nd III. Allgem. Theil.
III. Abschnitt: Pyämie und Septicämie.
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eübt worden. Mit Vorliebe brachte man sie in Zelte oder
irackcn. 1 ) Die Beweggründe zu dieser Maassnahuie sind
licht überall klar ersichtlich angegeben; zum Theil hatte
wohl nur den vorbeugenden Zweck, die Uebertragung
n Ansteckungsstofl'en auf andere Wunden zu verhüten,
vielen Fällen aber war sie den behandelnden Aerzten
Ehr als blosse Vorsicht, eine wichtige therapeutische
ssregel für den verlegten Pyämischen selbst. Während
B. Lücke von der Wirkung der angewandten Mitte]
ht viel Rühmens machen zu können angiebt, da dasselbe
ttel, das einmal half, die anderen Male bei ganz ähn-
ihen Verhältnissen im Stiche Hess, erklärt er: „Gut
e^, den Erkrankten aus der Oertlichkeit zu entfernen,
er erkrankt ist". Der Bericht des 8. Feldlazareths
Armeekorps bringt Beweismaterial für diesen Ausspruch.
ih demselben wurden aus den überfüllten Räumen des
t Seminaire zu Pont ä Mousson, in denen die Pyämie,
mitgetheilt, eine höchst verderbliche Wirkung entfaltete,
trfacli Pyämische in eine Baracke verlegt, in der die
mdheilung eine vorzügliche war. Die Wirkung dieses
ihsels war überraschend. „Durch die stets reine Luft
He ein so wohlthätiger Einfluss auf die Verwundeten
■übt, dass, wenn dieselben von anderen Stationen dort-
kamen, der Appetit sich besserte, die Wunden ein
eres Aussehen und statt des jauchigen Eiters gute
mulationen zeigten. Unter den vielen Fällen nur ein
|spiel: Ein Deutscher Soldat mit Schussbruch des linken
Tsckenkels litt an Pyämie, täglich traten Schüttelfröste
die Kräfte verfielen immer mehr, die Amputation wurde
enommen, das abfliessende Blut hatte ganz pyämisches
■teil. In die Baracke verlegt, änderte sich alsbald
Zustand des Kranken, so dass man jetzt, also schon
Tage nach der Operation, auf einen günstigen Ausgang
Den kann; es trat kein Schüttelfrost mehr auf, gute
tde u. s. w." II. Fischer, der ebenfalls die Pyämischen
abgesondert hat, nicht aus Furcht vor der Ansteckungs-
igkeit der Pyämie, sondern, wie er angiebt, um auch eine
iheinend überflüssige Vorsicht nicht versäumt zu haben,
it für Zeiten, in welchen sich die Erkrankungsfälle
die Verlegung der Pyämischen selbst aus Lazarethen,
im Uebrigcn durchaus zweckmässig erscheinen, für her-
•agend wichtig und bringt Belege für die heilsame Wir-
dieses Verfahrens. Als er das Lazareth des College zu
ach übernahm, herrschte in demselben die Pyämie
irclitbarer Weise; er verlegte die angesteckten Kranken
ae Baracke, die Pyämie erlosch, und drei der bereits
Pyämie Erkrankten wurden gerettet. Eine ähnliche
Pachtung machte er zu Neunkirchen. Er hatte aus
Seblafhause Ziehwald, um das Umsichgreifen des
ipitalbrandes zu verhüten, die Kranken in ein noch
und anscheinend zweckmässig erbautes Schulhaus
«gen müssen. In diesem traten, nachdem es einige
Den
Vergl. hierzu und zu dem Folgenden S. 64 ff.
Tage benutzt war, zahlreiche Fälle ausgesprochener Pyämieauf. In einer Nacht wurden bei einer nur geringen Zahlvon Verwundeten allein 5 Schüttelfröste beobachtet. Eserfolgte eine abermalige Verlegung in eine neu erbauteBaracke. Hiernach hörte die Pyämie auf, und die Infizirtenwurden mit Ausnahme zweier Amputirter ebenfalls am Lebenerhalten. Die auffallend günstigen Ergebnisse, welche bei derBehandlung Pyämischer in dem Reservespital Esslingen er-zielt wurden,') glaubt man der bei den Räumlichkeiten desKrankenhauses stets möglichen Absonderung der Verwun-deten zuschreiben zu sollen. Aus dem 2. FeldlazarethX. Armeekorps wird berichtet, dass Einzelne, bei denenpyämische Erscheinungen auftraten, durch Absonderung ge-bessert wurden. Von vornherein leuchtet ein, dass in den-jenigen Fällen, wo mit der Verlegung und Absonderung fin-den Kranken ein besserer Aufenthalt in reiner, gesunderLuft erreicht wird, die Bedingungen für den Heilungs-vorgang der Wunde wie für die Widerstandsfähigkeit desKranken günstiger sich gestalten. Dadurch sind für denHeilungsvorgang bei Pyämie zwei Umstände geschaffen,welche recht wohl in den Fällen, wo der Verlauf eingünstiger gewesen ist, einen heilsamen Einfluss haben übenkönnen.
Chinin, das vornehmlich auf die Empfehlung vonBinz vielfach in Anwendung gekommen ist, hat vermögeseiner fiberwidrigen Wirkung häufig die hohen Temperaturenherabzudrücken vermocht; mitunter schien es auch — wasaus seiner Einwirkung auf Mikroorganismen sich erklärenmag — die Stärke und Häufigkeit der Schüttelfröste zu ver-mindern, doch wirklich nachhaltige lebensrettende Erfolgekonnten auch ihm wenig nachgerühmt werden. Mitunter ver-anlasste es, im Uebrigen erfolglos, Verdauungsstörungenund Durchfälle und wirkte so, wo so viel darauf ankam,den Kräftezustand der Pyämischen durch geeignete Er-nährung möglichst lange gut zu erhalten, geradezu schäd-lich. 2 ) Klagen in der letztgenannten Hinsicht kamennamentlich aus den Kriegslazarethen von Les Etangs undStrassburg. Entschiedenes Lob spendet Socin der Chinin-behandlung; er schreibt (S. 27): „Bei der arzneilichenBehandlung befolgte ich sehr energisch den Rath vonProfessor Binz und fand die von ihm empfohlenen hohenDosen von salzsaurem Chinin sehr nützlich; nur müssenbei hohem Fieber täglich 6 bis 7 g verbraucht und diegrösseren Gaben stets Morgens früh gereicht werden.Jedesmal findet ein merklicher Temperaturabfall statt, dochist diese Wirkung nur eine vorübergehende, wenn mannicht mit der Darreichung des Mittels noch einige Tagefortfährt, bis eine entschiedene Besserung auch der übrigenSymptome eintritt. Besonders beim andauernden sep-tischen Fieber sind oft die Ergebnisse überraschend. Inmehreren ganz schweren Fällen sah ich bei dieser Be-
i) Vergl. oben S. 175.2 ) Vergl. hierzu S. 30.