Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

I

170

II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Band III. Allgei]

gelenks. In den nächsten Tagen lebhaftes Fieber und reich-liche Eiterung. Das Schultergelenk schwoll mehr und mehran. Am 28. August: Aussägung des Schultergelenks. Es fandsich dabei ein Bruch des Oberarmknochens unter dem ana-tomischen Halse mit vielen Splittern. Der Oberarmkopf war un-verletzt, das Gelenk mit Eiter gefüllt. Es mussten im Ganzen9 cm vom Oberarmknochen entfernt werden. Die Kugel fandsich sehr platt geschlagen und in 2 Stücke getheilt hinter demzerschmetterten Oberarmschaft. Lagerung in zwei Tragetüchern.Lister'scher Verband. Am 29. August: H. hat wieder einenSchüttelfrost gehabt. Allgemeinbefinden sehr getrübt. LeichteGelbfärbung. Abends Puls 116. Am 30. August: MorgensPuls 100, Abends Puls 120. Decoct. Chinae mit Acid. sulph.Am 1. September: Morgens Puls 100, Abends Puls 110. Sehrschlechtes Allgemeinbefinden, doch kein Frost mehr. Am T.Sep-tember: Früh 96, Abends 100 Pulse. Allgemeinbefinden bessertsich von Tag zu Tag. Eiter dickflüssig, doch sehr reichlich.Am 15. September: Allgemeinbefinden gut, Wundheilung vor-trefflich. Am 6. Oktober: Unter Fieber und lebhafter örtlicherReaktion entwickelt sich ein Eiterherd am Oberarm, welcher am6. Oktober eröffnet wird. Von nun ab ungestörter Wundverlauf.Mitte Januar 1871 mussten noch zwei tertiäre Splitter- desOberarmknochens von etwa 2 /a cm Länge entfernt werden. EndeMai vollständige Heilung. Endergebniss der Resektion: AktiveBeweglichkeit in der Schulter nicht möglich, dagegen passiveohne Beschwerde nach hinten, aussen und vorn ziemlich er-giebig. Gut geformtes, straffes Gelenk. Reichliche Knochen-neubildung. Hand und Unterarm sehr brauchbar. (Vergl.H.Fischer, No. 201 und V. Bd. dieses Berichtes, S. 403 No. 49.)

11. U. O., vom 1. Badischen Leib-Grenadier-RegimentNo. 109, war am 2. September 1870 auf dem Verbandplatze zuHönheim im rechten Schultergelenke resecirt. Nachdem derselbeins Lazareth aufgenommen, traten häufige asthmatische Anfälleauf. Nach einigen Tagen beträchtliche Nachblutung durchTamponade mit Badeschwamm gestillt. In der zweiten WocheThrombose der linken, später auch der rechten Schenkelvene.Beide mit Einwickelung und Eis behandelt und gebessert. MitteOktober stellten sich von Zeit zu Zeit Schüttelfröste ein mit 40°Temperatur und Stiche auf der Brust; es liess sich umschriebeneBrustfellentzündung und lobuläre Lungenentzündungnachweisen; die Eiterung jauchig und sehr übelriechend. DieSonde führte auf rauhen Knochen; es wurde deshalb Spaltungder Granulationen und Entfernung der Sägefläche des Oberarm-knochens und einiger loser Splitter vorgenommen. DanachBesserung, guter Verlauf und Heilung mit einigermaassen brauch-barem Arm. (Vergl. v. Beck.)

12. G., vom 6. Badischen Infanterie-Regiment No. 114,verwundet am 6. Oktober 1870, wurde am 11. Oktober mitgrosser Wunde in der Höhe des rechten Schultergelenks, hintenüber dem Schulterblatte, übernommen. Der Oberarmknochenim chirurgischen Halse, desgleichen die Schultergräte im äusse-ren Dritttheil gebrochen; die Haut darüber abgestorben, dieganze Umgegend stark infiltrirt. G. fiebert, ist ziemlich hin-fällig. Nach Ablauf des intermediären Stadiums Resektion desschon getrennten Oberarmkopfes und der zersplitterten Schulter-gräte ; Absägung des quer gebrochenen Oberarmknochens. An-binden des gebeugten Unterarms an den Brustkorb. Bald tratsehr reichliche Eiterung mit Senkung gegen den Rücken undOberarm ein. Der Verwundete kam sehr herunter, Schüttel-fröste stellten sich ein. Unter Darreichung von Chinin undAnwendung der Karbolsäure besserte sich der Zustand allmälig;die Kräfte kehrten nach und nach wieder. Als G. im Mai 1871wieder gesehen wurde, hatte sich eine derbe Narbenmasse ge-

