darunter 517 später Gestorbene), bei denen stärkereacliblutungen zur Beobachtung kamen. Ueber dieeit des Eintritts derselben finden sich daselbst 2 ) namentlichi Seite 842, 918 und 1126 genauere Zahlenangaben, aus!Cllla =" tuen hervorgeht, dass von 191 der Zeit nach bekanntenlutungen nach Verwundungen an den oberen Gliedmaassenid am Unterschenkel entfielen:

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1. Woche nach der Verwundung

2.

3.

4.

und 6.

, i 9. bis 12., eine spätere Zeit

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772

Summe 191.

') Siehe hierzu vorstehend S. 43 Anmerk. 1 (Verletzung derund Seite 240/242. _ : Weitere bezügliche Angaben siehe in den nachstehendenUnterabschnitten.

Nach dem Amerikanischen Kriegsberichte 1 ) ist unter3245 überhaupt beobachteten Schlagaderblutungen bei 2235(mit 1380 61.7 § Todesfällen) das blutende Gefäss augegeben.

Von den zuletzt erwähnten 2235 Blutungen waren 485durch unmittelbare Gefässverletzung verursacht. 110 dieserBlutungen folgten unmittelbar der Verwundung. Bei 653(= 47.3$) der 1380 Gestorbenen wurde der Tod lediglich derBlutung zugeschrieben, bei 22.2$ der dem starken oder fort-gesetzten Blutverlust folgenden Erschöpfung und bei 20.2 $verschiedenen Wundkrankheiten (Pyämie, Brand, Rose, Starr-krampf).

Bei 1480 Blutungen ist der Tag des Eintrittes angegeben.153 davon ereigneten sich innerhalb der ersten 24 Stundennach der Verwundung (110 unter diesen sogleich nach der-selben). Kachstdem fiel die grösste Zahl der Blutungen aufden 10. und 11. Tag (je 71); von da ab fast regelmässigeAbnahme bis zum 30. Tage; von da ab war die auf den einzelnenTag fallende Zahl eine wechselnde. Die späteste Blutung wirdvom 264. Tage berichtet.

Der Englische Bericht über den Krimkrieg (S. 339) zählt13 unmittelbare Arterienverletzungen mit 9 Todesfällen;Chenu's Berichte über den Krimkrieg und über den Italienischenenthalten nichts Einschlägiges. Dagegen ist in einem derneuesten Feldzüge in Tonkin ') das höchst seltene Auf-treten bedeutender Primärblutungen besonders hervorgehoben.

Dieses Vorwiegen des Eintritts der Blutungen in der

2. und 3. Woche stimmt überein mit den Angaben derkriegschirurgischen Handbücher, mit den Erfahrungen imAmerikanischen Kriege (siehe oben) und mit der Thatsache,dass die meisten der im Kriege 1870/71 vorgenommenenUnterbindungen (siehe oben) ebenfalls aus der 2. und

3. Woche nach der Verwundung berichtet sind. Nicht immertreffen solche Nachblutungen den Arzt unvorbereitet. Fastin jedem einzelnen der alsbald zu besprechenden Abschnittesind Fälle beobachtet, in denen der Spätblutung einenoder mehre TageWarnungs- oder Signalblutungen" voraus-gingen, die sich in lebhafterem Tröpfeln des Blutes nachEntfernung des Verbandes oder auch nur in rother Durch-tränkung desselben äusserten. So wird, um nur ein Bei-spiel anzuführen, von einem Brandenburgischen Grenadier,welcher am 18. August 1870 einen Schuss durch die Achsel-höhle mit Verletzung der Achselschlagader erhielt, in derKrankengeschichte gesagt:beim Verbinden sickert regel-mässig etwas Blut aus der Wunde", bis endlich am 7. Sep-tember sich eine starke Blutung einstellt. An anderenStellen ist in den Krankengeschichten geradezu die Be-zeichnungSignalblutung" gebraucht. Leider ist nachPirogoff dieNatur nicht immer so gütig, den Arzt durchkleine Blutungen zu warnen, ehe sie ihm eine grosse aufden Hals schickt".

Im Allgemeinen ergeben sich aus den Krankenge-schichten zweierlei Anlässe zu dem Zustandekommen vonSpätblutungen. Einmal handelte es sich um mechanischeinwirkende, meist äussere Schädlichkeiten. Hier-

x ) Siehe Medical and surg. history etc. Part III, surg. vol.,p. 762 ff.

2 ) Siehe Nimier, La guerre au Tonkin et ä Formose (1883,1884, 1885), Archives de med. et de pharm, mil. 1889.

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