Band III. Allgem. Theil.
IV. Abschnitt: Akut purulentes Oedera.
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ach in den Fällen 6 und 7 die Amputation und in den>n 13 und 24 die Exartikulation. Den Schwerpunkt[der heutigen Behandlung muss man in eine antiseptische
Wundbehandlung verlegen, durch welche Infektion ver-hütet und ein normaler Heilungsvorgang verbürgt erscheint.
Kasuistik.
1. J., Einjährig-Freiwilliger vom 1. Garde-Regiment zuFuss, verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte: Schuss
Jinrch das untere Drittel des rechten Oberarms mit StreifungMes Knochens. Aufgenommen am 21. August Abends ins Ba-■sckenlazareth Forbach mit sehr fest und unzweckmässig liegen-Idem Verband, der sofort entfernt wurde. Am 22. August grosse■Unruhe, Durst, Diarrhöen, Arm ausserordentlich geschwollen,lus, glänzend, an einzelnen Stellen grosse mit gelblichem(Serum gefüllte Blasen; es wurden zahlreiche tiefe EinschnitteIrorgenommen. Am 23. August zunehmender Verfall, derProzesspuf Schulter und rechte Seite der Brust fortgeschritten, grossepicke der Baut brandig. Hohe Amputation. Abends 6 Uhrlod. (H. Fischer.)
2. H. K. vom 2. Schlesischen Grenadier-Regiment No. 11,Jerwundet am 18. August 1870: Schussbruch des linken Ober-
im unteren Drittel. Bei der Aufnahme ins Knappschafts-Lazareth zu Neunkirchen war der Verwundete bereits sterbend.fosserordentlich pralle Geschwulst des ganzen Armes, an ein-leben Stellen Brandblasen. K. bot das Bild eines in der Agoniea Cholerakranken. Aufgenommen am 20. August, Tod(im 21. August. (H.Fischer.)
D. L. W. vom 6. Brandenburgischen Infanterie-Regimentlo.52, verwundet am 16. August 1870: Schussbruch des linkenIberarms im oberen Drittel. Aufgenommen im Knappschafts-Uzareth Neunkirchen am 18. August mit schlecht sitzendemIjpsverband, der sofort entfernt werden musste wegen enormer|tbellung des Armes. Diese nahm in den nächsten Tagenzu, es traten Brandflecke auf. Bei lebhaftem FieberK er Verfall. Tod am 24. August. (H.Fischer.)
4. F. S. vom 4. Garde-Regiment z. F., verwundet am•August 1870: Schussbruch des linken Schulterblatts undchlüsselbeins. Aufgenommen am 25. August im Lazareth Zieh-«i Lunge anseheinend unverletzt; Knochensplitter entfernt.'gingbereits, den Arm in Binde tragend, umher. Am 6. Septem-» Nachmittags Wunde belegt, Arm stark geschwollen, Pulsl«n, starker Schweiss. In wenigen Stunden bedeutende Ver-iklimmerung. Schwellung des Armes gewaltig zugenommen,M den Rücken übergegangen. Haut wachsgelb, wie polirt.I Einschnitten entleert sich fast kein Tropfen Blut, das ganzeWebe speckig anzusehen. Am selben Abend noch Tod.')
">< 0. v. B., Oberstlieutenant, verwundet am 1. Sep-uer 1870 bei Metz: Schussbruch des rechten Schultergelenks,«genommen am 3. September (Stummsches Gartenhaus-Laza-"■>)■ Übelriechende Wundabsonderung, Fieber. Am 6. Sep-_""herAussägung des Oberarmkopfes; am 8. September verlässt«wanke stundenlang das Bett. Am 10. September ödematöseTeilung des Armes, lebhaftes Fieber. 11. September deut-
') Vergl. Iü. Bd., Spez. Th., S. 692, No. 112.
