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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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IL Kapitel: Wundkrankheiten.

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bandlung unerwartet Besserung und Genesung eintreten.Die gleichzeitige Anwendung von Reizmitteln unterstütztdie Wirkung und verhindert eine allzuweit gehende Chinin-vergiftung. Wir hatten Fiebernde, welche innerhalb 6 bis8 Tagen 30 g Chinin verbrauchten und dazu täglich bis3 Flaschen Wein tranken. Ein entschiedener Uebelstandist, dass viele Kranke das salzsaure Salz absolut nicht ver-tragen, sondern gleich wieder herausbrechen; hier mussman zu kleinen Klystieren greifen und die Dosen nochhöher nehmen. Bei entschiedener Pyämie sind auch unterdieser energischen Behandlung die Ergebnisse trostlos; ausserzwei Amputirten sah ich in keinem Falle, wo die Diagnosekeinen Zweifel zuliess, Heilung eintreten." Fischer, derebenfalls grosse und zahlreiche Dosen Chinin angewandthat, berichtet, dass es in Ausnahmefällen sich bewährthabe. Jedoch hat kein Arzneimittel ihm sichere Dienstegeleistet; er schreibt deshalb die spärlichen HeilungenFyämischer dem desinfizirenden Wundverbande, der Sorgefür guten Abfluss der Wundabsonderung, der Darreichungreizender und kräftiger Nahrungsmittel und dem Aufent-halt in reiner Luft zu. Lücke hat das Chinin in nichtganz so grossen Gaben ebenfalls in Verbindung mit starkenWeinen und Cognac gegeben; auch er klagt, wie schonmitgetheilt, über die Unsicherheit in der Wirkung, da-gegen rühmt er die Anwendung heissen Glühweins gegendie Fröste. Er verordnete denselben bei Beginn der An-fälle und beobachtete, dass dieselben dadurch verkürzt,mitunter gänzlich abgeschnitten wurden; noch sichererwar die Wirkung, wenn das Mittel vor Beginn des Frost-anfalles gereicht wurde, dessen Herannahen an dem plötz-lichen Abfall der hohen Temperatur um mehrere Grade mitSicherheit zu erkennen war. Aus diesem Grunde erklärter wiederholte Temperaturmessungen im Laufe des Tagesfür dringend geboten, v. Beck hat ebenfalls Chinin ingrossen Gaben und Morphium versucht und giebt an,dass diese Mittel öfters Erleichterung schafften, hin undwieder wirklich gute Dienste leisteten und die Pyämie be-seitigen halfen. Von der Verwendung zu grosser Chinin-mengen räth er ab, weil nach denselben üble Folgen, ineinem Falle der Schweizer Ambulance sogar schneller Todeingetreten sei. In dem Reservelazareth zu Dessau konntenbei einigen Verwundetenleichte pyämische Erschei-nungen" durch Chinin beseitigt werden.

Weitere bemerkenswerthe Erfahrungen über die Chinin-behandlung sind nirgends mitgetheilt. Die vorhandenenKrankengeschichten bestätigen eine nahezu allgemeine,jedoch meist erfolglose Anwendung, wobei indessen nichtunerwähnt bleiben darf, dass die grossen, von Binzempfohlenen Gaben, deren Hilfe bringende Wirkung Socinbestätigt, fast nirgends weiter als in Carlsruhe benutztworden sind.

Die dritte Behandlungsweise Pyämischer, bestehend inder Entfernung des primären Infektionsherdes durch eineentsprechende Operation, meist Gliedabsetzung beziehungs-

weise Auslösung oder in seltenen Fällen Resektion hjFeldzuge ihre sehr entschiedenen Gegner gefunden.an steht in dieser Beziehung Roser; derselbe stelltBestehen von Pyämie als unumstössliche Gegeeiner jeden Operation hin und liess sich, wie BuikliJaus dem 8. Feldlazareth X. Armeekorps berichtet,nicht durch Humanitätsrücksichten bewegen, von iGrundsatze abzugehen.Ein Kranker," schreibt er,einen oder gar mehrere Frostanfälle gehabt, konnteso flehentlich uns bitten und beschwören, eine AmpJdoch noch an ihm vorzunehmen; täglich konnte ersBitte wiederholen. Roser blieb konsequent. Demhabe ich in Pont ä Mousson keinen einzigen Fallgalwo die abgelaufene Pyämie die nöthige Operation in Lspäteren Zeit gestattet hätte; alle unoperirten PjändJsind uns gestorben." Auch Schinzinger nahm beiJvorhandenen Schüttelfrösten von jedem operativen!Abstand und beschränkte sich darauf, diese VerwundJin einem Isolirzimmer unter gesonderter Abwartung Iihrem Ende zu verpflegen. Dagegen hat erbei drokloder schon beginnender Pyämie" in einigen Fällen IAmputation versucht mit nur einem günstigen EriVon vornherein ist nicht recht ersichtlich, was dielanlassung war, einen so schwerwiegenden Uiiterschied|machen, denn es will kaum einleuchten, dass der opeaiEingriff demjenigen weniger Aussicht geboten hätte, 1welchem die Pyämie mit einem Schüttelfröste einals demjenigen, bei welchem sie allmählich anhob.

Der Schüttelfrost darf nach den Erfahrungen d«]zuges von der Operation nicht abhalten. Derselbe i-i.|in allen Fällen mit Embolien verbunden, setzt also iimmer weitere pyämische Herde, und selbst vonsekundären Herden aus schreitet die Infektion nicht iiunaufhaltsam fort. Die Operation ermöglicht es also, iprimären Infektionsherd zu entfernen, und bietet, wo!mit Sicherheit gelingt, bei bereits bestehender Pyämie J|sieht, das gefährdete Leben zu erhalten. Freilich mgleichen lebensrettende Erfolge im Feldzuge nurgewesen, aber sie sind vorhanden 1 ) nach dem Zenjsicherer Gewährsmänner.Ist einmal die Krankheit^wickelt, berichtet Socin, so ist nur noch toischleunigen Entfernung der Quelle der InfektionResektion oder Amputation Einiges zu hoffen, doch idieses äusserste Mittel kommt gewöhnlich zu spät. MFällen, in welchen das Bild ausgesprochener Pyaübanden, mehrere Schüttelfröste vorausgegangenkonnte ich einmal durch Absetzung des Obera». 1andere Mal durch hohe Oberschenkelamputation das 1erhalten." Somit gilt ihm denn auch neben 11unstillbarer Blutung bereits ausgesprochene Pyämie.der Zustand nicht sehr rasch zu einem verzweifelten "j

i) Siehe oben (Seite 169 ff.) unter den Krankenge3chi*|Geheilten,

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