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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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1 III. Allgem. Theil.

I. Abschnitt: Gliedabsetzungen und Gelenkaüssägungeü.

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ee unter Friedrich dem Grossen. Schmucker theilte diejschauungen Bilguer's. Friedrich der Grosse sah sich da-trch veranlasst, die Vornahme von Gliedabsetzungen im Feldeverbieten, so lange nicht Brand der Glieder sich einge-teilt habe.

Die überall, insbesondere auch in England in den Lehrenbin Hunter's, um die Mitte des 18. Jahrhunderts hervor-[tretene Strömung zu Gunsten der Spätamputationen erhieltich ohne entscheidenden Widerspruch bis gegen Ende deskhunderts als die herrschende. Einen allgemeinen Umschwung

Meinungen bewirkte erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts

i Ansehen Larrey's, der, auf reiche Kriegserfahrung sichätzend, entschieden auf die Seite der Anhänger der Früh-»putation trat. Auch die beiden bedeutendsten Englischenlilitärchirurgen der Napoleonischen Zeit, Guthrie und Johnlennen, kamen unabhängig von einander zu den nämlichen

nndsätzen. Nimmt man dazu, dass die Ansichten E. M.genbeck's und E. F. v. Graefe's nicht erheblich vonneu der angeführten Schriftsteller abwichen, so sieht man zu

ifang des 19. Jahrhunderts eine Uebereinstimmung betreffsGliedabsetzungen nach Schussverletzungen überhaupt undkbesondere hinsichtlich der Frage betreffs der Primär- undikundär - Gliedabsetzungen unter den kriegschirurgischen|brern hergestellt, die zur Genüge den nachhaltigen Einfluss

Reiben auf die folgende Generation erklärt.

Mit Larrey 1 ) waren die maassgebenden Kriegschirurgenler Zeit im Allgemeinen über folgende Anzeigen für die»fortige Gliedabsetzung einig:

1. Abreissung eines Gliedes durch grobes Geschoss.

2. Ausgedehnte Zerschmetterung der Knochen des GliedesBt Zerreissung und Quetschung der Weichtheile in der Tiefe

Inrch Geschosse jeder Art.

3. Bedeutende Zerstörung der Weichtheile mit gleich-tiger Zerreissung der Hauptgefässe und Nerven durch Ge-nosse jeder Art, auch ohne Knochenbruch.

I Zertrümmerung der Knochen des Gliedes und starkektscbung der Weichtheile ohne Verletzung der Haut durchtte Kugeln.

Gelenkwunden, besonders der grösseren Gelenke, durchäse jeder Art, wenn die Gelenkbänder zerrissen und dieflenknächen zerschmettert sind.6. Schussbrüche durch Gewehrkugeln mit ZerreissungHauptarterie des Gliedes.

Ke meisten bedeutenden Kriegschirurgen betonten, dass»e allgemeinen Grundsätze nur eine ungefähre RichtschnurBeben können, dass in einzelnen Fällen die Erfahrung ent-leiden müsse; fast alle machten ferner einen Unterschiedpichen den oberen und unteren Gliedmaassen und gestanden

primären Gliedabsetzung insbesondere eine BerechtigungI bei vielen Oberschenkelschussbrüchen ohne Komplikation;Weich waren sie sich der Gefahr des Zögerns bei Unter-fienkelschussbrüchen wohl bewusst. Man war ferner darüber"gi dass die nach obigen Lehren als nothwendig erkannten«rationen frühzeitig, d. h. zu machen seien, sobald sich derRundete von dem Schock erholt habe.

Gleichzeitig wurden zeitliche Grenzen für beide GruppenGhedabsetzungen gezogen: Primäre (immediates oder

totives) nannte man alle in den ersten 24 bis 48 Stunden«enihrten Gliedabsetzungen; sekundäre (consecutives oderwes) die von der 3. Woche nach der Verletzung ab vorge-

I Vergl. Larrey, Memoires de Chirurgie etc. Aus demhaschen übersetzt. Leipzig, 1813 (Abhandlung über Ampu-

toiM , S. 358 bis 397).

nommenen; in der Zwischenzeit, in welcher Entzündung undInfiltration der Weichtheile bestehen, sollte man nicht absetzen.Sowohl in der Benennung der Operation eines ersten undzweiten Zeitraumes als auch in der Begrenzung der Zeiträumeist man in der Folge vielfach auseinander gegangen, und dieserUmstand hat nicht wenig dazu beigetragen, die Verständigungzu erschweren.

