IIII. Allgem. Theil.
III. Abschnitt: Pyämie und Septicämie.
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27. August wiederholte venöse Blutungen. Es wurden►er die Schusswunden erweitert. Dabei zeigte sich, dass
Schusskanal ganz mit verjauchten, äusserst übelriechen-
Thromben erfüllt und in eine umfangreiche Höhle ver-ndelt war, in der man einen Theil des Oberschenkelknochensblösst uud rauh fühlte. Nach Ausspülung der Wunde Tam-Danach erholte sich K., sein Allgemeinbefinden wurde
er, die Schmerzen geringer, die Blutung kehrte nicht wieder.k Wunden reinigten sich und fingen zu heilen an, die Absonde-
■ wurde dickflüssiger, spärlicher. K. wurde mit den übrigenbnken am 12. September in das neue Schulhaus verlegt.ir bekam er plötzlich am 15. Abends einen Schüttelfrost,1 etwa eine Viertelstunde andauerte und von Hitze und reich-i Schweiss gefolgt war. K. wurde chloroformirt, die kailösenBder der inneren Wunde abgeschnitten, die Wunde nacherweitert, wo sich eine Höhlung mit nicht genügendemluss vorfand, und auch ein Stück Kugel, welches dort dieerung unterhielt, entfernt. Es stellte sich bei genauer Unter-hung heraus, dass noch eine Tasche bestand, welche unteriSchenkelgefässen, unmittelbar über dem Knochen, nach aussenlief. Der Knochen selbst zeigte an der Stelle, wo früher
eine rauhe Leiste zu fühlen war, eine etwa 3 Finger breitelle, wie von der Kugel ausgehöhlt und rauh. Die grossenhenkelgefässe fühlt man unmittelbar auf dem Finger, doch an-einend unversehrt. K. wurde täglich in den Garten getragen.
16. September: Nach einer sehr guten Nacht Befinden gut,lls 110. Am 17. September wiederholte sich der Schüttel-et, am 18. 2 mal, ebenso in der Nacht vom 18. zum 19.
19. zum 20. Am 20. September erschien K. sehr verfallen,as gelblich gefärbt, ausserordentlich unruhig, Zungeck e n, rissig, D u r c h f ä 11 e, Milz- und Leberschwellung fehlen.I Wunden sahen trocken und sehr schlaff aus. Chinin. AmI September früh von 8 bis 8'/-> ull d von 9 bis 9 3 /4 Uhr jekn Schutt elf rost. K. war danach ausserordentlich schwach,fcderzittern, grosse Unruhe. Am 21. Abends wurde K. nach
Ziehwald in ein einzelnes, gut gelüftetes Zimmer gebracht.
ward sein Befinden allmälig besser, er erholte sich langsam,liüttelfröste kehrten nicht wieder, die Wunden reinigten
und wurden frischer, fingen auch zu heilen an. Am
Oktober: Der Zustand des K. hat sich sehr gebessert. Schüttel-
. nicht mehr eingetreten. Appetit gut. Schlaf desgleichen.
Durchgängigkeit des Wundkanals noch vorhanden. Eite-
' dickflüssig, gut. Am 20. Oktober: Wunden beginnen zuDarben. K. steht auf und vermag am Stocke zu gehen.. Aussehen sehr befriedigend. Am 25. Oktober ward derrundete in die Baracke verlegt. Am 9. November: Wundendig vernarbt. K. geht ohne Beschwerden, wenn auch
_ ein wenig hinkend. 11. November zum Ersatzbatailloneilt entlassen, der entblösste Knochen hat sich anscheinendder bedeckt. (Vergl. H. Fischer.)
_ ot. F., verwundet am 6. August 1870: l.Schuss durch diefchtheile am Halse, Ausschneiden der Kugel im Nacken, Blut-eten. 2. Schussbruch des rechten Oberschenkels in der Mitte,der Aufnahme am 14. August war der Verwundete sehr
»ach und wurde von Schüttelfrösten befallen. Der Eiterjte starken (ieruch. Er hatte auf dem Schlachtfelde die Ampu-
on verweigert. Die unter der Haut an der äusseren SeiteOberschenkels fühlbare Kugel wurde am Tage nach der
■nähme ausgeschnitten. In der Folge Herausnahme von[Knochensplittern; oft glaubte man sein Ende herannahen zu
"i; Eisenschienenverband, gegen die Schüttelfröste Chinin,
gsamste Pflege und kräftige Speisen, Getränke. Verwachsung
März 1871. Der Verwundete war munter und kräftig und*hte mit Krücken grössere Spaziergänge. In sicherer Aus-M auf vollständige Genesung reiste er nach Wildbad.
