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III. Kapitel: Grössere Operationen.
Band III. Allgem. T: I
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nach aussen in eine Fistel endigte, nach innen in eine hasel-nussgrosse, mit eitrigen Massen erfüllte, von granulirendemKnochengewebe umgebene Höhle führte. Von dieser nach untenein schmaler Gang, in welchem sich ein dünnes, fast 2 1 /-' cmlanges, überall angefressenes und von Eiter umspültes Knochen-stückchen befand. Von Anfang bis Ende fieberioser Verlauf.Am 10. September 1881 wird St. mit vollkommen fester Narbeentlassen. (Sanitätsbericht 1881/82, S. 114, No. 7.)
7. Bei einem Invaliden B., welcher am 21. Dezember 1870einen Schussbruch des rechten Unterschenkels dicht über demrechten Fussgelenk erlitten hatte, war dieses Gelenk vollkommensteif. Unmittelbar über beiden Knöcheln fanden sich Fistel-öffnungen, welche auf rauhen Knochen leiteten. Das Schien-bein und die Fusswurzelknochen waren in grosser Ausdehnungerkrankt, ausserdem bestand knöcherne Verwachsung desSprung- und Wadenbeines. Im Garnisonlazareth GumbinnenAbsetzung des rechten Unterschenkels in der Mitte am10. Juni 1883 durch St.-A. Heberling. Geheilt entlassen am15. Oktober 1883. (Sanitätsbericht 1882/84, S. 180, No. 57.)
8. H., verwundet bei Gravelotte am 18. August 1870 durchGewehrschuss. Im Februar 1887 wegen Osteomyelitis in dasGarnisonlazareth Breslau aufgenommen. Nachdem sich zwei-malige Ausmeisselung eines 12 cm langen, in eine Kloakemündenden Fistelganges im Schienbein unwirksam erwiesenhatte, am 21.Februar 1887 Absetzung am Unters chenkelan der Grenze zwischen oberem und mittlerem Drittel durchSt.-A. Wolf f. Vorderer grösserer und hinterer kleinererLappen. Esmarch'sche Blutleere. Drainage, antiseptischerJodoformverband. Fieberfreier Verlauf. Grösstentheils Heilungohne Eiterung. 2 kleine Taschen an den Drainöffnungenheilten rasch nach Spaltung, Heilung mit fester Narbe. (Sanitäts-bericht 1884/88.)
9. H., Zerschmetterung des linken Kniegelenks am 1. Fe-bruar 1871 durch Gewehrschuss. Nach 1'Ajähriger Behand-lung Heilung mit Verkürzung des Beines und Steifheit desKniegelenks. Später häufig Fisteln und Eiterung in der Gegenddes linken Knies. Im Juli 1887 mit Karies des Gelenks, Ver-kürzung des Beines um 13 cm, Abmagerung des Unterschenkelsund starker Spitzfussstellung in das Garnisonlazareth Königs-berg aufgenommen. Absetzung des Oberschenkels ander Grenze zwischen mittlerem und unterem Drittel am18.Junil887 durch O.-St.-A. Bobrick. Zirkelschnitt, Vertikal-naht, ein Drain, Sublimatgazeverband. Am 10. September 1887Entfernung einer Hautfalte an der äusseren Seite der Narbe durch2 Ovalärschnitte von 5 cm Länge. Heilung ohne Eiterung.Am 6. Oktober 1887 entlasen. (Sanitätsbericht 1884/88.)
10. G., Invalide. Im Jahre 1870 am rechten Unterschenkelamputirt. Konischer Stumpf; chronisches Geschwür an seinerSpitze, welches starke Schmerzen verursacht. Unmöglichkeit,eine Prothese zu tragen. Reamputation am Unter-schenkel, 5 cm oberhalb der früheren Absetzungsstelle am6. Juni 1887 durch St.-A. Hubbauer im Garnisonlazareth Ulm.Esmarch'sche Blutleere. Nach Abtragung der das Geschwürtragenden Hautfläche Vereinigung des vorderen und hinterenLappens. Heilung fast ganz ohne Eiterung. Am 30. Juni 1887mit schönem Stumpfe entlassen. (Sanitätsbericht 1884/88.)
