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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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HU. Allgem. Theil.

IV. Abschnitt: Akut purulentes Oedem.

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Jb ausgeführt worden zu sein. Es findet sich über sie

eine kurze Bemerkung H. Fischers:zu Transfusions-

perimenten konnten wir uns nicht mehr entschliessen,

>il vrir uns von der Wirkungslosigkeit dieses Verfahrens

bei der Pyämie in Friedenszeiten hinreichend überzeugthatten und weil wir über zu wenig gutes Blut zu gebieten,auch zu den umständlichen Manipulationen die Zeit nichthatten."

Vierter Abschnitt.Akut purulentes Oedem.

Unter dem nach Pirogoff so benanntenakut puru-lkten oder akut brandigen Oedem" verstand man einenintermuskulären und interstitiellen Bindegewebe schnell»laufenden und mit beträchtlicher Schwellung der Weich-ale einhergehenden entzündlichen Vorgang, bei welchem(Muskulatur auf weite Strecken serös oder blutig-eiterigtränkt, die Haut bald von glänzend wachsartiger Farbe,Id bläulich schwarz und in brandigen Fetzen abgestorbenKen.H. Fischer 1 ) macht folgende anatomische Beschreibungihn:Bei einem tiefen Schnitt an einem so erkranktenlede sieht man eine furchtbare Schwellung des Binde-rebes durch alle Weichtheile hindurch bis auf denlochen; dasselbe erscheint trübe, gelatinös und mit einemkenartigen Serum in allen Maschen erfüllt, welchesfchlich Eiter- und Blutkörperchen enthält. Das inter-ikuläre und interstitielle Bindegewebe ist um das Fünf-te und mehr verbreitert. Bei der mikroskopischen«rsuchung des entzündeten Bindegewebes erkennt manb kleinzellige Infiltration, besonders stark ausgesprochen| der Umgebung der Gefässe. Durch diese Exsudateden die Gefässe und Nerven einem beträchtlichen»cke ausgesetzt. Was den überaus bösartigen Prozessr besonders auszeichnet, ist die sehr akute Ausschwitzungdas schnelle Umsichgreifen und Weiterkriechen der-pien. Dadurch steigt der Druck, welchen die Gewebeph die entzündliche Infiltration erfahren, und da diese1 venig komprimirbar sind, so trifft er mit ganzer Machtin ihnen verlaufenden Gefässe, besonders die Venen.Wandungen derselben werden vollständig aneinander►esst, so dass man sie im makroskopischen Bild schwererkennen kann. Die tiefe Stauung in den kleinerenspäter auch grösseren Venen führt zu einem wachsen-I Oedem der Weichtheile, zu einer furchtbaren Schwellunggrosser Blässe des Gliedes. Die grossen Arterienlerstehen zwar dem Druck der Exsudate, deshalb strömt

Vergl. H. Fischer, Handbuch der Kriegschirurgie, 2. Auf-i W82.I. Band, S. 372.

«itats-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.

immer noch Blut in das Glied hinein, die kleinen abererliegen demselben, und so wird den Muskeln, dem Binde-gewebe und der Haut kein Blut mehr zugeführt. Daherdie Neigung des Gliedes zum Brande in allen seinenTheilen, besonders in der am meisten gespannten Haut,daher auch die wachsartige Blässe der Muskeln. Weil dieGefässe aber schnell zusammengedrückt werden, so kommt esauch nicht zur Thrombenbildung in ihnen, man findet sieeinfach leer. Der Druck auf die Nerven bedingt das äusserstrasche Erlöschen des Gefühls und der Bewegungsfähigkeitin den affizirten Gliedern. Bei der Sektion solcher Fällesoll Gas im Blute gefunden sein."

Da der von Pirogoff vorgeschlagene Name denanatomisch - histologischen Prozess nicht genügend kenn-zeichnete, so wählte H. Fischer die BezeichnungPanphleg-mone gangraenosa", womit er gleichzeitig die Zugehörigkeitdes Krankheitsbildes zur grossen Gruppe der Zellgewebs-Erkrankungen kenntlich machen wollte, v. Beck glaubt,mitCellulitis diffusa pyaemica s. perniciosa" das Richtigegetroffen zu haben, während Billroth vondiphtherischerPhlegmone oder diphtheritischer Infiltration" spricht undnoch andere Chirurgen die Benennungprogressives gan-gränöses Emphysem" eingeführt wissen wollen. Fran-zösische Autoren bedienen sich der Ausdrucksweise:Gangrene foudroyante" oderGangrene gazeuse" oderSepticömie aigue ä forme gangreneuse". Endlich ist manauch wieder auf den alten Namenheisser Brand" zurück-gekommen, mit welchem schon vor Pirogoff die Kriegs-chirurgen das ihnen nicht unbekannte Wundleiden zucbarakterisiren versuchten.

v. Langenbeck 1 ) hielt in der militärärztlichen Ge-sellschaft zu Orleans im Winter 1870/71 anlässlich einigereinschlägiger Fälle einen Vortrag über traumatische In-filtration, wovon er zweierlei Arten, die blutige unddie entzündliche, unterschied. Nach seiner Meinung be-sitzt die erstere unter gewissen Umständen die Neigung

') Vergl. Militärärztliche Zeitschrift, Jahrgang 1872, Band I,S. 260 u. ff.

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