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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Band III. Allgem. TheiL I

I

Fluktuation und Gasanhäufung im Gelenk, Eiterung an dervorderen Seite des Oberschenkels. Am 23. August wurde durchmehrere Einschnitte jauchige mit Blutklumpen gemischte Flüssig-keit entfernt. Am 24. August Verfall, die ganze Oberschenkel-muskulatur hart und starr; die Infiltration schritt weiter nachoben fort, der Verfall nahm zu. Tod am 25. August 1870Abends. 1 )

12. E. G., Französischer Lieutenant, verwundet am 4. August1870: 5 Schussverletzungen. Aufgenommen am 10. August(Lazareth Weissenburg). Anfangs Jauchung, dann reinigtensich alle Wunden. Während die übrigen viel schwereren Ver-letzungen guten Verlauf zeigten, ging am 26. August von einerWeichtheilwunde an der Hinterbacke unter lebhaften Schmerzenund hohem Fieber die brettharte Infiltration der Umgebung aus.Die Wunde wurde missfarbig, es bildeten sich Brandblasen.Trotz aller Eingriffe schritt die Infiltration unaufhaltsam weiterund führte am 2. September zum Tod (Czerny).

13. Sächsischer Hauptmann im Offizier-Lazareth Mann-heim: Schuss durch das linke Ellenbogengelenk, welches 1866schon eine Schussverletzung erlitten hatte, wonach Lähmungdes Ellennerven zurückgeblieben war. Drei Wochen langguter Verlauf, dann unter Fieber Schwellung und Röthung desGelenks, deshalb Resektion vorgenommen. Am folgenden Tagewar der ganze Oberarm dunkelroth und ganz bretthart, dieWunde sonderte nur wenig Serum ab. Verfall. Am nächstenTage Brand mit Blasenbildung am Oberarm. Auslösung desOberarms. Tod nach 24 Stunden. 2 )

14. J. B., verwundet am 3. Dezember 1870 vor Paris:Gewehrschuss durch den rechten Arm mit Eröffnung des Ellen-bogengelenks. Am 4. Dezember 1870 im Feldlazareth zuPlessis-Bouchard grosse, pralle Blutgeschwulst; am 6. Dezember1870 hohes Fieber, immer stärkere Schwellung des Armes; akutpurulentes Oedem. Tod am 8. Dezember 1870. 3 )

15. A. B., verwundet am 30. November 1870 bei Beaunela Rolande: Gewehrschuss durch das rechte. Ellenbogengelenkvom Speichenköpfchen zum Hakenfortsatz. Am 30. November1870 im Feldlazareth zu Puiseaux grosse Blutleere; am 5. De-zember 1870 hohes Fieber; 10. Dezember akut purulentesOedem bis zur Achsel. Erschöpfung und Tod. 4 )

16. P. B., verwundet am 19. Januar 1871 bei St. Quentin:Schussbruch des rechten Unterarms. Eisbehandlung. Untersehr hohem Fieber entwickelt sich dunkelbraune Infiltrationdes ganzen Armes; akut eitriges Oedem. Am 26. Januar1871: Dasselbe schreitet fort. Tod am 26. Januar 1871. 5 )

17. H. E., verwundet am 29. August 1870 bei Nouart:Gewehrschuss in die Weichtheile des linken Unterschenkels imoberen Drittel. Nach mehreren beträchtlichen Blutverlusten am4. September heftiger Schüttelfrost.Im Laufe weniger Stundenwurde der Unterschenkel von ödematöser Schwellung befallen,welche so rasche Fortschritte machte, dass am 5. SeptemberMorgens das ganze Bein stark geschwollen und hartanzufühlen war; ausserdem entwickelte sich neben missfarbigemAussehen und Jauchen der Wunden Emphysem unter der Hautam Unterschenkel. Hohes Fieber und fortwährendes Irrereden.Am 6. September war die Haut des Unterschenkels stellenweise

!) Vergl. Billroth, Chirurgische Briefe.

2) Vergl. III. Bd., Spez. Th., S. 664, Spalte 2.

3 ) Vergl- ebendaselbst, S. 715, No. 193.