Wegen der Häufigkeit und des Ergebnisses primärerund sekundärer Gliedabsetzungen bei Verwundungen durchArtillerie- und durch Gewehrgeschoss, desgleichen bei Ge-lenkwunden und Diaphysenbrüchen siehe vorstehend S. 210und nachstehend S. 231.
Trotz der obigen Belege für die besseren Ergebuiiprimärer Amputationen gegenüber den sekundären ersclejes im Uebrigen wohl möglich, dass man in einem künfdKriege am Tage der Verwundung und an den nachstiegden Tagen noch seltener Anlässe zu Gliedabsetzungen IIwird, als es 1870/71 seitens der Deutschen Aerzte gesweil die antiseptische Wundbehandlung nicht nur dielzeigen für Gliedabsetzungen überhaupt vermindert,auch die zeitliche Verlängerung eines primären Wlzustandes herbeizuführen und damit die früher mit \zögerter Gliedabsetzung verbunden gewesenen Gefahnwesentlich herabzusetzen vermag. Die früher soschaftlich erörterte Frage, wann amputirt werden scdamit wesentlich an praktischer Bedeutung verlorn Imindestens einen ganz anderen Sinn bekommen und iwahrscheinlich nach einem künftigen Kriege einer ]sprechung von veränderten Gesichtspunkten aus unterließGerade aber, weil der Deutsch-Französische Krieg indiafHinsicht einen Abschnitt zu bilden berufen ist, esltiJes angezeigt, an dieser Stelle die früher und namenttnin den letzten Jahrzehnten vor dem Deutsch-FranzcisisdJKriege') hinsichtlich der primären und sekundären Gliabsetzung aufgestellten Lehren zusammenzufassen.
Geschichtliche Uebersicht der Lehre betreffendprimäre und sekundäre Gliedabsetzung.
Die vorher ungeahnte Sicherheit, welche das cLirurgiscIjHandeln durch die Beherrschung von Blutungen gewann,weiterte alsbald nach Einführung der GefässunterbindungeniAnzeigen für Gliedabsetzung. Während bis dahin eine iartige Operation höchstens nach Eintritt von Brand (als letztes Mittel zur Lebenserhaltung zulässig erschienenscheute man schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts vor Am«tationen wegen Schussbrüchen mit Zerreissung der Weiclund der grossen Gefässe nicht mehr zurück. Die Fragidem besten Zeitpunkte der Operation war damit nahe;In der That wurde sie (namentlich von Duchesne)')!;?!^geworfen. Seitdem ist sie bis in die neueste Zeit hinein mlmehr von der Tagesordnung verschwunden und hat zeit«)geradezu den Brennpunkt der kriegschirurgischen ErörterMgebildet.
Nachdem in den Kriegen Ludwigs XIV. die frühzeitiAmputation unbestritten in ganz übermässiger AusdehnM'Äherrscht hatte, stellte im Jahre 1745 die Königliche Französi-jAkademie für Chirurgie eine Preisaufgabe folgenden Mlautes: „Wenn die Amputation für nöthig erachtet ist, ssie dann gleich unternehmen oder warten?" Mit Krönung<(Preisschrift von F aure, welche sich gegen die Frübamputatioilund für das Abwarten aussprach, gab die Akademie der WJ1Strömung gegen die Frühamputationen Ausdruck.
In Deutschland fand die Richtung Faure's ihre Haistütze inBilguer, dem Gen-eral-Chirurgus bei derPreusawj
!) Näheres über die Entwickelung der in Rede stehenden Fiin früheren Jahrhunderten siehe insbesondere bei Billroth, Histon-Studien über die Beurtheilung und Behandlung der Schnssx"]Berlin 1859; bei Richter, Allgemeine Chirurgie derSehussverletrim Kriege, Breslau 1877, S. 689 ff. und bei H. Fischer, "der Kriegschirurgie, Stuttgart 1882, S. 982.