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II. Kapitel: Wundkrankheiten.
Band III. Allgem.
fektion besonders geeignet sind und darum an und für sichals die gefährlicheren Gliedmaassen wunden gelten müssen, 1 )ist aus den anatomischen Verhältnissen leicht verständlichund namentlich seitens v. Beck's anschaulich geschildert.Derselbe schreibt:
„Die Bedeutung der Gelenkwunden ist in dem anatomischenBau der Gelenke begründet. Diese letzteren bilden nämlichgrosse und ungleiche Flächen, Säcke mit Taschen und Buchten,besitzen harte und weiche Wandungen und sondern von der mitzahlreichen Lymphgefässen versorgten SyDOvialhaut aus inkurzer Zeit eine grosse Menge Flüssigkeit ab, welche leicht eineeitrige Beschaffenheit annimmt. Bei dem Reizungszustand derinneren Sackhaut, welche ihrer histologischen Zusammensetzunggemäss die Eigenschaften der Serosa wie Mukosa theilt, kommtes deshalb zu verstärkter Gefässentwicklung, zu Transsudat ofthämorrhagischer Natur, zu Infiltration und Schwellung der Sy-novialmembran und ihrer Bindegewebsschichten, zu Austrittfarbloser Blutzellen in die Gewebe und in das Innere des Sackes,zur Umwandlung der letzteren in Eiterkörperchen. Sehr häufigbreitet sich die traumatische Entzündung, die Synovitis, raschund heftig aus, und kommt es alsdann zur Vereiterung, selbstVerjauchung. Die Gefässe des Synovialsackes wie der Faser-kapsel und des subserösen Zellgewebes sind sehr überfüllt undausgedehnt, die Gewebe infiltriren sich immer mehr, und inFolge der Geschwulst der ganzen Umgegend wird auch derRückfluss des Blutes in die Venen behindert. Durch den Zu-tritt der Luft in das Gelenk zersetzt sich das in dasselbe aus-getretene Blut und Transsudat; das Ergossene geht rasch inEiterung über, da die Luft, wenn sie auch bei chronischenStörungen weniger schadet, auf die relativ gesunde Synovial-membran einen wesentlichen nachtheiligen Einfluss ausübt. DieSpannung der Kapsel nimmt in Folge der angesammelten Flüssig-keit immer mehr zu, es stellt sich Austritt dünner, eitriger,selbst jauchiger Flüssigkeit ein (synovitis septica), an den ge-schwollenen Wundrändern drängen sich blasse, gelblich ge-färbte, schwammige Granulationen hervor und behindern denAbfluss. Eine Schwellung des umliegenden Zellgewebes,ödematöse Infiltration in Folge der erschwerten Zirkulation, umsich greifende, diffuse Cellulitis mit purulentem, jauchigem Ex-sudate, Nekrotisirung des Zellgewebes, multiple Abszessbildung,Thrombosirung der Venen, Pyämie und Septicämie in Folge derResorption der putriden Stoffe durch die Lymphgefässe, welchesich reichlich in der Synovialmembran vorfinden und einemhohen Druckgrad ausgesetzt sind, oder auch in Folge einesDurchbruchs der Kapsel mit Erguss in die Umgebung undweitere Störungen stellen sich ein. In dem Knochengewebeentwickelt sich gleichfalls in Folge von Quetschung oder Rinnen-bildung oder grösserer Zerstörungen durch Zertrümmerung derfeineren Elemente der spongiösen gefässreichen Substanz etc.Vereiterung, selbst Verjauchung, es löst sich die Beinhaut inder Umgebung des Gelenkes los und ausser der so sehr zufürchtenden Ulzeration des knorpeligen Ueberzuges, der par-tiellen Ablösung, der Usur desselben, dem geschwürigen Pro-zesse im Innern des Gelenkes kommt es zur Nekrose der zer-trümmerten, abgesprengten Knochenstücke; öfters setzt sichauch die Entzündung und Eiterung auf das Knochenmark fortund bewirkt eine eitrige jauchige, diffuse oder circumscripteOsteomyelitis. Schmerzen, Schlaflosigkeit, hochgradiges Fieber,
') Vergl. 7. Kapitel im Speziellen Theile dieses Bandes. — Nachder vorstehenden Uebersicht auf Seite 95 entfallen auf 4085 Gelenk-wunden 618 = 4.5 J, auf 24 385 andere Wunden an den Gliedmaassen925 = 3.8 g nachgewiesene Erkrankungen an Pyämie und Septicämie.
