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II. Kapitel: Wundkrankheiten.
Bandlll. Allgem.l
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zuweilen zeigt dieselbe eine leichte Bronzefarbe, keinSchmerz, sondern Gefühllosigkeit, feucht und kühl, vonerweiterten Venen durchzogen, die Bewegung erlischt,schnell treten emphysematöses Knistern, Brandblasen undgrosse, beständig und äusserst rasch zunehmende schwarzeFlecken in der Haut auf; der Kranke verfällt in die tiefsteIchorhämie, welche ganz das Bild der cholera asphycticadarbietet, und stirbt nach wenigen Tagen".
Von einem plötzlichen oder schnellen Entstehen desOedems finden sich in der Kasuistik mehrere Beispiele. ImLaufe einiger Stunden, heisst es in der Krankengeschichte 17,wurde der Unterschenkel von ödematöser Schwellung befallen,welche so rasche Fortschritte machte, dass anderen Morgensdas ganze Bein in Mitleidenschaft gezogen und hart anzu-fühlen war. Die nachstehenden Krankengeschichten No. 7,9 und 18 sprechen sich in ähnlichem Sinne aus. Indessenwar, wie aus den Fällen 6, 14, 19, 21, 24 hervorgeht, einelangsame resp. allmähliche Ausbildung des Haupt-symptoms der Erkrankung ebenso häufig.
Hohes Fieber, bedingt durch die Wundbeschaffenheit,ging in manchen Fällen (11, 14, 15, 16) dem Oedem voran,in anderen (5, 12) begann es oder (3, 10) verlief damit.Die Beobachtung 24 bezeichnet die Temperatursteigerungals massig, und im Falle 19 nahm anfangs die Schwellungohne bedeutendes Fieber (Abends 38.5 ° C.) zu, späterhinaber, als Jauchung und Emphysem die Lage verschlechterten,wuchs auch die Eigenwärme. Nähere Angaben über denAblauf des Fiebers sind diesseits nicht bekannt geworden.Zweimal (9, 17) wurde die Erkrankung durch Schüttel-frost eingeleitet. Der Puls war im Falle 4 „klein" undim Falle 18 „klein und frequent".
Als Ausdruck allgemeiner schwerster Infektion müssendie bei den Kranken 17, 18, 20 beobachteten Delirienund die heftigen Verdauungsstörungen, Erbrechen undDurchfall, welche im Falle 1 und 9 auftraten, angesehenwerden.
Ueber lebhaften Schmerz an der befallenen Körper-stelle wurde zweimal (No. 11 und 12) geklagt; ebenso oftwar eine übermässige Empfindlichkeit nicht nachzuweisenund einmal (No. 10) sogar Unempfindlichkeit der ange-schwollenen Theile vorhanden.
Fischer (a. a. 0.) konnte „das Fortkriechen desProzesses von Stunde zu Stunde verfolgen, es deutete sichimmer durch eine ödematöse, blasse Schwellung, nichtselten auch schon emphysematöses Knistern an". Er sah„denselben vom Arm nur in 1 bis 2 Tagen über die ganzeKörperhälfte fortschreiten". Bei einem seiner in dieKasuistik aufgenommenen Kranken (1) verbreitete sichdie Anschwellung vom unteren Drittel des Oberarms aufSchulter und Brustseite, bei einem zweiten (4) vomSchulterblatt auf den ganzen Arm und den Rücken, beieinem dritten (8) vom Oberarm sowohl nach abwärts derExtremität entlang als nach aufwärts über die ganzeRumpfseite. Eine gewaltige Ausdehnung erlangte der
Prozess im Falle 17, in welchem vom Unterschenkel inicht bloss das ganze Bein, sondern auch der Bauchtweiterhin die ganze Seite bis zur Achselhöhle errijwurden.
Der zeitliche Eintritt des akut purulenten 0erfolgte nach der Verwundung bezw. Operation14 Fällen 2 mal am 1., 2 mal am 4., 1 mal am 5., Uam 6., je 1 mal am 10., 12., 13., 17., 20., 21. und22.T>jJin den übrigen 10 Fällen lässt sich die Zeit nicht geibestimmen.
Die Vorhersage war äusserst ungünstig, woraufuauch nach früheren Erfahrungen gefasst sein uiusste. ij24 Kranken starben 22, geheilt wurden 2. Bei 13 tstorbenen fiel der Todestag 3 mal auf den 1., 2 mal iden 2., 3 mal auf den 3., 1 mal auf den 4., 2 mal anfl5., je 1 mal auf den 6. und 7. Krankheitstag; die ani9 Beobachtungen geben darüber keine bestimmte Auskidoch geht aus den vorhandenen Angaben zur Genüge kjvor, dass auch bei ihnen das fortschreitende Oedem zumsehr schnell tödtlich verlief, noch ehe es zur jauchi|Eiterung und zum Brande gekommen war. Unter 4tischen bezw. pyämischen Erscheinungen trat bei 2 Km(No. 21 und 23) der Tod ein.
Allerseits wurde die Ohnmacht der Behandlungerkannt. Einschnitte und Spaltungen, selbst sehrzeitig vorgenommene und mit desinfizirenden Ausspüluiverbundene Entfernungen von Kugeln und Knochensplittvermochten fast niemals den Verlauf der Krankheit aulhalten, soviel man auch versuchte, durch kräftigende ianregende Behandlung den Körper widerstandsfähiger imachen. Angesichts dessen entschloss man sich wiederlHilfe auf operativem Wege zu schaffen und durch ISetzung des Gliedes bei Gliedmaassenverletzung den Kranlzu retten; allein, sei es, dass der Entschluss zu spät 1sei es, dass die Verwundeten bereits in hoffnungslosem lstände den Berichterstattern zugingen, auch diese ilaaregel versagte bis auf eine Ausnahme. Diese betraf &\Franzosen (10), welcher, bei Saarbrücken verwundet,13. August 1870 dem Lazareth Heinitz mit einem Scha^bruch des rechten Oberarms zuging. Bei der Aufnalibot sich das Bild des purulenten Oedems dar, diedes Armes war in Brandblasen aufgenommen, es bestaihohes septisches Fieber. Am 17. August nahm Fiscl^die Absetzung des Oberarms im oberen Drittel vor,21. September konnte der Kranke geheilt entlassen wmDer andere geheilte Fall (22) wurde von v. Langen»«]mitgetheilt. Es handelte sich um einen Offizier, welalam 18. August 1870 eine Zerschmetterung des Oberanim oberen Drittel erlitten hatte. Nachdem am 16. Septetdie A ussägung des Oberarmkopfes gemacht wordenentstand 6 Tage später bei einfacher Lagerung eine 1harte speckige Anschwellung der Gliedmaasse und weite*eitrige Infiltration. Nach ausgedehnten Einschnitten iBesserung und später Genesung ein. Vergeblich errt