nd III. Allgem. Theil.
III. Abschnitt: Pyämie und Septicämie.
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rundete erlag der Pyämie. Im zweiten Falle (S.964 No.276)andelte es sich um einen Verletzten, welcher bei starkeralte ein wollenes Hemd in Gebrauch nahm, welcheseinem stark schwitzenden, sterbenden Pyämischen aus-sogen war. Am Tage darauf stellte sich auch bei ihmchüttelfrost ein, der sich achtmal wiederholte und denIngesteckten tödtete.
Heut steht fest, dass die Art der Wundbehandlung
uen hervorragenden Einfluss auf das Entstehen der Sepsis
eülrt hat, und mit dieser Thatsache verknüpft sich eng
lie zuversichtliche Hoffnung, dass es in Zukunft der anti-
eptischen Methode gelingen wird, die Zahl der Opfer, welche
Pyämie bisher gefordert und die im Kriege 1870/71
otz aller Bemühungen der Aerzte, trotz der bedeutenden
Verbesserungen in der Verwundetenpflege, nicht wesentlich
eschränkt worden ist, um ein Erhebliches herabzumindern.
Inwiefern konstitutionelle Einflüsse und das
jebensalter, die sonst wohl als von Wichtigkeit für die
ntstehung der pyämischen Fieber genannt werden, eine
rädisposition abgeben können, kann aus den Beobachtungen
ies Feldzuges nicht erschlossen werden, weil das Beob-
chtungsmaterial fast durchgehends aus kräftigen jungen
(ännern sich zusammensetzte. Von vornherein indessen
scheint es sehr annehmbar, dass auch derartige Umstände
pht ohne Einfluss geblieben sind.
Es sind demnach der Schädlichkeiten gar viele, die
einem mehr oder weniger engen ursächlichen Zusammen-
mit der Pyämie unter den Verwundeten der Deutschen
eere erkannt wurden und denen man in Folge dessen
nen Einfluss auf ihre Entwicklung zuschrieb. Da sich
doch auch septicopyämische Erkrankungen entwickelten,
denen jeglicher Einfluss innerer und äusserer Schädlich-
eiten scheinbar fehlte, bei Verwundungen, welchen auf
rund allgemein anerkannter günstiger Verhältnisse die
■te Vorhersage gestellt werden konnte, kam die Mehr-
hl der damaligen Beobachter zu der Ansicht, dass der
hfluss der vorerwähnten Schädlichkeiten auf das Auf-
pten oder Nichtauftreten der Pyämie erst in zweiter
nie von Wichtigkeit sei, während dasselbe vorzugsweise
on der Art der Verwundung und des verwundeten
rgans abhänge.
Schüller vergleicht die Zahl der in der Behandlungon Maass, Rupprecht und Stromeyer nach Schuss-rietzungen an Pyämie Verstorbenen mit seinen Todes-Uen an Pyämie. Es starben durchschnittlich 45 ■&.eses gleichbleibende Verhältniss ist ihm, da die An-»me ganz gleicher sonstiger Verhältnisse nicht wohlklich, der Beweis, dass die Ursachen der Pyämieder Natur der Verletzung selber lagen. KirchnerV- „Man ist gewohnt, die Ursachen des Auftretens derf mie in äusseren Schädlichkeiten, besonders hygienischerrt . zu suchen, und vergisst dabei, dass auch der Krankeian Antheil hat. Schwere Knochenverletzungen sindund für sich leicht tödtlich, meist unter den Er-
| Sanltttt s-Bericlit Über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Tbeil.
schein ungen. die man unter dem Krankheitsbilde derPyämie zusammenfasst, und es ist fraglich, ob sie nichtdem Krankheitsverlaufe solcher Verletzungen in gewissemSinne eigenthümlich sind, so dass nur ihre relative Häufig-keit von äusseren Umständen abhängt." Billroth behauptet,das Auftreten der Pyämie sei an erkennbare Verhältnissegebunden, und die Bedingung zu ihrer Entstehung ent-wickele sich nur zu gewissen Zeiten und bei ganz be-stimmten Arten von Verletzungen. Er ist mit dieser Be-hauptung wohl zu weit gegangen, indessen steht so vielfest: Fälle sogenannter occulter oder spontaner Pyämie,in denen die Allgemeininfektion nicht aus einer primärenörtlichen Infektion hergeleitet werden konnte, sind währenddes Feldzugs nicht beobachtet worden, immer war eineeiternde Wunde die Ursprungsstätte.
Einfache Schusswunden der Weichtheile ohne Ver-letzung wichtiger Gefässe haben, wenn sie alsbald sorgfältiggereinigt, von eingedrungenen Fremdkörpern befreit, ineinfacher Weise verbunden, kurz sachgemäss behandeltwurden, nur selten Pyämie im Gefolge gehabt; dieselbegesellte sich mit Vorliebe zu den schweren Verletzungen,und die Gefahr der septischen Infektion wuchs mit derAusdehnung der Verletzung der Weichtheile sowohl, wievornehmlich der Knochen und Gelenke. 1 ) Von den 925 Er-krankungen an Pyämie und Septicämie, welche gemäss derUebersicht auf Seite 94/95 bei Wunden der Gliedmaassen(mit Ausschluss der Gelenke) bekannt geworden, entfallenlaut den Einzeltabellen im Speziellen Theile dieses Bandesnicht weniger als 752 auf die 9643 Schussbrüche der Glied-maassen, 50 auf die 3082 Knochenverletzungen ohne Bruch,51 auf die 3610 genauer berichteten Weichtheilwunden und72 auf die 8050 Gliedmaassenverletzungen von zweifel-haftem Charakter.
H. Fischer führt in seinen kriegschirurgischen Er-fahrungen aus (S. 189), dass dies ganz besonders fürdie Oberschenkelschussbrüche zutrifft. Er sagt: „je um-fangreicher die Zerreissung der Muskeln, je grösser dieZahl der Splitter, je unreiner die Wunde durch fremdeKörper und Blutergüsse, desto mächtiger und zerstörendertreten die tiefen Zellgewebsentzündungen und Vereiterungender Weichtheile ein. Wer in der Lage gewesen, frische Ober-schenkelbrüche anatomisch zu untersuchen und sich vonder entsetzlichen Zerstörung der benachbarten Weichtheilezu überzeugen, wird dies begreiflich finden. In FolgeSchwellung der Weichtheile durch Verklebung der Wund-öffnungen kommt es, je unregelmässiger die Zerreissungen,um so leichter zur Verhaltung zersetzter Wundflüssigkeitenund infizirender Stoffe. Es bilden sich Eiter- und Jaucheherdeund von ihnen aus nimmt die Allgemeininfektion ihrenUrsprung."
Dass Schusswunden der Gelenke für septische In-
] ) Vergl. die Tabellen und den Text in den einzelnen Kapitelndes Speziellen Theils dieses Bandes. — Siehe auch vorstehend S. 22.
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