ndlü. Allgem. Theil.
III. Abschnitt: Pyämie und Septicämie.
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eherrscht, 1 ) dass die allgemeine Sterblichkeit geradezu alsrichtigste Gradmesser für die relative Häufigkeit deryämie bei Wunden der einzelnen Körpergegenden undei den einzelnen Behandlungsmethoden erscheint. Vonliesem Gesichtspunkte aus erscheint es am zutreffendsten,linsichtlich der Häufigkeit der Pyämie bei Wunden dererschiedenen Körpergegenden bei operativer und zu-rtender Behandlung auf die allgemeinen Behandlungs-b-gebnisse in den Uebersichten auf Seite 1004 und 1011Speziellen Theile dieses Bandes sowie in dem nach-ehenden Kapitel „Grössere Operationen" zu verweisen.
Der Verlauf der zuwartend-erhaltend behandelten Fälle von
iiftschüssen war wie der der Hüftgelenkaussägungen meist
dtlich: es sind nach Seite 1011 im Speziellen Theile von 97
uwartend behandelten Deutschen 73 = 75.3 $, von 27 Rese-
•ten 25 = 92.6 # gestorben. Die Auslösungen im Hüftgelenk
hrten sämmtlich zum Tode. Ihre Erklärung findet diese
aurige Thatsache darin, dass die meist bald eintretende
chwellung der massigen Weichtheile den Abfluss der Wund-
bsonderung verhinderte und diese, sich schnell zersetzend und
erjauchend, die allgemeine Infektion bewirkte. In fast allen
allen waren Septicämie, Pyämie und Erschöpfung nach lang-
^eriger Eiterung die Todesursachen.
unter denSchussbrüchen des Oberschenkels richtetelie Pyämie ebenfalls entsetzliche Verheerungen an. Von 2282'rartig verwundeten Deutschen starben 1126 = 49.3$; nur347 der Letzteren sind allerdings Pyämie und Septicämie«drücklich als Todesursachen verzeichnet. 2 ) Von der Gesammt-" (2282) wurden 925 mit 46.4 § Todesfällen ohne verstüm-elnde Operation, 201 mit 69.6 ■§ Todesfällen mit verstümmelndereration behandelt. 3 ) Bei den Brüchen mit bedeutender Ver-liehung, erheblicher Verkürzung und weit verbreiteten Reibe-Täuschen pflegte sich alsbald starke Anschwellung und äusserstnchliche Eiterung einzustellen, Knistern wurde in dem mächtig[eschwollenen Schenkel fühlbar und Jauche, welche die Muskeln■eithin unterwühlte, reichlich abgesondert. Schüttelfröste,siehe meist nicht lange auf sich warten Hessen, lieferten denSeweis der Komplikation mit Pyämie. Hatten die Verhältnisse■nmal eine derartige Gestalt gewonnen, so war das Schicksal1 Verwundeten meist entschieden. War von der Absetzungi Gliedes noch Bettung zu erhoffen, so wurde meist amputirt,poch — wie die Operationsstatistik nachweist — zumeist mitgativem Erfolg; bei einer sehr grossen Zahl indessen musstegen ausgesprochener Septicämie und Pyämie von der Ope-ron als einem aussichtslosen Eingriff Abstand genommen»den. So berichtet beispielsweise v. Beck, dass 42 tödtlich"irlaufene Schussbrüche des Oberschenkels aus dem angedeute-1 Grunde nicht amputirt wurden.
Die Behandlung der Kniegelenkschüsse führte gleich-s zu wenig befriedigenden Ergebnissen, und wiederum warendie septischen Infektionen, welchen allgemein die Schuldleran beigemessen wurde. Billroth lässt sich über diesenunkt folgendermaassen aus: „Fast immer stellt sich Eiterungi Ober- und Unterschenkel ein, trotz Einschnitten, Ausspülun-ft, Ausspritzen der Eiterhöhlen nimmt dieselbe grosse Dimen-
') Siehe hierzu die Aeusserung von Klebs nachstehend unterErblichkeit" (S. 168).1 Siehe Spez. Th. S. 985 und zu dem Folgenden ebds. S. 999,• vorstehend S. 154.3 ) Vergl. Spez. Th. S. 1004.
sionen an und wird jauchig. Der Eiter blieb in allen Fällenblutig und jauchig, und in keinem Falle kam es zum Stillstandedes Gewebszerfalls, die Verwundeten verfielen bald früher, baldspäter einem septopyämischen Zustand, der zuweilen noch mitblutig-diarrhöischen Stühlen verbunden war, und gingen unterden schrecklichsten Leiden zu Grunde."