38. Schuss durchs rechte Kniegelenk am 19. Januar 1871:Absetzung des Oberschenkels zwischen mittlerem und unteremDrittel durch Kreisschnitt etwa 8 Stunden nach der Verwun-dung, 4 Nähte, Eis. Das anfangs hohe Fieber fiel bis zum25. Januar fast auf Normaltemperatur, und das Aussehen derWunde war gut. Die Haut legte sich an, und an den Bändernbegann die Vernarbung. Am 5. Februar eine kleine missfarbigeWundstelle, die sich schnell ausbreitete, Abends Schüttelfrost,lebhaftes Fieber, Durchfälle. Verordnung: zweistündlichfrischer Chlorkalkverband, Salzsäure. In der Nacht vom 6. zum7. Februar zwei Schüttelfröste. Wundaussehen und Allge-meinbefinden wurden in der folgenden Zeit zwar etwas besser,doch kehrten die Frostanfälle noch dreimal wieder. DerVerwundete wurde am 5. Februar mit Sanitätszug nach Deutsch-land übergeführt und ist nach späteren Mittheilungen geheilt.Dazu wird a. a. O. bemerkt: Fall 175 unserer Kasuistik warbei seiner Ueberführung am 5. Februar durch Sanitätszug nachDeutschland seit längerer Zeit pyämisch und, obgleich er beiseinem Transport gewiss niedererer Temperatur ausgesetzt war alsin unserem Lazareth, trat volle Heilung ein. (Vergl. Kirchner.)
39. F. H., Gefreiter, Gewehrschuss durch das rechte Knie-gelenk am 16. August 1870. Wiederholt bildeten sich Eiter-herde. Am 8. Mai 1871: Schüttelfrost, Gelbfärbung.Erweiterung des Schlisskanals, von da ab Besserung. MitSteifheit des Gelenks geheilt. (Vergl. Spez. Th. dieses Bandes,S. 782 No. 22.)
40. F., Gefreiter, verwundet am 16. August 1870. Gewehr-schuss durch das linke Kniegelenk, Bruch der Kniescheibe.Eitersenkungen und Einschnitte, dabei heftige Blutungen.Später Schüttelfröste und grosse Erschöpfung. ImFebruar 1871 mit Gelenksteifigkeit geheilt. (Vergl. Spez. Th.dieses Bandes, S. 789 No. 110.)
41. H. G., Artillerist, erhielt eine Granatverletzung des linkenUnterschenkels im unteren Dritttheil mit Längssplitterung desSchienbeins in der Weise, dass die Verbindung nur durch eineschmale Brücke noch aufrecht erhalten wurde. Gleich nachder Verwundung theilweise Aussägung des verletzten Knochens.Da bei dem ausgedehnten Substanzverlust des Schienbeins, derbis ins Fussgelenk dringenden Verletzung im weiteren Verlaufeeine zu reichliche Eiterung auftrat, Nekrose sich ausbildete, diePyämie im Anzüge war, so musste nachträglich die Amputationdes Unterschenkels ausgeführt werden. Der Verlauf alsdannganz günstig. (Vergl. v. Beck.)
42. Eine Kugel hatte am 9. Oktober 1870 das rechteSchienbein dicht unter dem Kniegelenk gestreift und mehrereSplitter von ihm gelöst. Ausschussöffnung in der Mitteder Aussenfläche am Unterschenkel; Karbolsäureverband. Am15. Oktober: Schüttelfrost, lebhaftes Fieber, Puls dicrot, 110.Die Wunde, in der Grösse eines Zweithalerstücks, welche vonAnfang fungöses Aussehen hatte, war missfarbig. Chininmit Säure. Am 17. Oktober: Schüttelfrost, 4 dünneStühle, Kräfteverfall, Wunde trocken, diphtherisch. Die Hautunter der Eingangswunde unterhöhlt, ein Einschnitt entleertkeinen Eiter. Milz erheblich vergrössert. Am 18. Ok-tober: Schüttelfrost, Husten. Links von der 7. Rippe abDämpfung, darüber Schnurren und Pfeifen. Milzdämpfungwegen bedeutenden Meteorismus nicht festzustellen, Zungetrocken, lebhaftes Fieber. Ord.: Schröpf köpfe, Digitalis. Am20. Oktober: Sparsamer, gelblich zäher Auswurf, Durchfallbeseitigt. Am 24. Oktober: Fieberabfall. Die Wunde, bis-her täglich mit Ilöllensteinlösung geätzt, doch immer nur mitvorübergehendem Erfolg, sondert reichlicher ab. Am 28. Ok-tober: Allgemeinbefinden und Kräfte bessern sich merklich, in