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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
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II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Band III. Allgem. Theil.

Bei der Epidemie in Amiens fiel die Zeit der Er-krankung durchschnittlich in die ersten 8 Tage nach derVerwundung, nur bei 3 Mann 2 bis 3 Wochen nach der-selben. In den Reservelazarethen traten die Hospitalbrand-erkrankungen vielfach innerhalb der 4. bis- 6. Woche nachder Verwundung auf, vereinzelt nach 2 bis 4 Monaten.

Im Feldspital Neuberghausen fielen unter 32 Fällendie meisten Ansteckungen in die Zeit vom 11. bis 28. Tage,6 zwischen den 1. bis 9., je eine am 42. und 66. Tage desAufenthalts im Lazareth.

Die Rückfallsfähigkeit des Ilospitalbrandes fandinsofern Bestätigung, als vielfach nach unvollkommenenAetzungen das rasche Wiedererscheinen desselben vonNeuem offenkundig wurde. Eigentliche Rückfälle an gutgranulirenden Wundflächen nach längerer Zeit kamen imGanzen selten vor. Ganz vereinzelt sind Beobachtungenvon mehrmaliger Wiederkehr.

Beobachtung aus den Reservelazarethen zuKarlsruhe (Socin):

12. A. C, vom 3. Garde - Grenadier - Regiment (KöniginElisabeth), verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte:Schussbruch des linken Unterschenkels mit grossem Substanz-verlust der Weichtheile und Knochen. Bei seiner Aufnahme,am 4. Oktober ist die an der Wade gelegene Ausgangswundezackig ausgerandet und mit einem gelblichen pulpösen Breigefüllt; die Umgebung stark geschwollen. Vier Tage langFieber. Rasche Besserung durch häufige Verbände mit starkenKarbolsäurelösungen. Am 30. Oktober zeigten sich mit plötz-lichem hohen Fieber die gleichen Veränderungen an derselbenWunde. Am 4. November Ueberführung in die Turnhallen-baracke No. 1. Die Wunde ist thalergross mit nekrotischemBelag, fahlen, stark aufgeworfenen Rändern. Die vorderegrosse Wunde noch ganz rein. In den nächsten Tagennimmt die hintere Wunde bedeutend an Umfang zu. Aucham oberen Winkel der vorderen Wunde zeigt sich der ätzendeBelag. Der Kranke wird in die Brandbaracke gebracht, seineWunde mit 30 prozentiger Karbolsäurelösung verbunden. Am1. November wegen bedeutender Karbolvergiftung Behandlungmit Eisenchloridlösung (40 ° R.). Rasche Besserung des Aus-sehens der Wunden, welche unter wieder aufgenommenerKarholbehandlung den 19. November ganz rein sind und schöngranuliren. Am 6. Dezember bei der Ablösung eines tiefenSchienbeinbruchstücks belegt sich die Wunde wieder, 20proz.Karbollösung. Nach 3 Tagen Besserung.

Im Feldspital Neuberghausen wurden von 39 Hospital-brändigen einer 2 mal, zwei 3 mal ergriffen; die Rückfälleerfolgten in einer Zwischenzeit bis zu 39 Tagen.

In der Krankengeschichte No. 108, S. 109 des SpeziellenTheils dieses Bandes wird ausgesprochen, dass die Wund-heilung öfters durch diphtherischen Wundbelag unter-brochen wurde. Eines Rückfalls thun ferner die Kranken-geschichten 76, S. 858 und 112, S. 1159 Erwähnung.

Nur im Reservelazareth Düsseldorf (Graf) sah man,dassin fast allen Fällen Rezidiv in der Operations-wunde eintrat."

Von keiner Seite wurde behauptet, dass die Rückfällteinen schlimmeren Verlauf nahmen, als die ursprünglich |Erkrankung.

Betreffs der Rückfälle in Amputationswunden siehe|Behandlung".

Die durchschnittliche Dauer der Hospitalbrand- 1Erkrankungen lässt sich bei der grossen Verschiedenheitder Erkrankungsformen und der Behandlungsweise sowie!aus Mangel an entsprechenden Angaben nicht berechnen;[ungefähr dürfte die mittlere Zeitdauer zwischen 1220 Tagen liegen, in seltenen Fällen verstrichen einige|Monate, bis Reinigung und Vernarbung erfolgten. (Ludwig-[burger Reservespital.)

Der Heilungsvorgang verlief nach Reinigungder Wunden allgemein durchaus günstig. Einige Iwar nach hospitalbrandiger Erkrankung von Schaft- oderlGelenkresektionswunden die Erneuerung des Knockengewebes eine unvollkommene. Dagegen bestätigte sich Imehrfach der Erfahrungssatz, dass nach Ablauf des Hospital!brandea die Wundheilung auffallend rasch vor sich gelselbst weit ausgedehnte Verluste von Weichtheilen noberflächlicher Knochenzerstörung vernarbten in der vokommensten "Weise. Nur eine Beobachtung liegt vor, dawegen umfangreichen Gewebsverlustes der Weichtheile ekelverstümmelnde Operation erforderlich wurde und zwar ans!dem Reservelazareth No. 1 in Frankfurt a. M., woselbst]wegen weitgehender Zerstörungen am Vorderarm die|Absetzung des Oberarms gemacht werden musste.

Besondere Beachtung verdienen noch einzelne ßachtungen über Heilung hospitalbrandiger Wunden ohnelbesonderen, gegen die Erkrankung gerichteten Eingriff.

Schinzinger theilt einen Fall von Hospitalbranä Ian einem Amputationsstumpfe mit (ReservelazaretllSchwetzingen, Januar 1871); v. Bergmann rieth da» IGlüheisen, Simon eine Lappenüberpflanzung; Schinzingeilverfuhr zuwartend mit Anwendung von Ölkompressenfeuchter Wärme; es erfolgte Losstossung des zerfallenen|Gewebes und danach rasche Heilung.

Schüller erwähnt 5 Fälle von pulpösem Brand aitjdem Reservelazareth in der Kriegsschule zu Hannover. Die|Kranken wurden abgesondert und die Wunden häufigChlorwasser verbunden; danach begrenzte sich der Prozeslbinnen 10, 12 und 21 Tagen, indem sich die brandige«Massen durch Enzündung abstiessen. Das Fieber dauerte|in diesen Fällen bis zur Vollendung der Abgrenzung,

Unter den Allgemein - Erscheinungen warFieber am regelmässigsten vorhanden und vorherrsche»!Diejenigen Erkrankungen, welche fieberlos verliefen, ware«|alle leicht (Heiberg, Berliner Barackenlazareth). ^ 01verschiedenen Seiten (Fischer, Socin) wird übere»|stimmend berichtet, dass zuerst die örtlichen WlVeränderungen auftraten und dann die ErhöhungKörpertemperatur am 2. oder 3. Tage folgte; beiEpidemie in Amiens und sonst vielfach gingen allgemein'!