4 ) Vergl- ebendaselbst, S. 715, No. 194.») Vergl- ebendaselbst, S. 962, No. 259.

in mit Blut und Jauche gefüllten Blasen abgehoben undAWilin grosser Ausdehnung schwarzgrün gefärbt. In den nächstnl24 Stunden erreichten Emphysem und Blasenbildung denBautJum am 8. September bis zur Achselhöhle vorzudringen. Gleiulzeitig hiermit wurde die Haut des ganzen Beines, sowie 1grosser Ausdehnung auch die linke Runipfhälfte in Folge ij,lBrandes schwarzgrün, Abends 6 Uhr trat der Tod ein." 1 ]

18. Vizewachtmeister: Weichtheilschuss durch linken0Schenkel bei einem Rekognoszirungsritte. Nach zweistündigRitte, während dessen er der Wunde wenig Beachtung!schenkt hatte, schwoll der Schenkel stark an. Lazaretaufnähme. Zwei Tage später: Schenkel über das Doppelte«schwollen, gespannt, bläulich, der Perkussionsschall deutitympanitiseh, beim Druck mit dem Finger Knistern zu fülltDabei war der Puls klein, frequent und das Aussehen ]Jkräftigen Mannes sehr verfallen. Durch grosse Einschmltjwurden viele lufthaltige, stinkende Blutgerinnsel entleert,«kein grösseres Gefäss blutete, und auch in der Folge traten keiwjBlutungen auf. Es wurde ein einfacher Charpieverb;gelegt; am nächsten Morgen war das Bein etwas abgeschwolleijAbends stellte sich Irrereden ein, und sehr bald erfolgte da|Tod. 2 )

19. F. Gh., vom Holsteinschen Infanterie-Regiment No.'verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte: Schuss in drechten Oberschenkel. Der Einschuss befindet sich im unten^Drittel, ein kurzer Schusskanal nach oben führt nicht auf IKugel. Ruhr. Aufgenommen im Lazareth zu Remilly24. August 1870. Allmählich entstand eine Anschwellung Ider Innenseite des Schenkels nach unten ohne erheblitiSchmerzen, welche ohne bedeutendes Fieber (Abends 38.s D C|zunahm. Am 4. September: Anschwellung innen unten iSchenkel, deutlich tympanitischer Schall beim Beklopfen. De*liches Knistern in Ausdehnung der Anschwellung. Ein Pschnitt entleert mit Luftblasen gemischte bräunliche FhisikjDie Kugel, sehr verunstaltet, findet sich in einer grossen 1die durch die blossgelegten Adduktoreu gebildet wird. \44. bis zum 7. September tritt unter hohem Fieber eine Merhebliche Anschwellung des ganzen Ober- und Unterschenkelein, überall Emphysem fühlbar, starke Jauchung. Tod untfzunehmendem Verfall, ohne vorhergegangene Blutung. Sekt«12 Stunden nach dem Tode (die Leiche hat nur über Nilbei kühlem Wetter gelegen):

Ausserordentlich starke Anschwellung des recht. Iund Unterschenkels, beim Einschneiden sind die Muskeln 1stark ödematös und emphysematös und nur in der luigcl»»der faustgrossen Höhle in massiger Ausdehnung VerjauchuBder Muskeln, die in eine schwarz-braune, sehr übelrieschmierige Masse verwandelt sind. Knochen nebst Behü»|unversehrt. Hochgradige Fäulniss der ganzen Leiche, grosemphysematöse Milz und Leber. Keine pyäinischen Herde. 'Dickdarm in Heilung begriffene Ruhrgeschwüre. )

20. Ulanen-Unteroffizier, verwundet am 16. August llFliutensehuss ins Schultergelenk. Der Wunde wurde vomtjletzten wenig Sorgfalt gewidmet. Am 28. August Aussagt 1des Schultergelenks. Trotz der angerathenen Ruhe ging«Operirte am Nachmittage im Garten spazieren und WAbends einen excessus in baccho. Am 2. September specbi

i) Vergl. III. Bd. Spez. Th., S. 1137, No. 31.

2 ) Vergl. Militärärztliche Zeitschrift, Jahrgang 1872, S. 261.

3) Vergl. ebendaselbst, Jahrg. 1872, Bd. I, S. 261.

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