bildet. Er konnte schreiben, den Löffel u. s. w. z\bringen, die Hand, wenn auch mit Mühe, auf den KurDer Oberarm konnte nur wenig vom Stamme entfernt ilVor- und Rückwärtsbewegungen gingen besser. (Vergl, Aund V. Bd. dieses Berichtes, S. 400 No. 36.)

13. K., Füsilier vom 3. Hessischen Infanterie-]

No. 83, verwundet am 2. Dezember 1870: 2 Gedurch den linken Oberarm, dicht unterhalb des Schultergimehrfache Zerschmetterung des OberarmknochensGelenk hinein. Aussägung eines 10 cm langen Knochens.)welche den Operirten verhältnissmässig wenig angegr:lauf günstig; am 24. Januar hatte bereits die Veras!grösstentheils bei anscheinend vollständigem Wohlbefindelsichtlicher Kräftezunahme stattgefunden, als mit einem!unter lebhaften Fiebererscheinungen, die CharakteristikSymptome der Pyämie (welche?) unter Störunggemeinbefindens und Verschlechterung der Wunde aDies geschah 5 Wochen nach erfolgter Operation. DerBetalwar bis dahin in einem geräumigen, gesunden Zimmer jwelches seit mehr als 5 Wochen von keinem Kranken bnwar, wo es an frischer Luft und Licht nicht fehlte; nni|bleibt das Auftreten der Pyämie. Ungefähr 12den ersten unzweideutigen Symptomen der Pyämie beganilandauernder Darreichung von Chinin mit Salzsäure weseilBesserung im Allgemeinbefinden und Wundaussehen; ambruar heimwärts befördert mit günstigster Prognose.G. Fischer und V.Band dieses Berichtes, S. 406 No.&|

14. Ein wegen Unterarmbruchs und starker ;entzündung am Oberarm am 27. Tage Amputirtet 1chronische Pyämie und hatte in der 2. bis 5. Wocli|14 Schüttelfröste, welche, mit grossen Dosen Quhandelt, schliesslich ausblieben.

15. U., vom Sächsischen 4. Infanterie-Regiment &|Schuss in den Oberarmknochen am 1. September 1811Oktober: Zunahme der Schwellung und Eiterung, Schillfroste. Ellenbogengelenk geschwollen. Januar 1871 j|(Vergl. Spez. Th. dieses Bandes, S. 848 No. 33.)

16. E. B., vom 1. Garde-Regiment zu Fuss: Schides rechten Oberarms am 18. August 1870. Ende fyAusserordentlich reichliche und übelriechende B;1hohes und anhaltendes Fieber mit raschem Kräfteventllebhaften Schmerzen. Grosse Gaben Chinin. WiederhoI«|ausgedehnte Einschnitte. Am 1. März 1871 mit gesWunde entlassen. (Vergl. Spez. Th. dieses Bandes, S. 853 il

17. S., vom 3.NiederschlesischenInfanterie-RegiiZersplitterung des Oberarmknochens in der unteren!Sehr starke Eiterung und beginnende Pyämie.6. Woche Amputation mittels des einzeitigen Zirkels^Rasche Besserung des Zustandes; ungestörte Heilung.v. Beck.)

18. Soldat, verwundet am 1. Dezember 1870, aufgoßam 6. Dezember: Zwei Schussöffnungen im Ober- undUnterarm, indem beim Anschlage der linke Armspitzen Winkel zum Körper gehalten wurde. Schusskai»!36 cm lang, Ausschuss an der Beugefiäche des UnterCder Nähe des Handgelenks; hier werden lange spder gebrochenen Elle entfernt. Starke Eiterung. BeMI22. Dezember: Starker Verfall. Temperatur über 41geschwollen, roth; sparsame, schlechte Eiterung.Lagerung, Oelwatteverband, täglich 1 g Chinin. 29.1*1Der letzte Frost. Einschnitt eines Eiterherdes all