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II. Kapitel: Wundkrankheiten.
Band III. Allgem. TheJ
Erfolg bei dem einzigen in Mannheim ihm vorgekommenenFalle von Hospitalbrand.
Chlorzink wurde auf König's Eath im BerlinerBarackenlazareth im grössten Maassstabe angewandt. NachHeiberg's Mittheilung war die Anwendung folgende:Das Chlorzink wurde in so wenig Wasser gelöst, dasses eine öldicke Flüssigkeit darstellte. Die Lösung musstefür jeden Fall frisch bereitet werden, weil sie selbstbei ziemlich sorgfältigem Verschluss leicht Wasser anzogund an Mächtigkeit der Wirkung einbüsste. In diese Lösungwurden mit den Fingern, deren Oberhaut dadurch nichtlitt, Baumwollbäuschchen getaucht, vollständig damitgetränkt und schliesslich leicht ausgepresst. Die Tupf-ballen legte man bei flachen Wunden ohne Weiteres, beiUnterhöhlungen nach Ausführung hinreichender, grosser Ein-schnitte auf, so dass das Mittel auf einmal mit der ganzenWunde in Berührung kam und während 15 Minuten mitBinde oder grösseren Wattebäuschen angedrückt werdenkonnte. Die bei den Einschnitten entstehenden Blutungenwurden durch kaltes Wasser und durch die Beizung selbstgestillt. Nach der Beizung blieben die Wunden 12 Stundenmit Oel verbunden und erhielten dann bis zur Heilung lau-warme Wasserumschläge ohne weiteren Zusatz, vier Maltäglich. Der durch die Beizung gebildete Aetzschorf pflegtesich vom 3. bis zum 11. Tage abzustossen, häufig unterSchmerzen und Fiebererscheinungen; die Abstossung wurdesich selbst überlassen. In den meisten Fällen und be-sonders, wenn die Wunden erweitert werden mussten,wurden die Kranken chloroformirt, in einigen leichtenFällen aber wurde nur ein halber Gran Morphium unterdie Haut gespritzt, und viele Verwundete zogen das letzterevor, wenn sie früher chloroformirt worden waren. DieAnwendung des Chlorzinks hat Heiberg in keinem Falleversagt. So ein ist der Ansicht, dass die Aetzungen mitChlorzink an Sicherheit der Wirkung und Bequemlichkeitalle anderen übertreffen und dass in Zukunft dieses Mittelin erster Linie zu berücksichtigen sei. Fischer hingegensagt: „In Berlin sah ich mit Chlorzink ätzen, konnte in-dessen keinen besonderen Vortheil in diesem Verfahrenentdecken."
Zum Glüheisen nahm Lücke in Darmstadt seineZuflucht. Graf schrieb aus Düsseldorf: „In besondershartnäckigen Fällen, namentlich wo Knochen in den Zer-störungsprozess hineingezogen waren, leistete das Glüheisen,oft die einmalige Anwendung desselben, ausgezeichneteDienste". So ein sprach sich dahin aus, dass er demGlüheisen immer den Vorzug geben würde, wenn seineAnwendung nicht so umständlich wäre. Hingegen wurdenaus mehreren Lazarethen ungenügende Erfolge von derAnwendung des Glüheisens berichtet und hervorgehoben,dass unter dem Schorf der Hospitalbrand weiter in dieTiefe vorgedrungen sei. Fischer hält das Glüheisen fürdas schlechteste Aetzmittel; die Vortheile desselben er-scheinen ihm in keinem Falle so hervorragend, dass man
ihretwegen in den Kriegsspitälern mit glühenden OfiJgabeln in den Wunden herumarbeiten sollte. Eiseilchloridlösung 1 ) wurde nur vereinzelt zu AetzumJbenutzt (Reservelazareth Oldenburg und Bützo\r|ebenso Chlorkalk. 2 ) Anhangsweise sei erwähnt,während der Belagerung von Strassburg imHopital militaire nach Aussage Französischer Aerzte Ieinzelnen schweren Fällen von Hospitalbrand, in welclalselbst Salpetersäure und Glüheisen erfolglos blieÜCitronensaft allein von Wirksamkeit war. (ChemlS. 478.)
Zur Stillung der Blutungen, welche, wieoben erwähnt, in Folge von Hospitalbrand verhälfa&lmassig sehr selten in bedrohlicher Weise auftraten, <Jnügten meist Aetzmittel, insbesondere Eisenchlorid, urlnachfolgendem Druckverband; selbst arterielle Blutung«!aus grösseren Aesten wurden auf diese Weise erfolgreiilbekämpft. In anderen Fällen wurde FingerdruckAderpresse mit dauerndem Erfolge angewandt. Gefa»|Unterbindungen am Hauptstamm führte man wegen Hospbrandes nur sehr wenige aus, einzelne mit günstigem Eilfolge. 3 )
Im Anschluss hieran möge ein Fall eigener Art aildem Reservelazareth Ludwigslust Platz finden, in welcherdurch Unterbindung des zuführenden Gefässstammes Heilrajeines hospitalbrandigen Geschwürs erfolgte, während gleichzeitig die Erscheinungen allgemeiner Sepsis rückgängiwurden. Der dirigirende Arzt obengenannten Lazarett.Dr. Uterhart, berichtet:
„Ein Verwundeter (Bayer), bei welchem in Saarbrüctiileine Amputatio transcondyloidea vorgenommen war, tarn mnicht vollständig vernarbter Wunde nach Ludwigslust. AIdieselbe fast ausgeheilt war, wurde er von Hospitalbrand btlfallen. In kurzer Zeit war der Stumpf in ein grosses Ufarbenes Geschwür verwandelt, welches besonders auhinteren Fläche des Oberschenkels sich ausbreitete; dabeib(-|stand sehr hohes Fieber. Trotz aller Bemühungen stauJ (tödtliche Ausgang durch Septicämie bevor. In diesem wlzweifelten Falle versuchte ich ein von Neudörfer empfohlen«!und von Fischer befürwortetes Verfahren, das bis jetzt, sviel ich weiss, zur Begrenzung des Brandes noch nicht an-lgewandt worden ist. Ich unterband die Schenkelschlagdicht unterhalb des Poupart'schen Bandes. Der Erfolg «|ein rascher und augenfälliger; schon am 2. Tage reinigdas Geschwür und das Fieber verlor seine Höhe; vom 4. ls.-lan war der Kranke vollständig fieberfrei, die Geschwürsfläcl»!rein und mit frischen Granulationen bedeckt. Appetit wlsubjektives Wohlbefinden hatten sich eingestellt und wir liattt:|die feste Ueberzeugung, dass sich der Kranke rasch erholen!würde. Am 7. Tage nach der Operation, kurz nach der aliehen Visite, bei welcher der Verwundete sich vollständigbefunden, blies derselbe mit Anstrengung aller seiner Kräfte <•Luftkissen auf, auf dem er ruhte, und stürzte plötzlich u-leinem Aufschrei todt hintenüber. Die Leichenöffnung' erf
i) Vergl. III. Bd., Spez. Th., S. 732 No. 106.
2 ) Vergl. III. Bd., Spez. Th., S. 943 No. 133.
3 ) Vergl. Tabelle XXII der Operations-Statistik (S. 97*)