Phlebitis traumatica erschöpfen unter solchen Umständen iPatienten. Es bildet sich hierbei gleichfalls wie bei der sJvitis septica durch Intoxikation des Blutes, durch Aufsannder gesetzten putriden Stoffe Septicämie oder Pyämie |welche das Leben des Verwundeten rasch hinwegraffen, ftjderartigen Verlauf hat man bei der Beeinträchtigung grGelenke des Knie-, Fuss-, selbst auch des Schultergelenkslbefürchten. Art und Sitz der Verletzung, Konstitution iWiderstandsfähigkeit des Verwundeten sind natürlich iEinfluss."
Die Bedeutung der Gefässverletzungen inauf die Entwicklung der Pyämie ward schon an iiiStelle erwähnt; hier verdient noch hervorgehoben zuwer|die Neigung ergossenen Blutes, sich schnell zu zersetiDie Verletzung der Venen ist nach dieser Richtung]gleich gefahrbringend wie die der Arterien, v. LangJbeck hat wiederholt nach Schussverletzungen der Waltheile Pyämie eintreten sehen, wenn die GeschosseVenen verletzt hatten oder auch nur auf ihnen lie«Jgeblieben waren. Im letzteren Falle war die durchReiz des Geschosses bewirkte Thrombose und ihr Zerijderen Wichtigkeit demnächst erörtert werden soll,Bedeutung für die Entwicklung der Pyämie.
Ueber die Häufigkeit pyämischer und septicämiscberljfektionbei den Wunden der einzelnen KörpergegendJalso nach dem Sitz der Verwundung, giebt die Ueberälauf S. 94/95 Auskunft. Dieselbe wird ergänzt durch nastehende, die Pyämie nach Operationen betreffendel[sammenstellung (S. 156/57). Allerdings leidet dieselbenmehr als die erstgenannte Uebersicht unter der erhebliejMenge von Todesfällen ohne Angabe der Todesursache,selbe ist gerade bei den Operationen, welche nach aadriweitigen Mittheilungen die zahlreichsten VerlustePyämie im Gefolge gehabt haben, am grössten. So ist*]941 Todesfällen nach Absetzung am Oberschenkel foriPyämie und Septicämie als Todesursache ermittelt, für idieselbe nicht festgestellt. Die Prozentzahl der TodesäHan Pyämie zur Gesammtzahl der Todesfälle würde,die Zahl der Todesfälle mit unbekannter Todesuraunberücksichtigt, nur 32.5 § betragen. Dieselbe war;unzweifelhaft erheblich grösser. In allen Berichten wird ^tont, dass das ungünstige Ergebniss der Oberschenkell|Setzungen vornehmlich dem verderblichen Einfluss derPyaiund Septicämie zuzuschreiben sei, und es dürfte daher'fehl gegriffen sein, wenn die 431 Todesfälle, deren TottejUrsache nicht festgestellt werden konnte, als ebenfalls Iüberwiegenden Zahl nach durch Pyämie und SepticäBherbeigeführt verrechnet würden.
Ueberhaupt darf wohl angenommen werden, dass *laus der grösste Theil der Todesfälle nach Operaohne Angabe der Todesursache auf Rechnung der Py*und Septicämie kommt.
Jedenfalls wird die Verwundeten-Sterblichkeithaupt (selbstverständlich nach Ausschluss der Gefall»!durch die Sterblichkeit an Pyämie und Septicämie so *!
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