■■■■■■■■■■■■■■■HIHHHHHHMHKHH
172
II. Kapitel: Wundkrankheiten.
BandlH. All
zerschmettert, ein zweiter Schuss hatte die rechte Handwurzeldurchbohrt und war durch den Mittelhandknochen des Daumensausgetreten. Der Unterschenkel wurde 14 Tage in einer Draht-hose behandelt, die Hand lag auf einer Hohlschiene; dannwurde der Unterschenkel in einen gefensterten Gypsverbandgelegt. H. war in den ersten drei "Wochen ganz fieberfrei, biser plötzlich von heftigem Schüttelfrost befallen wurde undhohes kontinuirliches Fieber auftrat; die Wunden sahenblass aus; ein zweiter starker Schüttelfrost brachte denVerwundeten schnell sehr herunter, dazu trat Durchfall auf,und fast unausgesetztes Irrereden stellte sich ein. Es wurdendem H., dessen Puls sehr schwach war, starke Reizmittel, wieKaffee, Wein, gereicht, flüssige Nahrung, wie Fleischbrühe mitFleischextrakt und Ei, daneben grosse Gaben Chinin. Bei einemdritten Frostanfall sank H. in eine tiefe Ohnmacht, ausder er nur mit Mühe wieder geweckt werden konnte. DerKranke war abgesondert worden. Jetzt hörten indessen das Irre-reden, das hohe Fieber, der Durchfall auf, und H. begann gutenAppetit zu bekommen. Anfang Oktober musste ein Eiterherdam Handrücken geöffnet werden, es wurde Eiterung imHandgelenk festgestellt. Aus der Unterschenkelwunde wurdenmehrere Knochenstücke entfernt; der Bruch konnte Ende Oktoberals verwachsen betrachtet werden, eiterte jedoch nach; aus derHandwurzel stiessen sich viele kleine Splitter ab. Zu Neujahrwaren die Finger noch unbeweglich, es begann dann aber lang-sam die Funktion sich herzustellen. Am 30. Januar 1871wurde der letzte, 4 cm lange Knochensplitter aus dem Unter-schenkel gezogen. Der Zustand des Kranken wurde danachvöllig befriedigend. (Vergl. Lücke.)
30. B., vom 2. Garde-Landwehr-Regiment, erhielt einenSchuss in die geballte linke Hand. Die Kugel drang zwischenMittelhandknochen des Daumens und dem des Zeigefingersein, ging schräg durch die Hohlhand, trat am ersten Finger-gliede des Ringfingers aus und schlug den Knochen diesesGliedes so durch, dass er vollständig zerschmettert wurde. DieHandrücken-Schlagader war verletzt; Stillung der Blutung durchTamponade. Während der ersten 8 Tage war der Verlauf einungestörter; dann aber erblassten die Granulationen; B. wurdeunruhig und ängstlich; ein Schüttelfrost stellte sich ein.Behandlung: Dauerndes Wasserbad, Chinin, kräftige Ernährung.Die Erscheinungen nahmen zu, es trat umschriebene Brust-fellentzündung auf, die blassen Gi'anulationen bekameneinen kroupösen Belag. Dabei fast keine Eiterung. Bei anti-septischer Behandlung besserte sich allmälig das Befinden. DieBrustsymptome schwanden, der Belag der Granulationen löste sich,der verschwundene Appetit kehrte wieder, die Wunde zwischenDaumen und Zeigefinger vernarbte rasch. Trotz dieser Besse-rung trat schmerzhafte Anschwellung des Handgelenks auf,der bald Fluktuation folgte (pyämische Handgelenk-entzündung). Nachdem auch diese Anschwellung bis aufein Geringes geschwunden, das Allgemeinbefinden sowie dasAussehen der Wunden wieder normal geworden waren, wurdedie Auslösung des Ringfingers 5 Wochen nach der Verletzungmit Bildung eines oberen Lappens gemacht. Die Operations-wunde heilte grösstentheils per primam. 10 Tage nach derOperation wurde B. nach der Heimath übergeführt. Die Wundenwaren alle fast geschlossen, das Allgemeinbefinden gut; dasHandgelenk noch leicht schmerzhaft.
31. B., verwundet am 30. November 1870: Splitterungdes linken grossen Rollhügels durch Gewehrschuss. In der4. Woche: Durchfälle, hohes Fieber. Die Wunden warenbrandig, mit theerartigen, schmierigen Massen bedeckt undsonderten stark ab. Verschlechterung unter zunehmenden
Durchfällen, öfteren Schüttelfrösten, Irrereden,Erschöpfung. Später änderte sich die Wundbeschaffenle:;,Allgemeinbefinden hob sich, es trat Heilung ein. (Vergl. §Jdieses Bandes, S. 1020, No. 41.)
