Band III. Allgem. Theil.
II. Abschnitt: Hospitalbrand und Wunddiphtherie.
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eine starke Blutüberfüllung der Lungen, geringes Oedem der-selben und etwas weites, schlaffes und blasses Herz. Der Toddes Patienten ist auf keine Weise mit der Unterbindung inZusammenhang zu bringen, sondern wohl mehr als unglück-licher Zufall aufzufassen, hervorgerufen durch die Anstrengungender Athmungsorgane, welche Störungen im kleinen Kreislaufbedingten, die auszugleichen das veränderte Herz nicht imStande war. Hervorzuheben ist der rasche und entschiedeneErfolg der Operation auf die Eeinigung des Geschwürs."
Die Fälle, in welchen wegen Hospitalbrandes dieAbsetzung von Gliedern vorgenommen werden musste, sindnicht zahlreich. Im Ganzen sind 24 solche Vorkommnisseermittelt, von denen nur 6 zum Tode führten, meist durchPyämie. Von besonderer Wichtigkeit ist es, dass in derüberwiegenden Zahl der Fälle die Operationswunden nichtbrandig wurden. Andererseits wurde bei 19 Mann, welcheaus anderen Gründen eines Gliedes beraubt werden mussten,die Amputationswunde von Hospitalbrand ergriffen; vonihnen starben 7 und zwar waren diese sämmtlich am Ober-schenkel amputirt.')
ij In der Tabelle XXII der Operations-Statistik (S. 96*) sindbei den 2873 Deutschen Amputirten 28 Erkrankungen an Hospital-brand mit 7 Todesfällen aufgeführt. Nur bei 9 derselben, welchesämmtlich geheilt sind, geschah die Gliedabsetzung nach Ausbruchdes Hospitalbrandes und anscheinend wegen desselben; die übrigen19 (darunter die 7 Gestorbenen) sind die oben Erwähnten, bei denender Hospitalbrand erst nach erfolgter Operation zum Vorschein kam.15 andere Gliedabsetzungen wegen Ilospitalbrandes (mit 6 Todes-fällen) sind theils in den Lazarethberichten, theils in der Litteraturohne Namensangabe mitgetheilt.
Hautüberpflanzungen an gereinigten hospital-brandigen Wunden wurden mehrfach, bis zu der Anzahlvon 200 an einer Wundfläche, mit dem besten Erfolge aus-geführt.
Fasst man die Behandlungsergebnisse kurz zusammen,so dürfte auszusprechen sein, dass unter dem Gebraucheder antiseptischen Verbandmittel (übermangansaures Kali,Chlorwasser, Alkohol und Karbolsäure) im Vergleich zuden Erfahrungen aus früheren Kriegen weitaus günstigereErfolge bei der Behandlung des Hospitalbrandes erzieltworden sind. Insbesondere gestaltete sich die Vorher-sage der Gliedabsetzungen bei Hospitalbrandigen wesentlichbesser. Die Fortschritte der antiseptischen Wundbehandlungwerden den Hospitalbrand zweifellos in noch weit grösseremMaasse beschränken, vielleicht gänzlich ausrotten.
Bei der ätzenden Behandlung, welche durch An-wendung sicherer Antiseptica beim Beginn der Hospital-brand-Erkrankung vielfach beschränkt wurde, erwiesen sichChlorzink und rauchende Salpetersäure zweifellos von dem-selben Nutzen wie das Glüheisen; bei gleicher Wirksamkeitbesitzt die Salpetersäure gegenüber dem Chlorzink denVorzug geringerer Schmerzhaftigkeit während und nachder Anwendung.
In der innerlichen Behandlung war Chinin als fieber-widriges Mittel beim Hospitalbrand wirksamer als bei derWundrose; im Uebrigen beschränkte man sich durchwegauf symptomatische Behandlung, möglichst kräftige Diätund Verabreichung von Wein.
IV. Sterblichkeit.
Dank der wirksamen Vorbeugung und Behandlung wardie Sterblichkeit unter den Hospitalbrandigen im Durch-schnitt eine geringe. Wenn dieselbe sich auch nach derUebersicht auf S. 94/95 auf 25 £ der Erkrankten zu belaufenscheint, so gilt doch von dieser Zahl das Nämliche, wasvorstehend auf S. 108 betreffs der scheinbaren Sterblichkeitnach Wundrose gesagt ward.
Fälle, in welchen die Krankheit allein den Tod ver-ursachte, sind ganz vereinzelt. In einem derselben warenp wiederholte Blutungen (Reservelazareth Liegnitz), ineinem zweiten (Reservelazareth Schwetzingen) Erstickungs-erscheinungen in Folge von tiefer Zellgewebsentzündung amHalse, welche den tödtlichen Ausgang herbeiführten. EinSchussbruch des Hüftgelenks (III. Bd., Spez. TL, S. 760fo. 91), bei welchem durch das überflüssige Suchen nachdem Geschoss eine bedeutende Blutung mit nachfolgenderErschöpfung entstanden war, nahm unter Eintritt von»imddiphtherie einen tödtlichen Verlauf. Bei einer kleinenZahl von Verwundeten erfolgte der Tod im Anschluss anHospitalbrand, kurze Zeit nach Reinigung der Wunden,
durch Pyämie oder Septicämie. Dahin gehören die Fälle81 S. 422, 96 S. 538, 13 S. 573, 46 S. 819, 66 S. 820, 42S. 930, 170 S. 1046, 355 S. 1082, 99 S. 1155 im SpeziellenTheile dieses Bandes. Fischer theilt mit, dass bei einemBrandigen das tödtliche Ende durch Wundstarrkrampf ein-getreten sei. Bei fast allen diesen und anderen Gestorbenenhandelte es sich um Seh wer verwundete, deren Leben vonvornherein bedroht war; bei einem Theil derselben bleibtes dahingestellt, ob nicht bereits vor dem Eintritt derWunddiphtherie Sepsis bestand. Lücke verlor einen Ver-wundeten an Hospitalbrand und Knochenmarkentzündungder Elle (vergl. Spez. TL, S. 964 No. 274), v. Beck einenanderen an Wunddiphtherie und brandiger Rose (vergl.Spez. TL, S. 1188 No. 233).
Die meisten Opfer forderte der Hospitalbrand inArs s. M., woselbst in der dortigen Gendarmeriekasernevon 14 erkrankten Verwundeten, darunter zumeist Operirte,11 starben. Eine grössere Zahl von Todesfällen kam inBazeilles kurze Zeit nach der Schlacht bei Sedan vor;die Gestorbenen litten jedoch gleichzeitig an Septicämie.
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