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III. Kapitel: Grössere Operationen.
BandHI. Allgen,.^
der Unterbindung in der Wunde wird die Kontinuitätsligaturder Femoralis ausgeführt. Bald darauf neue Blutung aus derWunde. Der Verwundete, welcher in einem sehr dunklenZimmer lag, wurde unter bessere Beleuchtung gebracht, undnunmehr gelang es, die Tibialis antica an der Stelle der Ver-letzung central und peripher zu unterbinden. Danach trat hierkeine neue Blutung mehr auf, dagegen erfolgte 5 Tagespäter eine Blutung aus der Unterbindungsstelle derOber schenkelpulsader.
Wie sehr durch die vorherige Anwendung blutstillenderMittel, namentlich Eisenchloridlösung, die Unterbindung amOrte der Noth erschwert wurde, wie überhaupt deroperative Eingriff im Allgemeinen als das letzte Hilfs-mittel galt, wenn man natürlich von jenen, im Ganzenseltenen, in kürzester Zeit erschöpfenden Blutungen absieht,welche als Indicatio vitalis den sofortigen Verschluss derblutenden Ader erheischen, wie man bei sehr vielenVerletzten sich erst nach Anlegung von Aderpressen,nach Eingerdruck in der Wunde und entfernt von der-selben, nach Tamponade mit und ohne Anwendung blut-stillender Mittel, Druckverband, gegebenen Falles nachEinwickelung der ganzen Gliedmaassen mit und ohneDruckkompressen, gewaltsamer Beugung im Ellenbogen —bezw. im Kniegelenke, nach Hochlagerung, Kälte u. s. w.zur Unterbindung entschloss, — dies Alles ist ebenfallsbereits vorstehend (S. 43 ff.) und an verschiedenen Stellenim Speziellen Theile dieses Bandes (insbesondere S. 361und 918) ausführlicher dargelegt.
Auch im Amerikanischen Rebellionskriege ist vor derUnterbindung namentlich von den sogenannten Styptica aus-gedehnter Gebrauch gemacht worden. Der AmerikanischeBericht glaubt dieselben nicht unbedingt verwerfen zu sollen,verkennt aber nicht, dass ihr Gebrauch leicht dazu führt, dring-liche Operationen aufzuschieben oder zu unterlassen. Im Ganzenspricht der Amerikanische Bericht von 1155 Schlagaderunter-bindungen mit 684 = 59.0$ Todesfällen, von denen 348 wegenBlutungen aus Amputationsstümpfen nöthig wurden. Unterdiesen 348 wurde 157 mal der Gefässstamm und 191 mal amStumpfe unterbunden.
Von den übrigen 807 Unterbindungen wurde unterbundender Gefässstamm bei . 413 Verletzten mit 63a § Todesfällen,
oberhalb und unterhalbder Wunde bei . .
5
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„ 20 „
in der Wunde bei . .
239
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„ 43.6 „
ohne Angabe der Unter-bindungsstelle bei .
153
VI
Von Unterbindungen grösserer Schlagadern amTage der Verletzung sind unter 380 an DeutschenHeeresangehörigen ausgeführten Arterienunterbindungennur 16 mit 56 £ Sterblichkeit bekannt geworden, ausser-dem 1 (tödtlich verlaufene) bei einem Franzosen.
Am 1. bis 3. Tage sind (bei Deutschen und Franzosenzusammen) 1 ) 13 Unterbindungen mit 33.3 % Gestorbener
verzeichnet, am 4. bis 6. Tage 21 mit 55 § Ti
somit
in der 1. Woche . . .
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„ „ 5. bis 12. Wochenach der 12. Woche . .
51 mit 50 | Todesfs109 „ 68. 9 ..108
38
67
16
67.3 :71.i64.656.3,
*) Bei Berechnung der Sterblichkeitsverhältnisse sind die Unter-bindungen an Franzosen mit unbekanntem Ausgange von der Gesammt-zalü der Operirten in Abzug gebracht.
Bei 120 Unterbindungen mit 6O.7 -°- Sterblichkeit idie Angabe der Zeit nach der Verwundung. Wigrösste Zahl der Unterbindungen fällt somit auf die ? <3. Woche.
Verletzungen grösserer Schlagadern und dadurdudingte Primärblutungen führen ohne Zweifel bei 1wenngleich massigen 1 ) — Anzahl von VerwundiTod durch Verblutung schon auf dem Schlachtfelde 1Es ist aber eine allen Kriegschirurgen bekanntesache, dass die grösseren Schlagadern vermöge i]und Elastizität den Geschossen ausweichen und dies 1so mehr überall da, wo der lockere Zusammenhangder Nachbarschaft der Beweglichkeit des Gefägrösseren Spielraum gestattet. So dringt das Geszwischen der Schlüsselbeinpulsader und dem ArmgeWhindurch, ohne erstere zu verletzen. Gefährdetergegen beispielsweise die gemeinsame Beckenscnliwelche mit ihrer Umgebung durch festere Anheftuunbundeu und dadurch am Ausweichen behindert ist. 2 )sind während des Deutsch-Französischen KriegesVerletzungen der Gliedmaassen beobachtet, in welcr.Schusskanal genau in der Bahn der grossen Gefässsverlief und sich Merkmale von Arterienverwundunge«in sehr wenigen Fällen zeigten. Indessen erfordert es JVorsicht, bei solchen Verletzungen stets au die Mogln»einer Gefässverletzung zu denken: sei es, dass bei bliiSchusskanälen die Kugel durch ihren Druck auf 1 |dieses beschädigt, sei es, dass bei gleichzeitig bestSplitterbruch ein Knochenstück schliesslich die Schlagdurchbohrt.
Ja es kann die Arterie durch die Kugel so'zerrt werden, dass nichts weiter als die Innen«zerreisst. An den Rissstellen bilden sich erst waund später fortgesetzte Gerinnsel, bis das Gefass mEine einschlägige Beobachtung veröffentlicht H. Fi(Kriegschirurgische Erfahrungen S. 121).
Ein Mann wird in der rechten UnterschlüsselbeJjajverletzt. Er blutet sofort aus Eingangs- und Ausgangs»Puls am rechten Arm nicht zu fühlen. Gefühllosigkeit desajLähmung der Finger. Pneumothorax. Tod am 14.Tagt»der Verwundung. Subclavia, Axillaris und Bracbialissich unverletzt und durchgängig.
x ) Vergl. hierzu Speziellen Theil dieses Bandes, S. 2.2 ) Wegen eines Falles von Verletzung dieser Arterie äSpeziellen Theil dieses Bandes, S. 611.