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II. Kapitel: Wundkrankheiten.
Band III. Allgeir
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zu fauliger Zersetzung, wodurch Emphysem und Schwellungentstehen, und führt auf diese Weise oft rasch zum Tode.Die entzündliche Infiltration hatte er in jener besonderenForm, in welcher sie die sämmtlichen Weichtheile als einefeste, harte, speckartige Masse durchsetzte, das Glied biszum Dreifachen seines Volumens verdickte und bretthartmachte und den Blutumlauf in den Geweben unterdrückte,bis dahin nur bei Schussbrüchen der oberen Gliedmaassenbeobachtet. Diese zweite Art der Erkrankung war ent-weder in Brand oder in Eiterung — dies gleichbedeutendmit akut purulentem Oedem — oder in Pyämie ausge-gangen.
Wenn es sich, wie von manchen Seiten vermuthetwird, bestätigen sollte, dass dieselben Bazillen, welchenach Koch das von ihm sogenannte „maligne Oedem"bei Thieren erzeugen, auch für die akut verlaufendenbrandig-septischen Wundphlegmonen verantwortlich sind,so würde es am zweckmässigsten erscheinen, diese Be-zeichnung einheitlich für die in Kede stehende Wund-krankheit in Gebrauch zu nehmen. Von Ehrlich undBrieger 1 ) wurde nach Einspritzung von Moschustinktur mitPravazscher Spritze in den Oberschenkel bei 2 Typhus-kranken eine rasch zunehmende Anschwellung des ver-letzten Beines mit krepitirendem Knistern bei Pinger-betastung, Absterben der Oberhaut, unverhofftem Verfallund schnell tödtlichem Verlaufe gesehen. Bei dem einenKranken hatte sich die Schwellung über den ganzen Ober-und Unterschenkel verbreitet und sich bis in die Nabel-gegend hinaufgezogen. Nach dem Tode zeigte sich „beimEinschneiden in den Oberschenkel das Unterhaut-Binde-und Fettgewebe ausserordentlich stark geschwellt, undzwar war diese Anschwellung dadurch bedingt, dass sichin den Maschen des Gewebes eine reichliche Menge trüber,deutlich übelriechender, mit Gasblasen durchsetzter Flüssig-keit eingelagert hatte. Entsprechend den Bindegewebs-zügen erstreckte sich diese seröse Durchtränkung bis indie tiefsten Schichten des Zellgewebes. Die Muskeln er-schienen sämmtlich geröthet, doch trat in ihnen das Oedemsehr zurück, so dass makroskopisch davon eigentlich wenigzu sehen war. Beim Betasten der Muskeln hingegen hatteman deutlich das Gefühl des Knisterns. Das Oedem desUnterhaut-Gewebes erstreckte sich über Ober- und Unter-schenkel in ihrem gesammten Umfang. Nach oben hinwar das Oedem auf zwei Wegen weiter vorgedrungen:einerseits war das ganze Unterhaut-Gewebe der Unterleibs-wandungen ödematös infiltrirt, und zweitens hatten dieselbenVeränderungen Platz gegriffen im retroperitonealen Binde-gewebe; hier war besonders die Gasentwickelung beträcht-lich und hatte das lose Bindegewebe zu grossen Blasenaufgetrieben, die, angestochen, ein Gas entweichen Hessen,welches beim Anzünden mit hellblauer Flamme verpuffte
') Vergl. Berliner klinische Wochenschrift, Jahrgang 1882,S. 661 u. ff.
und somit höchst wahrscheinlich Wasserstoffgas warder aus verschiedenen Stellen des infiltrirten BindecewetJregelrecht entnommenen ödematösen Flüssigkeit, welche,!gespritzt, geeignete Thiere unter denselben ErscheinuJtödtete, fanden die erwähnten Beobachter den Ba?des „malignen Oedems", dessen Sporen bei Kaninchen tMeerschweinchen die Krankheit gleichfalls wiedererzenjtAuch Rosenbach hat in zwei typischen Fällenschreitenden brandigen Emphysems vorherrschendKoch'sehen Bazillen des malignen Oedems gefunden, welcljman übrigens sonst in Gartenerde, faulenden SubstanzeijStaubsorten u. s. w. begegnet. Da aber diese OedembazillJkeine Fäulniss auslösen, so können sie auch, wie Bau»garten hervorhebt, im lebenden Gewebe keinen Baerzeugen. Darum ist die Annahme gerechtfertigt,noch andere Bakterienarten, möglicherweise solche, die aiständige Begleiter der Oedembazillen auftreten, bei eilzelnen Formen der Erkrankung wesentlich mitwirklDass es sich beim fortschreitenden Oedem um eine übttragbare Wundinfektionskrankheit handelt, war eine isieht, welche die Kriegschirurgen schon früher beschäftigtDie Seltenheit der Wundkrankheit in der antiseptkliZeit lässt es begreiflich erscheinen, warum bis jetzt eilendgiltige Entscheidung über den spezifischen KrankheilOrganismus vermisst wird.
Als Hilfsursache bezeichnete v. Langenbecseinem vorhin erwähnten Vortrage längere uud schonmlose Transporte. Seiner Meinung schlössen sich aiAjFeldärzte an. Namentlich schien es auch Fischer, iaufreibende Transporte, während derer ein mangeltaAbfluss zersetzter und fauliger Wundflüssigkeiten stattümam häufigsten anzuklagen waren. Die Fälle 1, 2, 3,der nachstehenden Kasuistik, welche während des Krieg1880/71 in seiner Behandlung waren, gingen mit vollajwickeltem Krankheitsbild unmittelbar vom Transport iLazarethen zu. Einmal (3) war Fischer gezwungen, einGipsverband, der schlecht sass, wegen sehr starker Selmi»des Armes sofort zu entfernen. Während es aber in diesFalle zweifelhaft erscheint, ob das schlechte Sitzen des VIbandes als Ursache einer Wundschädigung und weiterdes tödtlichen Oedems anzuschuldigen war oder ob <durch die Schwellung des verletzten Gliedes die GjjUmhüllung nachtheilig wurde, muss bei dem Einjährig-fwilligen J. (1) der „sehr fest und uuzweckmässig IVerband" als die nächste Veranlassung zum Ausbruch»Wundkrankheit betrachtet werden. Nach Wundmisahing und Wundvernachlässigung stellte sieb ferner Ieinem Vizewachtmeister (18), der nach der Verwundung!einen zweistündigenBitt gemacht hatte, und bei einem 1Unteroffizier (20), welcher seiner Verletzung geringem]falt widmete und wenige Stunden nach einer ElleiNlgelenkresektion gegen das Verbot spazieren gegangen 1das tödtliche Leiden ein, so dass unter den in der Kasiisjnamentlich aufgeführten 24 Kranken immerhin bei