liehe Erscheinungen des akut-purulenten Oedems, am 12. Sep-tember Morgens Tod. 1 )
6. H. W., vom 3. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 16,verwundet am 16. August 1870: Weichtheilschuss am rechtenOberarm. Aufgenommen am 20. August (Lazareth Ziehwald).Am 21. August Kugel ausgeschnitten, am 26. August Unter-bindung der Armschlagader wegen mehrfacher Blutungen. Estraten dann keine Blutungen mehr auf, doch allmählich zu-nehmende Schwellung des Armes, dessen Haut marmorblasserschien. Sehr schlechtes Allgemeinbefinden. Am 7. SeptemberBrandflecke, deshalb hohe Amputation des Oberarms, amAbend Tod.
7. F. P., verwundet am 18. August 1870: Schusswundeim oberen Drittel des rechten Unterschenkels. Aufgenommenins Lazareth zu Heinitz am 24. August mit tiefer Phlegmonein der Umgebung der Wunde. Am 26. August werden dieWunden erweitert, mehrere Jauchehöhlen eröffnet, Gegen-öffnungen angelegt und drainirt, zugleich die Chassepotkugelentfernt. Das Fieber bestand fort, am 30. August pralles Oedemdes Beins bis herauf zur Mitte des Oberschenkels, schwererVerfall. Sofort Amputation des Oberschenkels über der Mitte.In den nächsten Tagen kleine Nachblutungen, am 2. Septemberödematöse Schwellung des Amputationsstumpfes; nach Lösungder Nähte entleert sich Eiter mit zersetztem Blut gemengt.Das Oedem nimmt weiter zu, kalter Schweiss, grosse Schwäche.Tod am 5. September.
8. P., vom 67. Französischen Linien-Regiment, verwundetam 6. August 1870: Schussbruch des rechten Oberarms. Auf-genommen am 12. August. Eitrig-Ödematöse Durchtränkungdes ganzen Armes und der linken Rumpfseite, unaufhaltsamfortschreitend. Tiefer Verfall. Brandblasen am Rücken. Todam 22. August 1870. (H. Fischer.)
9. D., verwundet bei Spicheren am 6. August 1870: Schussdurch die linke Wade, am rechten Bein weite Eröffnung desFussgelenks mit grossem Defekt an der Einschussöffnung. Auf-genommen am 13. August (Lazareth Heinitz) mit jauchigerEiterung. Am 17. August Amputation des rechten Unter-schenkels im oberen Drittel. Während der Amputation Schüttel-frost, Abends hohes Fieber. Am folgenden Tag hochgradigerVerfall, galliges Erbrechen, mehrere dünnflüssige Stühle. Dasganze rechte Bein prall ödematös geschwollen, blass, kühl, un-empfindlich. Die Amputationswunde sieht blauschwarz brandigaus, knistert emphysematös. Tod am 18. August Abends.
10. M. B., vom 63. Französischen Linien-Regiment, ver-wundet am 6. August 1870 bei Saarbrücken: Schussbruch desrechten Oberarms. Aufgenommen am 13. August (LazarethHeinitz) mit purulentem Oedem des Armes; bereits Brandblasen.Hohes septisches Fieber. Am 17. August Amputation des Ober-arms im oberen Drittel. Langsame Heilung, am 21. Septembergeheilt entlassen. (H. Fischer.)
11. Chr.N., vom 1. Nassauischen Infanterie-Regiment No. 87,verwundet am 4. August 1870 bei Weissenburg: Knieschuss mitEröffnung der Kapsel ohne Knochenverletzung, Eingangsöffnungnach aussen von der rechten Kniescheibe. Aufgenommen am8. August (Lazareth Weissenburg). Am 13. August stärkereSchwellung und Schmerzhaftigkeit mit hohem Fieber; bei derUntersuchung Entfernung des Geschosses, das unter dem Knie-scheibenbande lag. Das Fieber dauerte fort, am 16. August
'-) Vergl. V. Bd., S. 427, No. 10 und III. Bd., Spez. Th., S. 664,Spalte 2.