32. M., verwundet am 6. August 1870: Gewehrscjbruch des rechten Oberschenkels im mittleren Drittel.8. Woche reichliche Eiterung, Durchfall, SchüttelfrJHeilung. (Vergl. Spez. Theil dieses Bandes, S. 1076, No,
33. v. R., verwundet am 16. August 1870: Splittertdes linken Oberschenkels im unteren Drittel durch Gewehrs!Im 3. Monat: Starke Entzündung, reichliche, jauchigeElrung, Schüttelfröste. Im 5. Monat langsame Besser*später Heilung. (Vergl. Spez. Th. dieses Bandes, S. 1096 Xc.if
34. L.: Gewehrschussbruch des rechten Oberschenkelunteren Drittel am 4. August 1870. Im 3. Monat Sehfroste, hohes Fieber, Anschwellung des Kniegelenks.5. Monat geheilt. (Vergl. Spez. Th. dieses Bandes, S. 1099 NaJ
35. Tr., Lieutenant, wurde bei Metz am 18. Augustllverwundet und kam etwa am 24. August nach DaraufDie Kugel trat eine Handbreit über dem Kniegelenk ineben dem Schneidermuskel ein und oberhalb der Kniekidurch den M. semimembranosus wieder aus. Die Wunde ilange Zeit für einen reinen Weichtheilschuss gehalten ntlder einfachsten, zuwartenden Weise behandelt. Erst IMitte des Monats September stärkere Schwellung des Sek«sowie erhöhte Schmerzhaftigkeit auftrat, wurde das Bein malKapsel fest gelagert. Ende September zeigten sich Senneiterherde unter dem Schneidermuskel und gegen das Knienhin, zuweilen trat Fieberbewegung auf. Die Untersuchung^jetzt an der inneren Seite des Oberschenkels eine EntblössnlKnochens von Beinhaut, jedoch auf eine etwa markstückjpfStelle begrenzt, ein ganz kleiner Knochensplitter wurdi|funden. Bisher war das Kniegelenk schmerzlos und igeschwollen. Da den Senkungen nur zaghaft Abfluwird, vergrössern sich die Eiterherde, und der Eiter mischt Iöfters mit Blutgerinnseln. Mitte Oktober schwillt das Knienan und wird in geringem Grade schmerzhaft. Tr. fiebert!haft und nimmt an Kräften ab. Eisüberschläge. Besserung.!Eisblasen werden fortgelassen und durch warme Umschlfclsetzt, alsbald Blutung in die Eiterhöhle und erneute AnweMvon Eis, doch klagte der Verwundete schon über Stiche»(linken Brustseite, woselbst eine Brustfellentzündung!gewiesen werden konnte. Es entwickelte sich auch n|nächsten Zeit Pyopneumothorax, und Tr. schwebte«Zeit in Lebensgefahr, wurde jedoch schliesslich vollständig!heilt. Auch die Beweglichkeit im Gelenk ist erhalten. I'lLücke.)
36. W. K., vom 6. Westfälischen Infanterie-No. 55, aufgenommen am 16. August 1870. K- hatte!Streifschuss am rechten Oberschenkel und einen Schuss Idie Weichtheile des linken Oberschenkels nebst StreifungJHodensackes. K. hatte auf dem Schlachtfelde sehrblutet. Die Wunden am rechten Oberschenkel und ansack heilten ohne wesentliche Erscheinungen, obwohl derJ'lhode entzündlich verhärtet blieb. Die Schussmündungeillinken Oberschenkel lagen etwa in der Grenzlinie z»jmittlerem und oberem Dritttheil des Oberschenkels an oeilderen Fläche desselben. Erträgliches Allgemeinbefinden,!20. an jedoch anhaltendes, wenn auch nicht hohes FieW|den Nächten Schlaf nach Morphium. Appetit gering,innere Schusswunde hatte unterwühlte Ränder, schlaffen l'lund sonderte reichlich dünne, ranzige Flüssigkeit ah. i
imi^mam^m
äiSB-**«5ÖG&
aärSföP
-*~&«-.t;TSt-fc
! ifJ>J>J>J>Jll>J>J>J>J>J>J>J>J>J>J>J>J>J>J>J>J