Ganz ähnlich äussert sich H. Fischer: „Die Verwundetenmit Knieschüssen sterben an Pyämie, welche sich in Folge derumfangreichen und tiefen Zellgewebsentzündungen in den Weich-theilen des Ober- und Unterschenkels entwickelt. Dieselbenschleichen sich ganz allmälig ein und meist erst nach Ablaufder ersten Wochen. Sie künden sich durch Störungen desAllgemeinbefindens, gastrische Störungen, Durchfälle, hohes re-mittirendes Fieber u. s. w. an. Die Eiterung wird dabei reich-licher und übelriechend. Nimmt man dann den Verband ab,so ergiessen sich beim Druck über dem Gelenke ganze Strömevon Eiter. Nun ist das Todesurtheil des Verwundeten meistunterschrieben, denn bei einem Einschnitt gelangt man in grosseJauchehöhlen, die unabwendbar den Tod durch Pyämie oderErschöpfung herbeiführen. Jede Behandlungsweise prallt ohn-mächtig von diesen schrecklichen Prozessen ab."
Nach Seite 1011 im Spez. Theile dieses Bandes starben imGanzen von 1428 Deutschen mit Kniegelenkwunden 724 — 50. i $,und zwar von 940 zuwartend Behandelten 367 = 39.o §, von50 Resezirten 44 = 88.0-5, YOn ^38 wegen Verwundung desKniegelenks Amputirten 313 = 71.5 -jy. Bei 107 der unter zu-wartender Behandlung Gestorbenen sind Pyämie und Septicämieals Todesursachen angegeben. 1 )
Die in Folge von Unterschenkelschussbrüchen Ver-storbenen sind gleichfalls meist an Pyämie und Erschöpfung zuGrunde gegangen, doch ist die Zahl der Opfer nicht so grosswie bei den Oberschenkel- und Knieschüssen. Im Ganzen star-ben 812=; 31.6$ der Behandelten, darunter 157 nachgewiesener-maassen an Pyämie und Septicämie. 2 )
Bei den Schussverletzungen des Fussgelenks droht nichtwie bei den Knieschüssen sofort eine stürmische, lebensgefähr-liche Gelenkeiterung; der anatomische Bau ermöglicht es, durchfrühzeitige Einschnitte vor und hinter den Knöcheln einen voll-ständigen Abfluss der Wundflüssigkeiten herbeizuführen. EinigeBerichterstatter wie v. Beck, Billroth und Lücke, habendenn auch mit der rein erhaltenden Behandlung günstige Er-gebnisse erzielt und reden ihr auf Grund derselben unbedingtdas Wort; andere waren nicht so glücklich, ihre Erfolge wurdennicht unwesentlich durch die Pyämie beeinträchtigt. Zwar er-klärt auch So ein es für das Richtigste, zunächst zuwartend zuverfahren und erst zur Aussägung zu greifen, wenn starkeEiterung und Jauchung sich entwickeln. Doch seine Ergebnissesind kaum ermuthigend, denn er verlor unter 18 Verwundetenmit Schussverletzungen des Fussgelenks 6 derselben durchPyämie. Bei einem war sekundär die Resektion gemacht, zweirein erhaltend behandelt, drei wurden nach Eintritt jauchigerEiterung amputirt.
Graf hatte noch ungünstigere Ergebnisse. Er verlor von16 Schussverletzungen des Fussgelenks 10. Bei 9 der Gestorbe-nen war die Todesursche Pyämie. Er bemerkt dazu: „Die meistsehr unschuldig aussehenden verwundeten Glieder wurden durchFeststellung, Eis u. s. w. zu erhalten gesucht. Viele derselbenbefanden sich lange Zeit in gutem Zustande, bis später eitrigeGelenkentzündung auftrat, welche dann entweder zu OperationenVeranlassung gab oder durch rasch ausgebildete Pyämie jedenoperativen Eingriff verbot."
i) Vergl. Spez. Th. S. 671.
2) Näheres siehe im Spez. Th. S. 1064, 1011, 1120.
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