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II. Kapitel: Wundkrankheiten.
Hand III. Alk
flächen während der Operation mit Karbolsäurewasser, dasDurchziehen von Unterbindungsfäden durch diese Lösungenals unnatürliche und widerwärtige Uebertreibungen hinstellen.
Es bestand eben nur eine unsichere Vermuthung, dassder Anlass der Eiterung und der septischen Infektion vonaussen her kommt; der Nachweis, dass eingedrungene Mikro-organismen die Ursache seien, war noch nicht erbrachtworden. Erst Klebs konnte, wie bereits angeführt, auf(»rund seiner Sektionen in Karlsruhe diesen Nachweisführen. Er spricht sich am Schlüsse seiner Mittheilungenüber die Wundinfektionskrankheiten folgendermaassen aus(S. 121): „Es wäre noch Manches über die Folgen der Lehrevon der septischen Mykose hinzuzufügen, aber ich kann diesgetrost den eigentlichen Praktikern überlassen, welche seitder Anwendung der Lister'schen Verbandmethode schoneinige Zeit eine entsprechende hypothetische Annahme ihrerThätigkeit zu Grunde legten. Nur auf Eines möchte ichaufmerksam machen: dass nämlich die septische Mykose,einmal im Körper eingepflanzt, nur schwer vollkommenbeseitigt werden kann, dass Schusswunden daher von vorn-herein hermetisch nach aussen hin verschlossen werden,alle Versuche zur frühzeitigen Entfernung von Fremd-körpern, überhaupt zum Durchsuchen der Wunden vor demEintritt ergiebiger Eiterung streng verpönt sein sollten.Wir dürfen hoffen, dass diese einfache Regel, wennwiederum ein menschenmordender Krieg Opfer fordernsollte, nicht unwesentlich die Zahl derselben verringernwird." Indessen diese einfache Kegel, erst eine Fruchtder Schlachtfelder von 1870.71, bestand noch nicht. Esgeschah die Desinfektion der Wunde und ihr Verschlussnicht in der Ueberzeugung, dass nur so allein die Wund-infektion verhütet werden konnte, die neue Verbandmethodewurde geübt neben anderen, hier und da nach Gutdünkenabgeändert und so oft gänzlich ihrer heilsam schützendenWirkung beraubt.
Socin, einer der Wenigen, die eine folgerichtige undgenaue Durchführung des Lister'schen Verbandes bereitsvor dem Kriege übten und während des Feldzuges durch-zuführen strebten, hat gleichwohl die Hoffnungen, die er aufdie neue Behandlung setzte, nur sehr theilweise in Erfüllung»■eben sehen. Unter seinen 93 Todesfällen kommen 72 aufRechnung von Septicämie und Pyämie. Doch haben diesefehlgeschlagenen Hoffnungen sein Vertrauen in das geübteVerfahren nicht zu erschüttern vermocht, weil er sicher dieUmstände erkannte, welche die Ergebnisse beeinträchtigten.Die Verwundeten gelangten erst in seine Behandlung, nach-dem Tage seit der Verletzung vergangen, die Umgebungder Wunden bereits mit septischen Stoffen durchsetzt, alsoweder die Infektion zu verhüten, noch die Desinfektiongründlich durchzuführen war, „dazu kam bei vielen derHerren Kollegen der Mangel an Uebung und besonders anUeberzeugung von der Zweckmässigkeit der empfohlenenMaassregel."
IT. Fischer theilt gleichfalls mit, dass erliehe Wunden nach der Lister'schen Methode verhabe, einzelne streng nach der Vorschrift, andere jKarbolöl. Wahrscheinlich verdankt er diesem UiJmit, dass er berichten kann, „im Ganzen war die ftjin unseren Spitälern ein seltener Gast: unter 8iJnSchwerverletzten wurde dieselbe 55 mal beobachtet..in 6.2 ji der Fälle." Für die Richtigkeit dieser AnJspricht ferner die von ihm gemachte, den sonstitjfahrungen zuwiderlaufende Beobachtung, dass in denitiseiner Lazaret.he, welche dicht am SchlachtfeldsPyämie weniger Opfer forderte als in den entfern!In ersteren konnte eben in einigen Fällen durchzeitigen antiseptischen Verband noch eine DesinfektionWunde erreicht, eine Allgemeininfektion verhindert™während bei den Verwundeten, welche weite Transporaerdulden hatten, die schützende und heilsame Wirkuii«|Lister'schen Verbände wohl immer zu spät kam.
Schliesslich müssen nunmehr noch verschiedene ilpeutische Maassnahmen Erwähnung linden, denen etajbetreffs der Pyämie einige Bedeutung zuerkannt wonlZunächst die Reverdin'sche Hautüberpflauznn; |die Pyämie in allen Phasen des Wundverlaufs zur |wickelung gelangen kann und granulirende, noch ivon Epidermis überzogene Wundflächen der septisdfizirung günstige Bedingungen bieten, muss zugestawerden, dass in dem Maasse, wie es gelingt durch llpflanzen von Hautstückchen die Wundheilungnarbung zu beschleunigen, die Gefahr derInfektion vermindert wird. Es kann demnach diesem!fahren ein gewisser Werth nicht wohl abgesprochen wtrf(
Vollständige Ruhe, anhaltende Eisbehanillund intermittirende, centrale Digitalkon Iwerden von Lücke für alle Wunden empfohlen, wl|eine Arterienverletzung vermuthen lassen. Erdiese Weise am ehesten die Eiterung im Schusskanal zilschränken, durch deren inlizirende Eigenschaften MBdie Erweichung der Venengerinnsel, wie des Quelder Arterie und weiterhin die Pyämie und die Sek*blutungen bewirkt werden.
In gleicher Weise schreibt v. Beck den Injbindungen einen schützenden Einfluss bezügliPyämie zu. Er sagt: „Ich unterbinde alle Gefa |bluten, und habe noch nie bei der Umschlingm?Blutader eine üble Folge wahrgenommen; im Gegen|schützt dieses Verfahren eher vor Pyämie, weil dlvollkommenen Verschluss des Rohrs das Eindringe«]Wundabsonderung, ein frühzeitiger Zerfall des lWweniger zu fürchten ist."
Die Transfusion, von welcher nach den ^giltigen Anschauungen auch der Pyämie gegeheilsamer Einfluss hätte erwartet werden dürfen,nichts desto weniger glücklicherweise in dieser w fr l
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