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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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III. Abschnitt: Unterbindungen grösserer Schlagadern.

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Dritter Abschnitt,Unterbindungen grösserer Schlagadern.

I. Allgemeines.

Gegenstand der nachfolgenden Erörterungen sind ledig-icb diejenigen Unterbindungen, welche einen unmittel-ir en und selbstständigen Eingriff in grössere Gefäss-Inen darstellen, also mit Ausschluss derjenigen, welchei nflBseren Operationen stets sich als nothwendig erweisen.Von Unterbindungen der ersteren Art sind 380 mit62.6 S Todesfällen bei Deutschen und 129 mitSl = ii2.8 £ Todesfällen bei den in Deutschen Sanitäts-italten behandelten Franzosen, 1 ) im Ganzen also 5091319 = 62.7 g Todesfällen, im V. Bande dieses Berichtes1 573 bis 634) mitgetheilt 2 ) und in den Tabellen I undXIX der Operationsstatistik zusammengestellt. Alle dieseLrriffe wurden nach Verwundungen durch Kriegswaffentemomuien.

Ausserdem werden in Tabelle I und XXI derIperationsstatistik noch 8 Unterbindungen (mit 4 Todes-llen) bei Deutschen nach anderweitigen VerletzungenI im V erlaufe von Krankheiten aufgeführt. Dieseperationen sind im Nachfolgenden mit berücksichtigt.

Nicht selten sind nach Verwundung durch Kriegswaffenlekere Unterbindungen in verschiedenen Abschnittenines Gefässbezirkes an einem und demselben Verwundetenithig geworden. Im V. Bande dieses Berichtes ist jedekeine dieser Unterbindungen in der betreffenden Gruppeführt mit jedesmaligem Hinweis auf die anderweitigek&ihlung. Die darauf gegründeten obigen Zahlen für'nterliindungs-Operationen sind daher grösser als dieAn der Operirten. Wird jeder Operirte nur einmalbhlt, so ergiebt sieb, dass Unterbindungen vorgenommen

358 Deutschen (darunter 224

120 Franzosen ( 72:

62.2$ Gestorbene),60.o Gestorbene und12 = lO.o mit unbekanntemAusgang).

«minc 478

(darunter 296 = 61.7 § Gestorbene und12 = 2.5 mit unbekanntemAusgang).

1 Bei 1-2 Franzosen ist der Ausgang unbekannt.

) Nicht alle Einzelheiten, auf welche im Nachstehenden Bezug

jnommen wird, sind in den Krankengeschichten des V. Bandes

tgetheilt; die dort nicht erwähnten finden sich in den daselbst bei

einzelnen Krankengeschichten angegebenen litterarischen Quellen.

»MUts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. TheiL

Von 433 Unterbindungen, bei denen der Ort derVornahme bekannt ist, kamen 274 (mit 180 = 65.7 j| Todes-fällen) auf dem Kriegsschauplätze, 159 (mit 93 = 58.i $Todesfällen) in Lazarethen des Inlandes zur Ausführung.(Vergl. Tabelle XXII der Operationsstatistik, S. 96*.)

Im Ganzen (bei Deutschen und Franzosen zusammen-genommen) ist in der Wunde 54 mal mit 61-£, amStamme 321 mal mit 66.5 £ Todesfällen unterbundenworden. Bei 134 Unterbindungen mit 60 g Sterblichkeitfehlen hierüber nähere Angaben. Aber selbst wenn vondiesen letzteren noch die grössere Hälfte in die ersteGruppe gerechnet wird, steht doch so viel fest, dass diegrösseren Arterien im Deutsch-Französischen Kriege nochebenso wie in früheren Feldzügen unverhältnissmässighäufiger am Orte der Wahl als in der Wundeunterbunden sind.

Hunter's Lehre von derUnterbindung am Orte derWahl" hat bis tief in unser Jahrhundert hinein die Auf-fassung nicht weniger Aerzte beherrscht und geradebei der Behandlung der Schusswunden eine wichtige Rollegespielt. Dass zur Zeit des Deutsch-Französischen Kriegesdie Meinungen der Chirurgen über den Werth der Unter-bindung in der Wunde und am Stamm noch getheiltwaren, ist schon vorstehend auf S. 46 erörtert. Aberauch ein so hervorragender Kriegschirurg wie v. Beckhat es erfahren müssen, dass seine Empfehlung,oberhalbder Hauptäste des Gefässes zu unterbinden", Nach-blutungen nicht ausschliesst, ganz abgesehen davon, dassdie Unterbindung am Stamme die Gefahr neuer Ligatur-blutungen birgt. So traten unter 27 Carotisuuterbindungenbei 4 Operirten Blutungen aus der Unterbindungsstelle ein,und unter 22 Unterbindungen der Iliaca externa gaben6 mal Ligaturblutungen der -Schenkelschlagader denAnlass zur Unterbindung; 2 mal haben Ligaturblutuugenzur Unterbindung der Subclavia genöthigt, und nach18 Unterbindungen der Femoralis (unter 262) tratenBlutungen aus der Ligaturstelle ein. Als besonderslehrreich sei unter vielen ähnlichen Fällen nur der folgendeherausgegriffen:

Ein Ostpreussischer Musketier erleidet am 27. November1870 einen Schussbruch des rechten Unterschenkels. Unmittel-bar nach der Verwundung starke Blutung aus der Art. tibialisantica, die sich alsbald wiederholt. Nach erfolglosem Versuche

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