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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
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Band III. Allgem. Theil.

II. Abschnitt: Ilospitalbrand und Wunddiphtherie.

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splittern. Eitersenkung nach unten von der Wunde, Spaltung.Abnahme der Eiterung. Zunehmende Vernarbung. Am 12. Ok-tober: Schmerz in der Umgebung der Wunde, Fieber. Am14. Oktober: diphtherischer Belag. Wundfläche nimmt in dennächsten Tagen geschwürige Beschaffenheit an. ZunehmendeVergrösserung bis 20. Oktober, wo grosse Fetzen von Haut,Zellgewebe, Muskeln und Fascien sich abstossen und Darmbeinvom oberen bis zum unteren vorderen Stachel vollkommen freiaus der nunmehr über handbreiten Geschwürsfläche hervorragt.Am 30. Oktober nimmt das Geschwür die ganze nach untenvom Nabel befindliche Bauchseite ein und greift auf die rechteLeiste über, bat 6 cm Breite und 5 cm Länge; in Mitte desGeschwürs ein vom Darm gebildeter Kegel, nur bedeckt vomBauchfell. Am 31. Oktober Durchbruch. Austritt von grosserKothmenge. Schon nach 2 Tagen Stuhlentleerung auf normalemWege und von da ab nur spärlicher Kothaustritt aus der Fistel.Von nun an stetige Verkleinerung des grossen Bauchgescbwürs;Granulationen; rasch fortschreitende Vernarbung von denRändern aus. Sequestration der blossgelegten Oberfläche desDarmbeins. Zunehmende Besserung des Allgemeinbefindens.Am 21. März fast vollständige Vernarbung, der Kranke kannohne Beschwerden gehen. Stuhlgang ganz regelmässig aufnormalem Wege. — Die Kothfistel, aus welcher auch beiaufrechter Haltung des Körpers nur selten und wenig Fäkal-masse austritt, stellt eine von halbmondförmiger strafferNarbenmasse begrenzte, erbsengrosse, röthliche, erdbeerartigeHervorwölbung dar, hergestellt von der vorgefallenen links-seitigen Darmwand. In diesem Zustand bei vollkommen gutemAllgemeinbefinden wird der Kranke bei Auflösung des Spitalsam 11. April in das Ludwigsburger Militärspital über-geführt. (Württemberg. Korrespondenz-Blatt 1871, Seite 60.)

Bei Anwesenheit mehrerer Wunden an ein und dem-selben Individuum befiel der Hospitalbrand keines-wegs alle Wunden zugleich oder nacheinander; häufigkam es vor, dass nur eine Schussöffnung erkrankte,während der Kanal und die andere Oeffnung frei bliebenund ungestört heilten. Unter Anderem kam in einemFeldlazareth zu Le Mans bei einem dreifach Verwundetennur an einer Wunde Hospitalbrand zum Ausbruch, trotzdemder Mann sich längere Zeit in sehr heruntergekommenemZustande befunden hatte.

Fischer berichtet einen Fall, in welchem von 4 gleich-zeitig vorhandenen Wunden bei einem Soldaten anfänglichnur 2 hospitalbrandig wurden; später erkrankte noch diedritte, während die vierte dauernd frei blieb, obwohl geradein der Zeit der hospitalbrandigen Infektion ein grössereroperativer Eingriff an ihr nöthig wurde. Auch von Lückeliegt aus dem Eeservelazareth Darm Stadt eine Beobachtungvor, aus welcher hervorgeht, dass trotz grosser brandigerZerstörung um die Eingangsöffnung sowohl die Ausgangs-öffnung als eine Einschnittwunde verschont blieb.

Hinsichtlich der Art der Verwundung, der Eingangs-oder Ausgangsöffnungen sowie der Beschaffenheit der Wund-nächen fand sich die alte kriegschirurgische Erfahrung be-stätigt, dass jede Wunde jederzeit von Hospitalbrand er-griffen werden kann; er befiel Weichtheilwunden, Knochen-verletzungen, frische Operationswunden und ältere, granu-lnende Wundflächen; nicht selten wurden fast vernarbte

Wunden infizirt (Feldlazareth Pithiviers, ReservelazaretheLudwigsburg, Jüterbog, Bützow, Simmern, Reichen-bach, Görlitz, Insterburg, Braunsberg, Neuberg-hausen bei München (4 Fälle). Bei einem in Privatpflegebefindlichen Grenadier (Spez. Th., S. 388, No.2) war dieWunde bereits fast ganz verheilt, als sie plötzlich wieder-aufbrach und ausgesprochenen Hospitalbrand zeigte. Auchbei St. (Spez. Th., S. 1022 No. 50) brach im 4. Monatdie Eingangswunde wieder auf und verwandelte sich in eindiphtherisches Geschwür mit stark entzündeter Umgebung,das in 3 Monaten von Neuem verheilte. Bemerkenswerthbleibt die Beobachtung aus dem Reservelazareth Düssel-dorf, dass Hospitalbrand dort meist Leute mit leichterenFleischschüssen ergriff, die schon einige Zeit im Lazarethverweilten und welchen mit Rücksicht auf die geringereBedeutung der Verwundung nicht die besten Zimmer an-gewiesen waren; ähnliche Beobachtungen machte man inden Reservelazarethen Hannover und Wunstorf. Inanderen Lazarethen wurden auch Fistelöffnungen undDruckbrandgeschwüre vom Hospitalbrand heimgesucht.

Trotzdem lässt die Uebersicht über das Gesainmt-material nicht verkennen, dass schwere Verwundungen,insbesondere Schussbrüche, bei Weitem häufiger befallenwurden als leichte. Von den 127 Erkrankungen anHospitalbrand und Wunddiphtherie, welche bei Wundender Gliedmaassen (ausschliesslich der Gelenkwunden) gezähltsind (vergl. Uebersicht auf S. 94/95), entfallen 81 auf Schuss-brüche, 9 auf Knochenverletzungen ohne Bruch, 13 aufWunden, bei denen eine Knochenverletzung zweifelhaftblieb, 24 auf Weichtheilwunden. (Vergl. die Tabellen inden einzelnen Kapiteln des Spez. Th. dieses Bandes.)Die Erklärung dafür wird unschwer in den vorstehend aufS. 22 Anmerk. 1 angedeuteten Umständen zu finden sein.

Von den verschiedenen Körpertheilen waren esvorzugsweise die Gliedmaassen, an welchen die Wund-komplikation auftrat; auffallend selten war der Rumpf Sitzder Erkrankung und von diesem zumeist der Rücken unddie Gesässgegend, ein einziges Mal der Hals, ganz ver-einzelt die vordere Bauch- und Brustwand. Auch bei denKopfwunden haben sich nur 5 Mittheilungen über Hospital-brand auffinden lassen.

Hinsichtlich des Zeitpunktes der Infektion und derInkubationsdauer ist bemerkenswerth, dass Hospitalbrandan frischen Operationswunden schon nach 24 Stunden voll-kommen entwickelt war; so z. B. in pulpöser Form nacheiner Sequestrotomie beim 12. Feldlazareth XIII. Armee-korps in Bazoches.

Bei den ersten Hospitalbrandfällen, welche nach denSchlachten bei Spicheren und Wörth zur Beobachtungkamen, stand der Erkrankungsvorgang 4 bis 5 Tage nachder Verwundung bereits in vollkommenster Entwicklung.In der Gendarmerie-Kaserne zu ArssurMoselle kam beiden Amputationswunden und Schussverletzungen schon nach3 Tagen Hospitalbrand zum Ausbruch.