Während bis dahin hauptsächlich theoretische Erwägungenund die Erfahrung des Einzelnen zur Entscheidung der Frageherangezogen worden waren, gab zuerst Guthrie umfassenderestatistische Zusammenstellungen, die in der Folge von Baudens 1 )und namentlich von Malgaigne vermehrt wurden. Mit derStatistik wurde in die Erörterung der in Rede stehendenFrage etwas wesentlich Neues hineingetragen, welches die Aus-sicht auf eine abschliessende Entscheidung eröffnete, zunächstaber freilich dieser Erwartung wegen Mangels wahrhaft ver-gleichsfähiger Zahlen nur sehr ungenügend zu entsprechen ver-mochte. 2 )

Der anscheinende Abschluss, den zu Anfang des19. Jahrhunderts als Ergebniss der Napoleonischen Feldzügedie Amputationsfrage überhaupt, insbesondere die Erörterungüber den Werth der primären Gliedabsetzung gegenüber dersekundären gefunden hatte, Hess sie im Wesentlichen ruhen,bis zu den Februar- und Junitagen des Jahres 1848, nachdemDupuytren anlässlich der Ereignisse von 1830 sich wieder,auf Zahlen gestützt, für die sofortige Vornahme der Glied-absetzung ausgesprochen hatte. Die Verhandlungen derAcademie nationale de medecine und die an die Ereignissevon 1848 anknüpfenden Vorträge der Professoren der Chirurgiezu Paris 3 ) geben Zeugniss davon, dass inzwischen der Schwer-punkt der Erörterungen eine Verschiebung erfahren hatte.Velpeau sagte nach Besprechung der alten Preisaufgabe derAkademie:Die Frage wurde in neuerer Zeit besser gestellt;man fragte sich, ob es bei einer schweren Verletzung besserist, die Erhaltung des Gliedes zu versuchen, oder nur dahin zustreben, das Leben des Kranken zu erhalten, indem man dasGlied opfert." In demselben Sinne betrachtete sie Malgaigne,der Vertheidiger der ausgedehntesten erhaltenden Behandlung,während Roux, Baudens und Begin für die primäre Glied-absetzung, auch bei allen Diaphysenschussbrüchen mit Splitterungeintraten.

Seit Einführung der erhaltend-operativen Behandlung vonGelenkschusswunden, d. h. seit dem ersten Schleswig-Holstein-schen Kriege, hat die gesammte Frage wesentlich an Schärfeverloren. Seit dieser Zeit handelt es sich vorwiegend darum, obman primär amputiren oder erhalten, d. h. reseziren oder zu-wartend behandeln und damit die sekundäre Amputation inden Behandlungsplan aufnehmen soll. Die Deutschen Chirurgen,denen die nächste Kriegserfahrung zufiel, erstrebten gieichmässigeine Beschränkung der verstümmelnden Operationen überhauptund die frühzeitige Vornahme der als nothwendig angesehenenGliedabsetzungen. Stromeyer 4 ) nach den Erfahrungen von1848 bis 1850, Harald Schwartz 0 ) nach den Beobachtungen

!) Baudens, Clinique des plaies d'armes ä feu. Paris 1836.

2 ) Vergl. hierzu Richter, Ueber einige weitverbreitete Mängelin der kriegschirurgischen Statistik. (Archiv für klinische Chirurgie,Bd. XVI.)

3) Vergl. Wierrer, Neueste Vorträge der Professoren derChirurgie zu Paris u. s. w. Sulzbach 1849.

4 ) Stromeyer, Maximen der Kriegsheilkunst. Hannover 1855.

5 ) H. Schwartz, Beiträge zu der Lehre von den Schusswunden.Schleswig 1854.