Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

. ntrfrK jE'^i'iv si.s^mki.'.^M'iiiSx

180

II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Band III. Allgem. Tkill

sie erbsengross und mit gelbem, rahmigem Eiter gefüllt.Andere Angaben über Form, Grösse und Art derselbensind nicht vorhanden. 1 mal wurde ausserdem eitrige Ent-zündung des Nierenbeckens angetroffen.

Anderweitige Affektiouen der Nieren, wie Hyper-ämie, mehr oder minder erhebliche Schwellungen, Gewebs-Trübungen verschiedenen Grades, leichte, fettige Ent-artung wurden sehr häufig festgestellt. Dass umschriebeneBauchfell-Entzündungen als Begleitungserscheinung VonLeber-Eiterherden und allgemeine Bauchfell-Entzündung imGefolge durchgebrochener Leber-Eiterherde beobachtetworden sind, wurde bereits mitgetheilt; es bliebe zu er-wähnen, dass auch einzelne Fälle anscheinend rein meta-statischer Bauchfell-Entzündung festgestellt sind.

Ein derartiges Vorkommniss berichtet SehüHer S. 58No. 29 (Schuss durch die rechte Handwurzel). Eine Kranken-geschichte bei Lossen (nicht durchbohrender Schussbrucham Rücken) erscheint in der in Rede stehenden Hinsichtfraglich.

Unbedeutende Mengen seröser, leicht blutig gefärbterFlüssigkeit wurden häufig in der Bauchhöhle vorgefunden;auch leichte Gasauftreibung war nicht selten. Im Darm-kanal liessen sich meist einfache Blutüberfüllungen, ober-flächliche katarrhalische Schwellungen nachweisen, erheb-liche Anschwellungen mit reichlichen Schleimabsonderungenwaren seltener, Geschwürsbildungen ganz vereinzelt.

Ueber die Metastasen im Unterhautzellgewebe, inder Muskulatur und den Gelenken sind eingehendereanatomische Befunde nirgends mitgetheilt.

Auf die so wichtigen Veränderungen des Blutes,auf welchen nach unserer heutigen und auch nach der frei-lich erheblich abweichenden Anschauung der Feldärzte alleErscheinungen der Pyämie beruhen, ist so gut wie gar nichtgerücksichtigt. Angaben wieeitrige Beschaffenheit des

Blutes",das Blut hatte ein ganz und gar pyämktflAussehen" und dergl., die sich ab und an finden, berufe!auf falschen Voraussetzungen und sind ohne wissensck'Jliehen Werth.

Kirchner hat bei einem Verstorbenen eine dunkej-|violette Färbung des Blutes beobachtet.

Betreffs der Veränderungen der Gefässe, derPtlJbitis, Periphlebitis und Thrombosen, ist von hohem Interesder 10. Fall der Klebs'sehen Sektionen (Monaural klHadji). An demselben gelang es Klebs, das Einurinj.ilvon Mikrokokkenkolonien in die Blutgefässe nachzuweklDasselbe geschieht nach ihm durch Anfressung der GefaJWandungen von aussen her und bringt bereits vor völligeZerstörung der Intima Gerinnungen in der Blutmasse lierwlwelche entweder wandständig bleiben oder das ganze Gellröhr erfüllen. Sind auf diese Weise die Pilze einmal idas Blut gelangt, vermögen sie sich auch an entfernter«Stellen anzusiedeln und hier durch Reizung der Intima isonderung einer fibrinoplastischen Substanz und Throniklbildung hervorzurufen.

Phlebitis und Periphlebitis gehören zu den hmiü.beobachteten Erscheinungen der Pyämie und wirfnamentlich in den von der Verletzungstelle herkommen«Venen selten vermisst. Das Gleiche gilt von den VaJthromben; dieselben waren zum Theil wandständig. 7.Theil das Rohr verschliessend und von durchaus ischiedener Ausdehnung; sie wurden aufgefunden in (kleinsten Venen, in ganzen Venengebieten wie auch in iHauptvenenstämmen des Körpers. Der unheilvolle Eintihres Zerfalls durch Embolienbildung im übrigen Korpeiwurde bereits besprochen; hinzuzufügen wäre noch iHgleichfalls so häufig festgestellte eitrige Schmelzung.Wesen dieses hinlänglich bekannten Vorganges bedarf Ikeiner eingehenden Besprechung.

VI. Behandlung und vorbeugende Maassnahmen.

Abgesehen von den Verordnungen, welche lediglichzur Erleichterung der Leiden der Kranken getroffen wurden,wie die Darreichung von Mineralsäuren, von Kali undNatron nitricum, von Kalomel u. s. w., abgesehen fernervon der Behandlung der einzelnen die Pyämie begleiten-den Symptome, der Lungenkatarrhe durch lösende, derSchmerzen und Schlaflosigkeit durch narkotische, der Magen-und Darmaffektionen durch stopfende Mittel, die wohl durch-gehends nahezu die gleiche war, und schliesslich abgesehenvon den örtlichen Desinfektionsversuchen an den Wunden,zu denen bald Karbolsäurelösung, bald Chlorwasser, baldChlorkalk, bald übermangansaures Kali mit mehr oderweniger Erfolg Verwendung fanden, sind es folgende Maass-nahmen, welche, vorwiegend geübt, ab und zu einen lebens-

rettenden Erfolg aufzuweisen schienen: Die Entfernung!Kranken vom Orte der Ansteckung, Versetzung in mögl«gesunde Luft, Absonderung, Chininbehandlung meist'banden mit der Darreichung von erregenden Mitteln,Entfernung der septisch infizirten Theile durch OperatolDiese Verfahren kamen, jedes für sich und miteinaivereinigt in Anwendung, wurden aber in allen Fallen'Erhaltung des Kräftezustandes der Kranken durch einenverdauliche, kräftigende Ernährung zu unterstützen ge* 1

Unberücksichtigt bleibt hierbei die Kaltwwbehandlung", die, soweit ersichtlich, nur von Schulzweimal erfolglos angewandt wurde.

Die Verlegung und die Absonderung derKi»!ist, wo es die Verhältnisse gestatteten, fast durchgehe"!

I^H^HM^HHH